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Neuruppin Playmobil-Ausstellung in Kulturkirche zu Ende
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Playmobil-Ausstellung in Kulturkirche zu Ende
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00:23 13.09.2018
Extraführung mit Oliver Schaffer durch seine Playmobil Ausstellung in der Kulturkirche Neuruppin. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

„Angefangen hat alles 1978 – da wurde ich geboren“, scherzt Oliver Schaffer. Die Geschichte der Playmobil-Spielfiguren ist nur unwesentlich älter. Und Oliver Schaffer hat sie quasi fast von der Wiege an miterlebt. Nicht nur das, der begeisterte Sammler kann die 43-jährige Erfolgsstory der kleinen Plastikfiguren auch weitgehend lückenlos präsentieren, erklären und kommentieren. Inklusive kurioser Details. Dazu hatte er am Sonntag ausgiebig Gelegenheit. Am letzten Tag seiner Playmobil-Ausstellung in der Neuruppiner Kulturkirche gab es für Interessierte zwei einstündige Extraführungen – direkt von und mit dem „Meister“ Oliver Schaffer.

Wanderungen durch die Mark, Drachen-, Feen- und Dinowelten, Zoo, Zirkus und Sealife, Flughafen, Wilder Westen und berühmte Persönlichkeiten: Die Vielfalt ist kaum zu erfassen in der Playmobil-Zauberwelt von Oliver Schaffer. Am Sonntag führte er letztmals durch die Neuruppiner Schau.

Der sich überdies nicht nur als euphorischer Sammler und absolut sattelfester Playmo-Experte sondern auch als überaus witzig-eloquenter Entertainer erwies. Kein Wunder: Als Kind wollte er Zirkusdirektor werden, ließ sich später jedoch zum Musical-Darsteller ausbilden. Das Talent, auf der Bühne zu stehen, ist also sein Beruf – auch wenn er jetzt im Hauptberuf als Casting-Supervisor für die Aida-Kreuzfahrtflotte in Hamburg arbeitet.

Etliche Schaulustige drängten sich am Sonntag um den Sammler und löchern ihn mit Fragen. Schaffer erklärt, dass jede seiner Schauen – und das waren schon mehr als 30 – Unikate sind. Er baut sie erst vor Ort zusammen und stellt die Figuren in die Szenerie. Zwei Wochen habe das in Neuruppin gedauert – immerhin muss man ja mit Sand, Steinen, Granulat und mehr erst eine Basis herstellen. „Das Abbauen geht schneller“, sagt er verschmitzt und verspricht: „Ich mache euch jetzt zu Playmo-Experten.“

Oliver Schaffer bekam sein erstes Playmobilset mit vier Jahren

Er habe seine ersten Sets mit vier Jahren bekommen: einen Raubtierwagen, einen Zoo und ein Schäfer-Set. „Da wurde ich zum ersten Mal mit dem Playmo-Virus infiziert.“ Seitdem wussten Familie und Freunde, was man Klein Oliver schenken musste. Auch er selbst gab sein Taschengeld für nichts anderes als die bunten Figuren aus. Am liebsten habe er Zirkus gemocht. „Ratet mal, was ich damals werden wollte.“ Clown, piepst ein Mädchen. Nun ja, fast. „Zirkusdirektor“, plaudert Schaffer, der in etlichen Zirkussen war und jeden daheim nachgebaut hat. Sein Vater, erinnert er sich, habe ihm ein Chapiteau aus Holz gebaut: den „Zirkus Oliver“.

