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Neuruppin Klinik-Fahrer wehrt sich gegen fristlose Kündigung
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Klinik-Fahrer wehrt sich gegen fristlose Kündigung
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17:15 05.07.2018
Rettungskräfte wie diese haben es offenbar immer häufiger mit aggressiven Patienten zu tun. Quelle: dpa
Neuruppin

Die Vorwürfe sind heftig: Ein 59-jähriger Krankentransportfahrer der Ruppiner Kliniken soll eine 34-jährige Patientin wiederholt geschlagen haben, weil die unter Alkohol und anderen Drogen stehende Frau aus Wusterhausen ihn zuvor mehrfach bespuckt hatte. Die Pro-Klinik-Holding, das Mutterunternehmen des Neuruppiner Krankenhauses, machte wegen des Vorfalls kurzen Prozess – und kündigte ihren Mitarbeiter fristlos.

Doch Eduard R., der seit 31 Jahren für das Krankenhaus arbeitet und bisher keine Abmahnung erhalten hat, setzt sich gegen die fristlose Kündigung zur Wehr. Vor dem Neuruppiner Arbeitsgericht will er erreichen, dass er in der Klinik wieder auf seinem bisherigen Platz arbeiten kann. Das lehnt die Holding ab. Eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses sei wegen der Schläge gegen die Patientin unzumutbar, heißt es.

Anwalt bezweifelt die Vorwürfe

Das sieht Klaus-Dieter Miesbauer, der Anwalt von R., ganz anders. Demnach ist keinesfalls sicher, dass sein Mandant die Patientin geschlagen hat. „Ich habe der Frau nur den Mund zugehalten und die Decke über den Kopf gezogen, damit sie mich nicht weiter anspucken kann“, beteuerte R. Denn die Frau sei zwar an ihrem Bett fixiert gewesen, habe aber ihren Oberkörper bewegen und mit dem Kopf in Richtung des Krankenhauspersonals zielen können.

„Es gab nur eine Bewegung zum Kopf, aber keinen Schlag“, betonte auch Miesbauer. Die Krankenschwester, die die Patientin schließlich auf die Station aufgenommen habe, hätte sicher notiert, wenn diese Rötungen im Gesicht gehabt hätte, die vermutlich auf Schläge zurückzuführen seien. Der Anwalt wunderte sich zudem, dass die Patientin keinen Mundschutz trug. Dieser hätte verhindern können, dass Schwestern, Pfleger oder eben auch Krankentransportfahrer von ihr bespuckt werden.

Klinik-Anwältin beruft sich auf zwei Zeugen

Mareen Schmelter, die Anwältin der Kliniken, besteht gleichwohl auf die fristlose Kündigung. Schließlich gebe es mindestens zwei Zeugen dafür, dass R. die Patientin geschlagen habe. Eine weitere hatte zunächst von Schlägen gesprochen, dies aber revidiert. Demnach hat sie lediglich „Armbewegungen“ von R. in Richtung Patientin gesehen. Das sieht der Betriebsrat ähnlich. Er hat sich gegen die fristlose Kündigung von R. ausgesprochen.

Unklar blieb vor dem Arbeitsgericht, wie viele Mitarbeiter den Vorfall, der sich bereits am 6. März im Neuruppiner Krankenhaus ereignete, mit eigenen Augen gesehen haben. Vermutlich auch deshalb vertagte Arbeitsrichter Jürgen Walther eine Entscheidung. Vielmehr sollen Anfang Oktober vier Zeugen gehört werden, um entscheiden zu können, ob die fristlose Kündigung von R. gerechtfertigt ist.

Patientin wurde wenige Tage später wohl erneut aggressiv

Die 34-jährige Patientin hatte die Kliniken übrigens nur wenige Stunden nach dem Vorfall auf eigenen Wunsch verlassen. Allerdings soll die Frau ein paar Tage später erneut eingeliefert worden sein. Diesmal habe sogar die Polizei gerufen werden müssen, um die Patientin bändigen zu können, so Anwalt Miesbauer. Dies habe aber nichts mit dem Fall von R. zu tun, sagte Klinik-Anwältin Schelter.

Ob die Kliniken immer mehr mit rabiaten Patienten zu tun haben, ist unklar. „Dazu führen wir keine Statistik“, sagte Sprecherin Verena Clasen. Generell hätten jedoch sowohl die Gewaltbereitschaft gegenüber Einsatzkräften als auch die Rücksichtslosigkeit zugenommen, betonte Christov Sabo, der Leiter des Ostprignitz-Ruppiner Rettungsdienstes. Deshalb würden verstärkt Fortbildungskurse angeboten, damit die Mitarbeiter lernen, wie sie sich in solchen Situationen schützen und deeskalierend wirken können, ohne dass dieses Verhalten als Provokation aufgefasst werde.

Von Andreas Vogel

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