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Neuruppin Martinimarkt lässt eine neue Welt entstehen
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Martinimarkt lässt eine neue Welt entstehen
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21:07 29.10.2018
Charlotte Freiwald (20), Juniorchefin des Schaustellerbetriebes Freiwald, mit ihrer Hündin Tequila.
Neuruppin

Der Himmel ist grau. Ab und zu schafft es die Sonne dennoch durch die widerspenstige Wand aus Wolken. Es weht ein kalter, unangenehmer Wind. Die Neuruppiner stört’s nicht. Sie bereiten sich wie seit über 360 Jahren auf den Martinimarkt vor. Auf dem Bernhard-Brasch-Platz, auf dem Schulplatz und auf der Karl-Marx-Straße dazwischen entsteht für zehn Tage eine Welt für sich. Eine Welt, die glitzert und blinkt. Eine Welt, die herrlich duftet und vor allem eine Welt, in der die Bäuche vor Nervenkitzel in den Fahrgeschäften kribbeln.

Charlotte Freiwald (r.) hilft beim Aufbau des Fahrgeschäfts "Speed Wave" für den Martinimarkt auf dem Schulplatz. Quelle: Annika Jensen

Viele Tage bevor der Markt öffnet, kommen rund 100 Schausteller nach Neuruppin. Und so herrscht am Wochenende vor dem großen Trubel auf dem Schulplatz reges Treiben. Die Schausteller arbeiten auf Hochtouren, damit alle Fahrgeschäfte bereit sind für den Markt. Es entstehen Buden, ein Riesenrad, ein ungewöhnliches Kettenkarussell und viele weitere aufregende Fahrgeschäfte. Zahllose Campingwagen und Wohnmobile stehen am Rande des Platzes. Am Rosengarten entsteht ein regelrechtes Dorf. Es ist die zweite Welt, die während des Martinimarktes für kurze Zeit existiert.

In der sechsten Generation Schausteller

Mit mehreren Wohnwagen für sich und die Mitarbeiter ist auch Charlotte Freiwald angereist. Die 20-Jährige beaufsichtigt gerade den Aufbau des ungewöhnlichen Kettenkarussells. „Es ist der wahrscheinlich schnellste Wellenflieger der Welt“, sagt Charlotte Freiwald. Neben einem „Kaminstübchen“ ist es das einzige Fahrgeschäft, mit dem ihr Familienbetrieb „Schaustellerbetrieb Torsten Freiwald“ auf dem Neuruppiner Martinimarkt vertreten ist.

Am Freitag, 2. November, öffnet der Neuruppiner Martinimarkt zum 363. Mal seine Pforten.

Zwischen der Friedrich-Ebert-Straße und der Rudolf-Breitscheid-Straße bauen etwa 100 Schausteller zahlreiche Buden, Fahrgeschäfte und Schießstände auf.

Organisator ist die städtische Inkom, die den Markt stets als „die größte Kirmes zwischen Ostsee und Berlin“ umwirbt. Sie rechnet mit bis zu 100.000 Besuchern in der 31.000-Einwohner-Stadt.

Höhepunkte sind unter anderem „Das Zelt“, in dem täglich ein wechselndes Programm zu sehen sein wird sowie der große Martinibasar. Und natürlich der traditionelle Tiermarkt hinter der Pfarrkirche, der schon seit Beginn der Martinimarkt-Geschichte dazugehört. Im Gegensatz zu damals stehen allerdings sehr viel mehr Kleintiere zum Verkauf.

Der Rummel endet am Sonntag, 11. November. Am 2. November öffnet er um 18 Uhr und geht bis Mitternacht. Am Sonnabend läuft er von 14 bis 24 Uhr. Sonntag bis Donnerstag sind die Tore von 14 bis 22 Uhr geöffnet. Freitag und Samstag in der zweiten Woche ist der Besuch von 14 bis 24 Uhr möglich und am letzten Tag, Sonntag, von 14 bis 20 Uhr.

Torsten Freiwald ist ihr Vater. In der sechsten Generation betreibt er das Luckenwalder Unternehmen. Wann es gegründet wurde, kann der 49-Jährige nicht sagen. Auf dem Martinimarkt war er schon 15 Mal – allerdings nur mit dem „Kaminstübchen“, einem Getränkestand mit Heizoption. Das schnelle Kettenkarussell ist neu. Seine Tochter Charlotte packt an, wo die vier Mitarbeiter Unterstützung brauchen. Sie hält die Leiter fest, setzt die Lkw um und kontrolliert, dass alles an seinen rechten Platz kommt.

Hündin Tequila ist immer dabei

Immer mit dabei ist ihre zweijährige Hündin Tequila. „Die ist total brav“, sagt Charlotte Freiwald und lächelt. „Und sie macht bei allem mit.“ Die kleine Hündin trägt einen Strickpullover. „Wirklich zu helfen scheint er nicht“, sagt Freiwald und zuppelt an der Strickware. Tequilas kleine Gliedmaßen zittern. „Ich und mein Bruder sind in dem Schaustellerbetrieb reingewachsen. Wir haben keine Ausbildung gemacht, weil wir unbedingt ins Familienunternehmen einsteigen wollten“, sagt Charlotte Freiwald. Ihr Bruder Felix ist 28 Jahre alt und steht gerade mit dem zweiten Fahrgeschäft der Familie, dem „Breakdancer“, in Dahlenburg (Niedersachsen). Ihre Mutter betreut auf einem Markt in Klötze ein weiteres Kaminstübchen. „Ich kann mir so ein normales Leben gar nicht vorstellen. Kirmes ist was Spannendes und was Einzigartiges, finde ich.“ Sie sei ein Mensch, der gern jede Woche auf einem anderen Rummel ist und dort etwas Neues erlebt.

Vorwärts und rückwärts in dreifach gesicherten Sitzen

Während sie erzählt, nimmt das Kettenkarussell, das alles andere als ein Kinderspielzeug ist, Gestalt an. Gerade liegt der Mittelarm des Karussells waagerecht. Die vier Männer packen alle gleichzeitig an, um eine Krone darauf zu montieren. Steht der Arm wieder senkrecht, bringen die Männer die Bilder an und letztlich die Gondeln. Die sehen aus wie bei einem ganz normalen Kettenkarussell – nur haben sie auffallend starke Ketten. „Die Sitze sind dreifachgesichert“, erzählt Charlotte Freiwald. „Die Gäste werden reingesetzt und dann fahren die Sitze hoch. Dann kommt die typische Wellenbewegung und zum Schluss gibt’s ordentlich Tempo.“

Von Annika Jensen

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