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Neuruppin Die nächste Lücke in der Altstadt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Die nächste Lücke in der Altstadt
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00:21 11.10.2018
Vor dem heruntergekommenen Eckgebäude ist schon alles für den Abriss bereit. Quelle: Reyk Grunow
Neuruppin

Die ersten Wände könnten noch in dieser Woche fallen. Das gesamte Haus soll bis Ende Oktober verschwunden sein. Zumindest der Teil, der nicht in die Erde ragt. Der Abriss des völlig heruntergekommenen Wohnhauses an der Schulzenstraße 8 in Neuruppin ist in vollem Gange.

Wenn es nach Robert Liefke, dem Chef der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG), gegangen wäre, würde das alte Eckhaus schon längst nicht mehr stehen. Er hatte schon vor mehr als einem Jahr mit dem Abriss gerechnet. Doch so einfach ist das in Neuruppin nicht.

Vom Stadtbrand zum Teil verschont

Die Schulzenstraße gehört zu den ältesten Teilen der Stadt. Einige Häuser dort haben sogar den Stadtbrand 1787 überstanden der einen großen Teil des damalige Neu-Ruppin vernichtet hatte.

In der Schulzenstraße 6 stand bis vor wenigen Jahren das älteste datierte Wohnhaus der Fontanestadt, es war 1689 entstanden. Die Stadt hatte es an einen Investor verkauft, des es sanieren wollte, aber letztlich nicht konnte. Schließlich war das Gebäude in so schlechtem Zustand, dass die Neuruppiner Verwaltung dem Abriss zustimmte.

Ähnlich schlecht steht es um das Haus in der Schulzenstraße 8, das die NWG jetzt abtragen lässt. Dieses Gebäude ist allerdings nicht ganz so alt und auch kein Einzeldenkmal. Trotzdem hat bei den Plänen die Denkmalbehörde ein gehöriges Wort mitzureden.

Das Zentrum des alten Neu-Ruppin

Die Schulzenstraße war einst das Verwaltungszentrum der Stadt. Dort saß bis ins 15. Jahrhundert der Schulze als Stadtoberhaupt. Von dessen Haus aus wurden alle anderen Gebäude der Stadt fortlaufend nummeriert.

Dort befanden sich auch der Stadthof mit Marstall und Meierei, das städtische Zeughaus und ein Gefängnis- oder Pulverturm.

Der Turm an der Stadtmauer wurde nach dem Stadtbrand abgebrochen, die Reste um 1900 zerstört.

Immerhin gilt die gesamte Neuruppiner Altstadt als sogenanntes Flächendenkmal. Dort ist alles, was gebaut wurde, mehr oder weniger historisch wertvoll.

Das Haus mit der Nummer 8 in der Schulzenstraße ist freilich ein Sonderfall. Kaum ein anderes Gebäude in der Altstadt ist derart heruntergekommen.

Die Ruine gehörte lange der Stadt

Bis Anfang 2017 gehörte es der Stadt Neuruppin, dann hat die es an ihre Tochterfirma NWG verkauft. Das Geschäft war noch gar nicht richtig abgewickelt, als schon die Bauaufsicht des Landkreises einschritt: Von der maroden Fassade stürzten große Putzfladen auf die Straße und den Gehweg. Die NWG musste das baufällige Gemäuer von einem Statiker prüfen und aufwändig sichern lassen. Damit es nicht zusammenbricht, bevor es dafür eine Erlaubnis gibt.

Dass es Sanierung kaum infrage kommt, war schnell klar. Die verwinkelten Räume lassen sich kaum so umbauen, dass alle Auflagen für eine moderne Wohnung erfüllt werden können. Auch die Denkmalbehörde stimmte dem Abriss schließlich zu. Die gesamte alte Bausubstanz musste von Fachleuten vorher vermessen und dokumentiert werden. Das ist inzwischen geschehen.

Neubau soll 2020 fertig sein

Vor dem Gebäude liegen inzwischen schwere Betonplatten auf einer dicken Schicht Kies. Sie sollen verhindern, dass die Fahrbahn beschädigt wird, wenn die Mauern in einigen Tagen tatsächlich fallen.

Ein paar Monate wird nach dem Abriss wohl eine Baulücke klaffen. Generell will die NWG an derselben Stelle jedoch ein neues Wohnhaus bauen. „Wir haben das Geld für einen Neubau im Wirtschaftsplan für 2019 eingeplant“, sagt NWG-Chef Liefke.

Das neue Wohnhaus soll wenigstens fünf Wohnungen haben. Wie es aber aussehen wird, kann derzeit niemand sagen. Die NWG musste sich verpflichten, einen Art Gestaltungswettbewerb zu veranstalten. Wenigstens drei Ingenieur- und Architektenbüros sollen Ideen für ein neues Wohnhaus einreichen. Ideen, die in die historische Altstadt passen – das war eine Auflage für die Abrissgenehmigung. Gutachter entscheiden letztlich, welcher Entwurf gebaut werden soll.

Den Bau bloß nicht verschieben

Robert Liefke hofft, dass der Rohbau bereits Ende 2019 steht und das komplette neue Gebäude 2020 fertig wird. Der NWG-Chef will aber auch nichts überstürzen. Die Entwürfe sollen durchdacht sein, sodass alle Beteiligten damit leben können, auch Denkmalbehörde und Stadtverwaltung.

Die Sparkasse musste gerade erst ihr Bauvorhaben auf den benachbarten Flächen an der Ecke August-Bebel- und Schinkelstraße verschieben. Der Entwurf für die dort geplanten Wohnhäuser entsprach nicht dem, was sich Neuruppin für ein so markantes Grundstück in der Altstadt vorstellt (die MAZ berichtete). So etwas will NWG-Chef Liefke für sein Projekt vermeiden.

Von Reyk Grunow

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