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Neuruppin Behörde stuft Hausboot als Bauwerk ein
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Behörde stuft Hausboot als Bauwerk ein
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01:15 04.06.2018
Ralf Günther gestern mit seinem Hausboot „Günni“ auf dem Ruppiner See. Quelle: Andreas Vogel
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Neuruppin

Kein lautes Tuckern, keine Wellen. Ruhig gleitet das Hausboot von Ralf Günther (40) am Vormittag über den Ruppiner See. Der Wirtschaftsingenieur, der aus Jena stammt und seit 2007 auch in Neuruppin arbeitet, hat sich vor etwa drei Jahren ein knapp 15 Meter langes Hausboot gekauft, das bereits seit Jahren auf dem Ruppiner See unterwegs ist. „Das ist optimal zum Trainieren“, sagt Günther, der nicht nur bei der Wasserwacht aktiv ist, sondern auch leidenschaftlicher Schwimmer.

Vor allem das Kraulen und Rückenschwimmen haben es ihm angetan. Bei den Deutschen Meisterschaften belegt er regelmäßig Medaillenränge und war im vergangenen August sogar bei den Weltmeisterschaften im ungarischen Budapest. Dabei macht er seinen Sport lediglich nebenbei und arbeitet als Berater.

Behörde fordert, dass das Hausboot entfernt wird

Doch seit ein paar Monaten ist für Ralf Günther die Welt aus den Fugen geraten. Grund ist ein überraschendes Schreiben des Kreisbauamtes aus Neuruppin. Dieses will, dass Günther sein Hausboot entfernt. Grund: Es handele sich um eine bauliche Anlage, für die es keine Genehmigung gab und auch nicht geben wird. Deshalb soll er 1200 Euro und im Wiederholungsfall sogar 10 Millionen Euro zahlen.

Hausbootbesitzer Ralf Günther versteht die Welt nicht mehr. Quelle: Andreas Vogel

Die Strafsumme habe das Amt zwar auf 1000 Euro korrigiert und sich für den Fehler mit der Millionen-Strafandrohung entschuldigt. Gleichwohl glaubt Günther, sich verlesen zu haben. „Ein Boot ist ein Boot und keine bauliche Anlage.“ Zwar sei es richtig, dass ein Boot die meiste Zeit steht und nicht auf den Gewässern unterwegs ist. „Das ist aber bei einem Auto nicht anders“, so Günther. Doch das Verwaltungsgericht Potsdam, an das sich Günther gewandt hatte, um sein Hausboot weiter nutzen zu können, hat dem Kreis-Bauamt in einem Eilverfahren überraschend Recht gegeben. Demnach handelt es sich nach Auffassung des Gerichts bei dem Hausboot, „das über eine Steganlage mit dem Erdboden verbunden ist, um eine aus Bauprodukten hergestellte Anlage,“ die nach ihrem Verwendungszweck dazu bestimmt sei, „überwiegend ortsfest benutzt zu werden.

Zahlreiche Besitzer von Hausbooten sind verunsichert

Wegen dieser Argumentation sind derzeit viele Besitzer von Haus- und anderen Booten in heller Aufregung. Auch das Fernsehen ist auf den Neuruppiner Fall aufmerksam geworden. Das Frühstücksfernsehen von Sat 1 hat über den „Behördenirrsinn“ schon berichtet, ARD, ZDF, RTL, N 24 und das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ haben sich ebenfalls bei Ralf Günther gemeldet.

Für Rolf Bähr ist das wenig verwunderlich. Der Rechtsanwalt und einstige Präsident des Deutschen Segler-Verbandes ist erstaunt, dass sich überhaupt das Bauamt mit Booten beschäftigt. Sei das doch eine Sache der unteren Wasserbehörde. Zudem regele die europäische Sportrichtlinie, dass Boote bis zu einer Länge von knapp 24 Metern nicht nur Wasserfahrzeuge, sondern Sportboote seien. „Es ist aberwitzig, mit dem Baurecht zu kommen“, so Bähr. Schließlich würden der Bund und die Länder derzeit Millionen ausgeben, um den Wassertourismus zu fördern.

Viel Unterstützung für den Neuruppiner

Bähr vermutet, dass vielleicht einem Nachbarn von Ralf Günther das Hausboot nicht gefällt und er sich deshalb an das Bauamt gewandt hat. Der Anwalt geht nicht davon aus, dass der Beschluss eines Einzelrichters im Eilverfahren Bestand haben wird – zumal in der Hauptsache noch nicht entschieden wurde. Schließlich haben sich bei Günther schon viele Wassersportler, Freizeitkapitäne und Wasservereine gemeldet, die ihn bei seinem Streit mit der Behörde unterstützen wollen, notfalls auch vor dem Bundesverwaltungsgericht.

Von Andreas Vogel

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