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Neuruppin Nur Fliegen ist schöner
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12:10 16.02.2017
Jürgen Mühling vor einem aufgespannten Fallschirm. Die Nähte des Schirms werden geprüft. Quelle: Peter Geisler
Fehrbellin

Jürgen Mühling ist professioneller Fallschirmspringer, Ausbilder und Geschäftsführer von „Take off“, einer Fallschirmsportschule. Das Interview fand in seinem Büro am Rande des Flugplatzes von Fehrbellin statt. Die Wände sind mit zahlreichen Bilder seiner Sprünge tapeziert. Katze Diego liegt faul auf dem Sofa, und der Fallschirmrucksack hängt an einem Haken neben der Tür.

Wie kommen Sie zu diesem außergewöhnlichen Beruf?

Erst war es nur ein Hobby. Aber seit meinem ersten Sprung hat mich das Fallschirmspringen nicht mehr losgelassen. Ich habe immer mehr Zeit damit verbracht. Wenn man etwas mit so viel Leidenschaft macht, kommt natürlich der Gedanke, das Hobby zum Beruf zu machen Dann hab ich immer mehr Lehrgänge gemacht und Lizenzen erworben. Aber es ist kein Berufsbild, für den man einen richtigen IHK-Abschluss machen kann. Das gibt es so ja nicht.

Wie sieht ihr Arbeitsalltag jetzt in der Nebensaison aus?

Wir warten die Fallschirme, überprüfen alles, machen Papierkram. Wir erweitern zudem gerade das Gebäude. Außerdem muss ich Lehrgänge buchen, Lehrer organisieren und vieles mehr. In der Hauptsaison kommen dann unter anderem die Sprungschüler und die Gäste für Tandemsprünge.

Wann war denn Ihr erster Sprung?

Da war ich 19. Ich hatte totales Muffensausen. Das war am 5. Mai 1986, das Datum merkt man sich dann doch. Das hat sich eingebrannt. Das war ein Schnuppersprung – und ich weiß noch, wie bange ich im Flugzeug gesessen hab. Aber als ich dann raus bin, wusste ich: Das ist es!

Kamen Sie mal ins Trudeln?

Ja, das ist auch schon mal passiert. Es gibt Momente, da entgleitet einem die Situation. Das sind so Lernmomente. Sowas muss man lernen wie Fahrradfahren. Da hat man auch erst mal Stützräder.

Was ist, wenn der Fallschirm sich nicht öffnet?

Es gibt einen Reserveschirm. Wir haben grundsätzlich zwei. Einen Haupt- und eben den Reserveschirm. Wenn sich der nicht öffnet (zeigt an einem Fallschirm einen großen orangenen, länglichen Griff) gibt es noch das Drei-Ring-System hier vorne an den Gurten. Die kann man auch ziehen. Oder eben dieses gelbe Kissen am Gurt, das öffnet auch den Fallschirm. Bevor wir aus dem Flieger springen, greifen auch noch mal alle an die Griffe. Das ist wie ein Mantra

Haben Sie noch Angst, wenn Sie springen?

Angst weniger. Es ist mehr Respekt. Ich habe keine Panik oder einen Blackout. Aber eben gehörigen Respekt, weil ich weiß, dass die Elemente viel stärker sind als ich. Da lernt man auch die Demut. Wie winzig man als Mensch doch ist.

Wie sehr testen Sie Ihre Grenzen beim Springen aus?

Der Sport verlangt eine Selbsteinschätzung. Die Spanne ist da weit. Von ganz klein, einfach nur springen, oder ganz groß, das wird dann aber lebensgefährlich. Ich selbst riskiere weniger, als ich vielleicht vom Können her im Stande bin zu leisten. Das ist wie mit Schwimmen auf einem See. Wie weit traue ich mir zu rauszuschwimmen?

Es wird also nicht langweilig?

Durch die Variabilität nicht. Ich springe auch in Formation, mit mehreren Leuten zusammen. Wir sind ein Team von 16 Springer.

Erleben Sie bei so vielen und regelmäßigen Sprüngen noch den Kitzel?

Auf jeden Fall. Als wir zur Fontane- Rallye auf Neuruppin gesprungen sind, war das toll. Oder mit Schülern zu springen ist auch immer ein Reiz. Aber das Glücksgefühl setzt erst ein, wenn man mit den Füßen auf dem Boden ist. In der Luft ist man viel zu konzentriert.

Haben Sie schon eine Sucht entwickelt?

Das Fallschirmspringen hat Suchtpotenzial. Aber nicht so wie Drogen. Wenn wir im Winter am Boden bleiben und nicht springen, habe ich jetzt nicht den Drang unbedingt springen zu müssen. Ich weiß ja, dass die sieben Monate im Sommer kommen und da kann ich mich dann austoben.

Haben Sie mittlerweile eine Routine beim Springen entwickelt?

Ja, schon ein wenig. Aber selbst wenn ich zum Einkaufen gehe und einen Rucksack trage, greife ich nach hinten zum Griff, bis ich denke „ach, du gehst ja einkaufen“.

Was machen Sie während des Springens? Schauen Sie sich die Landschaft an?

Ich kann mir schon die Landschaft anschauen. Aber der Fokus liegt auf der optimalen Bewältigung der Arbeit. Aber was man immer vor Augen hat, ist der Horizont. Alles andere blendet man aus.

Wie gehen Sie mit Unfällen um?

Das ist ja auch eine mentale Einstellung. Und ich will das auch nicht kleinreden. Seit er Eröffnung der Schule im Jahr 1992 hatten wir hier vier Todesfälle. (hält kurz inne) Auch in der Ausbildung werden alle sensibilisiert. Es liegt in der Natur der Sache, dass es Unfälle geben kann. Verdrehte Selbsteinschätzung kann tödlich enden. Wer viel riskiert, muss das in Kauf nehmen.

In welchen Situation würden Sie nicht springen?

Ich würde von einem Berg springen, aber nicht noch durch eine Schlucht.

Müssen Sie sich fit halten?

Schon ein wenig. Ich gehe Joggen und mache Stretching. Aber auch das Springen an sich hält fit. Das ist auch ein wenig wie Training. Wir haben nämliche auch Wettbewerbe oder Deutsche Meisterschaften.

Zahlen Sie eine höheren Versicherungsbeitrag als jemand mit einem sicheren Job, wie im Büro?

Nee, warum auch.

Von Lisa Neumann

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