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Neuruppin Schiedsleute: „Keine Plaudereien mehr am Zaun“
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Schiedsleute: „Keine Plaudereien mehr am Zaun“
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12:13 16.04.2019
Schlichten seit vielen Jahren Streit: Die Neuruppiner Schiedsleute Andreas Roß, Hannelore Gußmann und Achibert Bauer. (v.l.n.r.) Quelle: Celina Aniol
Neuruppin

Manchmal reicht schon eine Tanne, deren Äste zu weit über die Grundstücksgrenze ragen, um einen flammenden Nachbarschaftsstreit zu entfachen. Solche Probleme sind eigentlich schnell gelöst. In manchen Fällen arten sie jedoch zu ernsthaften Konflikten aus, die irgendwann nicht mehr ohne Hilfe von außen zu lösen sind. Dann kommen die Schiedsleute ins Spiel.

In Neuruppin sind das Achibert Bauer, Andreas Roß und Hannelore Gußmann. Die ehrenamtlichen Streitschlichter bringen zerstrittene Menschen an einen Tisch. Im Gespräch versuchen sie die Parteien zu versöhnen, ohne dass der Fall vor Gericht gehen muss.

Schiedsleute entlasten die Justiz

Ihre Einsatzfelder sind vielfältig: Vom klassischen Nachbarschaftsstreit bis hin zum Konflikt zwischen Mietern und Vermietern landen bei den Schiedsleuten alle möglichen Fälle. „Die Justiz soll durch uns entlastet werden“, sagt Schiedsmann Andreas Roß.

Auf den ersten Blick haben Neuruppins Schiedsleute nicht viel zu tun: Im vergangenen Jahr führten die Schlichter insgesamt sieben Schiedsverhandlungen. „Entweder sind die Neuruppiner nicht mehr so streitbar, oder die Mediatoren machen einfach gute Arbeit“, sagt Bürgermeister Jens-Peter Golde bei einem gemeinsamen Treffen mit den Schiedsleuten.

Weniger formelle, dafür mehr informelle Verfahren

Tatsächlich sei es so, dass es heutzutage weniger formelle Schiedsverhandlungen in der Stadt gebe als noch vor 15 Jahren, erläutert Andreas Roß. Dafür sei die Zahl informeller Verfahren, sogenannter Tür- und Angelfälle, gestiegen.

Meistens sind die streitenden Parteien ältere Menschen, die schon seit Jahren im Clinch liegen – und überhaupt nicht mehr miteinander sprechen. Quelle: Symbolbild/Michael Thomas

Im vergangenen Jahr bearbeiteten die Neuruppiner Schiedsleute 116 solcher antragslosen Verfahren, 2017 waren es noch ein paar mehr. „In beiden Fällen lösen wir Probleme und daher sehen wir den Rückgang der formellen Verfahren nicht kritisch“, so der Schiedsmann.

Egal, ob formell oder informell, die außergerichtliche Streitschlichtung bietet viele Vorteile, wie Roß erklärt: „Schiedsstellen arbeiten schnell, effektiv und kostengünstig.“ Pro Fall verlangen die Streitschlichter unabhängig vom Streitwert nur zehn bis 40 Euro. Gerade im Vergleich zu zeit- und kostenaufwändigen Gerichtsverfahren sei das nicht besonders viel.

Neuruppiner Schiedsstellen in Zahlen

In Neuruppin gibt es drei Schiedsstellen. Alle Schiedsleute arbeiten ehrenamtlich.

Im vergangenen Jahr kamen die Schiedsleute in sieben Fällen zum Einsatz. Davon konnten sie vier mit einer wirksamen Vereinbarung abschließen. Das entspricht einer Erfolgsquote von 57 Prozent.

Die Zahl der informellen Verfahren lag deutlich höher: In 116 Fällen wurden die Schiedsleute 2018 um Rat gefragt, ohne dass ein offizieller Antrag gestellt wurde. Im Vorjahr waren es 123 solcher „Tür- und Angelfälle“.

Eine Schlichtung kostet zwischen zehn und 40 Euro – auch, wenn der Streitwert hunderttausende Euro beträgt.

Das Gespräch steht an erster Stelle

„Für uns ist das Gespräch ganz wichtig“, sagt die Schiedsfrau Hannelore Gußmann. „Wenn man die Leute erst mal an einen Tisch kriegt, dann reden sie auch miteinander.“ Meistens seien die streitenden Parteien ältere Menschen, die schon seit Jahren im Clinch liegen – und überhaupt nicht mehr miteinander sprechen.

Hannelore Gußmann führt mittlerweile seit 16 Jahren Schiedsverhandlungen. Damit hat sie die kürzeste Arbeitserfahrung der Runde. Achibert Bauer wurde im November für 25 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit geehrt, auch Andreas Roß ist seit mehr als 20 Jahren dabei.

Keine Plaudereien mehr am Zaun

Im Laufe der Jahre habe sich viel verändert. Es gebe eine „Verhärtung“ im Umgang der Menschen miteinander, hat Andreas Roß festgestellt. „Diese Plaudereien am Zaun finden nicht mehr statt.“ Viele wollten nur noch über ihren Anwalt kommunizieren.

Die Schiedsleute wollen erreichen, dass die Menschen wieder aufeinander zugehen und ihren Konflikt gemeinsam regeln. Gerade bei Streitigkeiten zwischen Nachbarn bedeute das „Emotionen pur“, so Andreas Roß.

Was die Konfliktparteien am Ende im Beisein der Schiedsperson entscheiden, ist ein schriftlicher rechtskräftiger Vergleich, der eingehalten werden muss. Anders als beim Gerichtsverfahren haben davon meist beide Seiten etwas, findet Roß: „Bei Gericht gibt es eigentlich keine Sieger.“

Von Hannah Rüdiger

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