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Neuruppin Schüler streiken für Klimaschutz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Schüler streiken für Klimaschutz
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00:23 18.03.2019
Immer mehr Schüler reihten sich am Freitag in Neuruppin in die Demo für bessere Klimapolitik ein. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Mehr als 120 Schüler haben am Freitag auf dem Neuruppiner Schulplatz für mehr Klimaschutz demonstriert. „Ich will, dass unser Planet für meine Kinder und Enkel noch genauso schön ist wie jetzt“, sagte Emma Kiehm.

Das ist der 14-jährigen Neuruppinerin, die auf die Montessori-Oberschule geht, wichtig. Deshalb war sie auch auf den beiden vorherigen Demonstrationen „Fridays for Future“ in der Fontanestadt dabei.

Unter dem Motto „Friday for Future“ machen seit Monaten weltweit Schüler freitags auf die Klimakatastrophe aufmerksam. „Die Themen Klima- und Umweltschutz müssten noch mehr in der Schule behandelt werden“, sagt Kiehm, die Veganerin ist und ein Plakat mit der Aufschrift „Es gibt keinen Planeten B“ trägt.

Das Thema Schule ist kompliziert: Brandenburgs Bildungsministerium hat in dieser Woche die Schulen informiert, dass Fehlstunden durch die Demonstrationen für mehr Klimaschutz zu dokumentieren sind. Die Aktion in Neuruppin hat zwar erst um 13 Uhr begonnen, aber auch Emma Kiehm hätte da eigentlich noch Unterricht, passenderweise „Studierzeit“. „Die Lehrer haben Verständnis für die Demonstrationen“, sagt die Neuruppinerin.

Verständnis für die Aktion, die am Schinkelgymnasium begonnen hat und über die Evangelische und die Montessorischule zum Schulplatz führt, haben auch viele Passanten.

Kein Bock auf Smog – Schüler machen ihrem Ärger Luft. Quelle: Peter Geisler

„Ich finde das gut“, sagt Jan Lehmann, der beim Rettungsdienst arbeitet und von dem Demonstrationszug überrascht wurde. Beate Probst, die gerade ihren Enkel von der Schule abholt, wäre es jedoch lieber, wenn die Schüler erst nach dem Unterricht auf die Straße gehen und demonstrieren.

Golde: Das ist praktischer Schulunterricht

Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin), der spontan zur Kundgebung gekommen ist und sich mit den Schülern solidarisiert, sieht kein Problem in der Demonstration.

„Das ist praktischer Schulunterricht“, sagt Golde. Der Rheinsberger Kreistagsabgeordnete Freke Over (Linke) geht noch einen Schritt weiter. „Es gibt ein Recht auf Widerstand, bis echter Klimaschutz anfängt.“ Die Schulpflicht müsse deshalb hinten anstehen, so Over.

Das sehen jedoch längst nicht alle Lehrer und Eltern so. Deshalb hat sich Louis Syrke (16) vom Schinkelgymnasium von seinen Eltern, die sein Engagement unterstützen, eine Entschuldigung schreiben lassen. Denn eigentlich hätte er gerade Chemie.

Mehr als 120 Schüler trotzten am Freitag in Neuruppin dem immer wieder aufkommenden Regen. Quelle: Andreas Vogel

Doch der Neuruppiner will wie die meisten der Demonstrierenden, dass Deutschland schneller aus der Kohle aussteigt und nicht erst im Jahr 2038, wie es die Kohlekommission ausgehandelt hat.

Immer wieder skandieren die Schüler „Wir sind hier, wir sind laut, weil man unsere Zukunft klaut“. Auch die Rheinsberger Landtagsabgeordnete Ulrike Liedtke (SPD) hat sich in die Kundgebung eingereiht. „Ich will den Schülern meinen Respekt für ihr Engagement zollen.“

18-jähriger Maximilian will mehr Investitionen für die Schiene

Maximilian Kowol gehört zu den Organisatoren der Demonstration. „Wir müssen unsere Zukunft allein in die Hand nehmen, weil es die Politik nicht für uns macht“, sagt der 18-Jährige, der für deutlich mehr Investitionen in die Schiene wirbt.

Über die klaren Worte der Schüler freut sich auch Manfred Prange. Der 70-Jährige ist am Freitag extra mit der Bahn aus Pritzwalk gekommen, um bei der Demonstration für mehr Klimaschutz in Neuruppin dabei sein zu können. „Es ist schon lange Zeit, sich stärker für einen besseren Klimaschutz zu engagieren“, betont der Rentner.

Kreistagsabgeordneter Freese froh, dass auch Lehrer kommen

Indes ist der Neuruppiner Kreistagsabgeordnete Wolfgang Freese (Bündnisgrüne) froh, dass er unter den Teilnehmern der Kundgebung auch fünf Lehrer entdeckt hat.

Die Schüler wollen ihre Proteste für mehr Klimaschutz und für einen früheren Ausstieg aus der Kohle fortsetzen. Die nächste Demonstration soll es am 12. April, am Freitag vor den Osternferien in Neuruppin geben.

Die Schüler zogen vom Schinkelgymnasium zum Neuruppiner Schulplatz. Quelle: Andreas Vogel

Von Andreas Vogel

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