Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Hitze: Am wichtigsten ist ein Schutz für den Kopf
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Hitze: Am wichtigsten ist ein Schutz für den Kopf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:53 29.07.2018
Dirk Nagel (l.) und Steven Gebauer von der Perleberger Tiefbau GmbH schwitzen bei der Hitze in Kränzlin. Mit nassen Tüchern versuchen sie, sich abzukühlen.
Neuruppin

Der Fischotter im Tierpark Kunsterspring bekommt in diesen Tagen mit Sicherheit etliche neidische Blicke. Er fühlt sich im Wasser pudelwohl. Im kühlen Nass der Kunster macht ihm die Hitze wenig aus.

Steven Gebauer und seine Kollegen von der Perleberger Tiefbau-Gesellschaft können davon nur träumen. Hitze hin oder her: Die Straßenbauer müssen ihre Arbeit machen. Die Ortsdurchfahrt von Kränzlin muss fertig werden. Gerade sind die Männer dabei, im zweiten Bauabschnitt die neue Gosse anzulegen. „Ich hab immer ein nasses Handtuch im Nacken“, sagt Steven Gebauer. Ohne das wäre es kaum auszuhalten. Und natürlich stellt ihr Chef viele Getränke zur Verfügung.

Im Sommer geht die Arbeit früher los

Aber wenn die Sonne brennt, dann brennt sie. Da hilft nur früher mit der Arbeit zu beginnen und natürlich auch früher Schluss zu machen. Morgens ist es wenigstens etwas kühler. „Wir fangen jetzt immer um 6 Uhr an“, sagt Dirk Nagel: „Sonst wäre das überhaupt nicht auszuhalten.“

Was die Arbeiter machen, empfiehlt auch Erik Weidmann, der Leiter der Notaufnahme an den Ruppiner Kliniken. „Bisher melden sich bei uns nur vereinzelt Menschen, die Probleme mit der Hitze haben“, sagt er. Doch das ist nicht ungewöhnlich. Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre weiß er: Erst nach drei bis vier Wochen Hochsommer nimmt die Zahl der Patienten mit Kreislaufproblemen zu. „Die Leute trocknen dann aus“, sagt der Mediziner. Vor allem ältere Menschen sind gefährdet.

Viel trinken und eine Mütze aufsetzen

Dagegen hilft eigentlich nur, sich an die Empfehlungen zu halten, die immer bei Hitze gelten. Viel trinken und vor allem eine Mütze aufsetzen. Denn der Kopf ist besonders gefährdet. Schon nach einer halben Stunde in der Sonne kann die Hirnhaut gereizt werden. Das führt zu Kopfschmerzen und Schwindel. „Das ist dann ein Sonnenstich“, sagt Weidmann. Und noch einen Rat hat er: „Man sollte seine Aktivitäten möglichst in die Morgen- und Abendstunden verlegen.“ Doch das kann nicht jeder.

Die Frauen und Männer der Neuruppiner Feuerwehr müssen ausrücken, wenn ein Alarm eingeht. Die schwere und dicke Schutzkleidung müssen sie schon zur eigenen Sicherheit bei jedem Einsatz tragen.

Bei der Feuerwehr fließt der Schweiß

Bei 35 Grad Außentemperatur und Dauersonnenschein fließt da schnell der Schweiß in Strömen. Eigentlich gibt es für die Schutzanzüge sogar eine Art Klimaanlage, sagt der stellvertretende Wehrführer der Neuruppiner Retter: „Wir haben spezielle Westen zum Drunterziehen.“ Doch müssen sie vorher aber in Wasser getaucht werden, damit sie kühlen. Bei allem, woran die Frauen und Männer bei einem Alarm denken müssen, werden die Westen gerne mal vergessen.

Bei den Ruppiner Kliniken sind derzeit zwei Mitarbeiter der Park- und Landschaftspflege rund um die Uhr im Gießeinsatz. Sie halten mit jeder Menge Wasser die 40 Hektar Park, 2000 Bäume, zehn Kilometer Hecke und 85 000 Quadratmeter Rasen am Leben. Alle Flächen müssen spätestens jeden zweiten Tag bewässert werden, sagt Krankenhaussprecherin Verena Clasen: „Das ist so aufwändig wie noch nie.“

Der Fußballplatz wird zweimal am Tag gewässert

Für den Fußballplatz des Vereins Maulwürfe in Gühlen-Glienicke wäre es trotzdem zu wenig. Zweimal am Tag wird der derzeit beregnet, damit das Gras grün bleibt, sagt Gordon Elend, der die Fußball­abteilung leitet. Ohne diese Unmengen an Wasser würde nicht nur der Rasen vertrocknen, sondern auch der Boden bald hart wie Beton – Verletzungsgefahr für Spieler.

Zum Glück gibt es in Neuruppin genügend Wasser. „Im Sommer steigt der Verbrauch etwa um ein Drittel“, sagt Joachim Zindler von den Stadtwerken in Neuruppin. Nutzen die Neuruppiner sonst etwa 4600 Kubikmeter am Tag, sind es jetzt in den Spitzenzeiten bis zu 6400 Kubikmeter – 6,4 Millionen Liter. Die Pumpen schaffen das problemlos, niemand müsse Angst haben, dass das Trinkwasser bald knapp wird, versichert Zindler.

De Stadtwerke haben genügend Wasser

So sicher ist die Versorgung nicht überall. In einigen Orten bei Oranienburg galt über Wochen ein Sprengverbot am Tage, nur zwischen 21 Uhr und 7 Uhr am Morgen durften Gärten bewässert werden, um die Versorgung der Menschen nicht zu gefährden. „So etwas gibt es bei uns nicht“, sagt Zindler. „Und es ist auch nicht vorgesehen, so ein Verbot einzuführen.“

Das Neuruppiner Leitungsnetz bekommt sein Trinkwasser an mehreren Stellen, verteilt über die gesamte Stadt: aus Stendenitz, vom Wasserwerk an der Gentzstraße, aus Treskow und aus Gildenhall.

Von Reyk Grunow

In der Erntezeit ist erhöhte Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme auf den Straßen angesagt. Landwirte müssen ihre Ladung gut sichern und die Fahrzeuge vorschriftsmäßig kennzeichnen

28.07.2018

Ein 100-Betten-Hotel wollte ein Pharmaunternehmen im idyllischen Steinberge bei Gühlen-Glienicke einst bauen. Die Planungen ziehen sich seit vielen Jahren hin. Jetzt zieht die Stadt Neuruppin die Reißleine.

28.07.2018

121 Pkw und 40 Lkw hat die Polizei bei einer groß angelegten Aktion am Donnerstag kontrolliert: Autofahrer waren ohne Gurt unterwegs oder fuhren bei Rot über die Ampel. An einem Lkw war die Abgasanlage manipuliert.

27.07.2018