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Neuruppin Hier können Graffitti-Künstler ungehindert sprayen
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01:15 01.11.2018
Graffiti-Künstler in Neuruppin bekommen freie Flächen für ihre Kunst. Bürgermeister Jens-Peter Golde lässt sich ein Werk erklären.
Neuruppin

Die Graffiti-Szene in Neuruppin kann sich seit gestern auf ganz legalen Sprayer-Flächen austoben. Die drei Buswartehäuschen hinter der Pfarrkirche stehen den Kreativen mit den Hochdruckdosen zur Verfügung, um ihrer Kreativität freien Lauf zulassen. Für sie ist das eine ganz neue Erfahrung.

Graffiti-Künstler bei der Arbeit in einem der drei Bushäuschen hinter der Neuruppiner Pfarrkirche. Quelle: Peter Geisler

„Das Problem sind definitiv legale Wände in der Stadt. Sodass man auch ungestört am helllichten Tage malen kann. Die fehlten einfach“, sagt ein 17-Jähriger. Er will seinen Namen nicht nennen.

„Es fühlt sich schon ganz anders an.“

Und das obwohl er gestern ganz offiziell sprühen durfte. Er kam zur offiziellen Vorstellung der freigegebenen Flächen. Bürgermeister Jens-Peter Golde und Baudezernent Arne Krohn waren da. Die Stadt stellt die Flächen zur Verfügung. Auch Alexander Golling vom Jugendfreizeitzentrum (JFZ) sowie Tino Schlüter von der Jugendhilfe Nordwestbrandenburg (JNWB) waren zu den drei Häuschen gekommen. Sie leiten Graffiti-Workshops und unterstützen die Sprayer in der Stadt mit Material.

„Es fühlt sich schon ganz anders an“, sagt der 17-Jährige auf die Frage, wie er sich denn fühle, so ganz legal, mitten in der Stadt und mitten am Tage sprühen zu dürfen. „Und vor allem bin ich gespannt auf die Reaktionen von außenstehenden Leuten.“

Die verschiedensten Stile sind zu sehen. Quelle: Peter Geisler

Während etwa zehn Sprayer gestern Nachmittag ihrer Kreativität an den weiß getünchten Wartehäuschen freien Lauf lassen, sprechen die Vertreter der beteiligten Institutionen hinter den Häuschen darüber, warum sie sich dazu entschieden haben, den Graffiti-Künstlern in der Stadt einen Raum der Legalität zu schaffen. Die Möglichkeiten im JFZ ausgenommen, gab es bisher keine freien Flächen in der Stadt.

„Die Grundidee ist, darauf zu schauen, dass Schmierereien in der Stadt abnehmen“, sagt JFZ-Vertreter Alexander Golling. „Wir sehen uns als Jugendfreizeitzentrum in der Verantwortung, da was zu machen und zu gucken, dass es funktioniert.“

Pilotprojekt im JFZ gab den Anstoß

Mit einem Pilotprojekt im JFZ über ein Jahr hinweg hatten Golling und seine Kollegen bereits gute Erfahrungen gesammelt. Auch am Gebäude des Freizeitzentrums tauchten einst Bildnisse auf. Das nahm schließlich Überhand. „Wenn so etwas passiert, ist das ein Bedarf, der nicht gedeckt wird“, sagt Golling. „Wir haben den Bedarf angenommen und die Möglichkeit geschaffen, zu sprühen und die Jugendlichen zu fördern.“ Sie bauten Wände und veranstalteten Workshops.

Mit Anne Schommler vom Bauamt kamen sie ins Gespräch. Wenig später stand fest: Die Jugendlichen bekommen auch in der Stadt ihre freien Flächen. „Das ist nicht nur ein Vorteil für die Stadt und die Anwohner“, sagt Alexander Golling. „Das ist auch kulturell total wertvoll. Und ich denke, Neuruppin kann da Vorreiter im gesamten Bundesland sein. Alle Beteiligten von JFZ, JNWB und Stadt haben nicht versucht, das Problem vor sich herzuschieben, sondern es angepackt.“

Und immer wieder ist der große Dichter und seine Geburtsstadt Thema in den Graffitis. Quelle: Peter Geisler

Der Plan ist, die drei Buswartehäuschen als Anfang zu sehen. Je nachdem, wie sich das Projekt dort entwickelt, sollen später weitere Flächen dazukommen. Die freien Flächen sollen die Jugendlichen später in regelmäßigen Abständen mit weißer Farbe übermalen, um Platz für neue Werke zu schaffen.

Außerdem sind mit den freien Flächen weitere Workshops für die Jugendlichen geplant. „Ziel ist es letztlich, dass die Jugendlichen sich in Eigenverantwortung und Selbstständigkeit um die Wände kümmern und wir quasi nur als aufpassendes Organ fungieren“, sagt Alexander Golling. Deshalb dienen JFZ und JNWB stets als Ansprechpartner. Im besten Fall sprechen interessierte Sprayer zuvor mit den Leuten dort, bevor sie ihre Dosen an den freien Flächen in die Hand nehmen.

Bushäuschen als Präsentierteller

Neuruppins Baudezernent Arne Krohn ist begeistert von der Idee, die Wartehäuschen zur Verfügung zu stellen. „Da wird sowieso öfter draufgesprüht“, sagt er. „Anderseits sind sie Präsentierteller der Stadt, wo man auch zeigen kann, was man kann. Und deswegen finde ich das einen super Standort.“

Von Annika Jensen

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