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Neuruppin Mordprozess fortgesetzt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Mordprozess fortgesetzt
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00:21 03.06.2018
Radensleben, In der Wohnung von Renee G. wurde eine Leiche in einer Mülltonne gefunden. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Jörg S. war in Radensleben als „netter Opi, friedlich, freundlich“, als „ein Mensch, der niemandem etwas zu Leide tut“ bekannt. Seit März 2016 lebte der 54-Jährige im örtlichen Seniorenwohnpark. Am 22. August vergangenen Jahres meldete ihn die Heimleiterin als vermisst. Gefunden wurde der Mann Mitte September – tot in einer blauen Papiertonne in der Wohnung von Renee G. gleich gegenüber der Seniorenanlage. 72 Stiche wies die Leiche auf.

Angeklagter schwieg bereits bei der Polizei

Wegen Mordes müssen sich der 37-jährige Renee G. und der 21-jährige Steve Z. seit dem 18. Mai vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Beide schweigen vor Gericht. Das hatte Renee G. bereits nach seiner Festnahme bei der Polizei getan, wie sich eine Beamtin erinnerte.

Angeklagte zeigte sich großkotzig, weinerlich und freundlich

Laut Protokoll vom 12. September sagte er: „Ich möchte nicht aussagen, ich will niemanden belasten.“ Die Beamtin hatte den Eindruck, dass er nicht abgeneigt war, mit der Polizei zu sprechen. Er habe mit sich gerungen. Die Vernehmung sei gekennzeichnet gewesen von seinen Stimmungsschwankungen, die alle Facetten der Schauspielerei gehabt hätten: Er sei großkotzig, arrogant, jammernd, weinerlich und freundlich gewesen, so die Beamtin. Zwischendurch habe er mal kurz Emotionen gezeigt, geschluchzt und geweint. Sein Leben sei sowieso versaut, ihm sei alles egal. Um ihn zu einer Aussage zu bewegen, hätten ihm die Beamten vorgehalten, dass Steve Z. rede, jedoch nicht den Inhalt der Aussage. Doch Renee G. blieb bei seiner Strategie.

Verwesungsgeruch war unerträglich

Den Kriminaltechnikern, die die Wohnung von Renee G. durchsuchten, schlug ein Geruch entgegen, der, wie ein Beamter sagte, „Verwesung hätte sein können“. Der Geruch wurde stärker, als sie zu einer Nische im Flur kamen. Die war mit zwei Lamellentüren abgetrennt, vor der blaue Plastiksäcke hingen. Diese, so mutmaßte der Kriminaltechniker, waren vorher mit Pinnadeln befestigt gewesen, um den Raum hermetisch abzuschließen. Im hinteren Bereich stand eine 240-Liter-Papiertonne, auf der etwa ein Meter hoch Bekleidung aufgetürmt war. Nachdem sie alles beiseite geräumt hatten, öffneten sie die Tonne. „Es war ein unglaublicher Geruch, unerträglich. So etwas habe ich erst einmal erlebt“, sagte der Beamte. Unter einem „nassen Klumpen Textilien“ ertastete er einen harten runden Gegenstand, in dem er einen menschlichen Kopf erahnte. Was sich als richtig herausstellte: Es war Jörg S..

Überall Blut an Tapeten, Boden und Sockelleisten

Die Kriminaltechniker brachten die Tonne nach draußen und übergaben sie so, wie sie war, an den Bestatter und die Rechtsmedizin. Dann begann ihre Arbeit: Die Untersuchung der Wohnung zog sich über sieben Tage hin. Die Küche, so der Beamte, war „untypisch leer“, die Tapete großflächig abgerissen. An den verbliebenen Resten entdeckten sie Blutspitzer, ebenso auf dem Boden und den Sockelleisten. „Man musste das Blut in der Küche nicht unbedingt mit der Lupe suchen“, sagte er. Wie sich später erwies, war es Blut des Opfers. Daneben entdeckten sie Blut im Flur und am Waschbecken im Bad. Bei der Suche nach möglichen Tatwerkzeugen wie Messer und Scheren wurden sie nach eigenen Angaben nicht so richtig fündig.

Die Verhandlung wird am 7.Juni fort gesetzt.

Von Dagmar Simons

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