Als er als Musicaldarsteller tingelte, lagerten seine Schätze in zwölf Umzugskartons. „Ich spielte gerade bei Mamma Mia, da rief Playmobil bei mir an“, sagt er. Zum 30. Geburtstag wolle man die zehn größten Playmo-Sammler ausstellen. Gekommen ist man auf ihn, weil er als Kind ein Foto des Zirkus Oliver an die Firma geschickt habe, den habe man im Archiv gefunden und sei begeistert. „Verrückt – aber ich habs gemacht“, sagt er. Damit alles perfekt sei, habe er wieder angefangen, Figuren zu kaufen. „Da hatte mich das Virus zum zweiten mal erwischt.“

Mittlerweile ist seine Sammlung riesig

Die erste Playmo-Anschaffung als Erwachsener waren sechs Dixie-Klos. „Endlich, nach Jahren, konnten meine Zirkusbesucher aufs Klo gehen“, ulkt Schaffer und die Menge lacht. Dann gab es kein Halten mehr – in jeder Stadt – und Schaffer kommt viel herum – besucht er als erstes die Spielzeugläden: Auf der Jagd nach Sets, die in Deutschland nicht auf den Markt kommen. „Es gibt 225 verschiedene Pferdearten bei Playmobil“, weiß Schaffer.

Ein Hobby, das ins Geld geht, wenn man Wert auf Vollständigkeit legt. Deswegen steht in einem seiner Schaubilder auch die Filiale der Hamburger Sparkasse. „Damit mein Bankberater keine Schnappatmung kriegt, wenn er sieht, wie viel Geld ich wieder für Playmo ausgegeben habe“, sagt Schaffer und grient. Die Zuschauer mit ihm, viele kennen das aus eigenem Erleben.

31 Ausstellungen hat er schon gestaltet

Ob er nicht Rabatt bei Playmobil bekomme, will eine Frau wissen. Nein, er wolle nichts geschenkt: „Dann kann mir keiner reinreden, wie ich die Dioramen gestalte.“ Denn er verwendet die Teile aus den Sets oft artfremd. Ein Tiefgaragendach etwa verwandelt er eben mal in ein Haifisch-Aquarium, wenn die Szenerie es verlangt. Oder das Pferd von Pippi Langstrumpf, die mit x anderen berühmten Persönlichkeiten vor dem Modell der Kulturkirche steht. Er hat es mit schwarzen Punkten bemalt, damit es echt ist. Aber die eigentliche Rarität sei der Playmo-Schimmel: „Der hatte eine schwarze Mähne, bis Playmobil merkte, dass Schimmel nie schwarze Mähnen haben. Darauf wurde das Design geändert.“ Er habe durch Zufall den Fehlfarben-Schimmel angeboten bekommen.

„Kennt einer das Teil da in der Mitte?“, fragt Schaffer am Feen-Wald. „Das ist vom Piratenschiff“, weiß ein Mädchen. „Hey, du bist Expertin“, lobt Schaffer und Mutter Carmen Schott aus Brunne verrät: „Wir haben auch viel davon zu Hause.“ Schaffer liebt es kreativ – er hat auch den Ehrgeiz, etwa in Seaworld alle nur passenden Tiere vollständig zu verbauen.

Eine Schau hatte er sogar im Louvre

Außerdem hat er in jedem der Dioramen einen kleinen Fontane versteckt und zusätzlich einen Fehler eingebaut, den die Zuschauer finden dürfen. Nicht leicht – etwa bei der Himmelscheibe von Nebra im „Wilden Westen“. An diesem Schaubild ist ihm auch wichtig: „Fast alle Einwohner in Amerika waren einst Flüchtlinge von woanders. Nur zehn Prozent waren indianische Ureinwohner. Man sollte nicht vergessen, dass früher ganz viele Europäer nach Amerika geflohen sind – aus Hunger und Not.“

Und weiter geht es: von Bild zu Bild. Als letztes das Modell der Pfarrkirche: „Ich sah es und wusste gleich, wie ich die Szene gestalte.“ Manche Figuren sind die echten Originale, andere sehen nur aus wie Lady Gaga oder Justin Bieber, heißen aber anders. Und manche VIPS hat er selbst zu dem gestylt, was sie sind.

Für die Neuruppiner Schau gab es eine Fontane-Figur als 25.000-Stück-Sonderedition

Veranstalter Andreas Vockrodt ist am Sonntag hoch zufrieden. „Wir haben mit der Ausstellung die 9000er Marke geknackt“, sagt er stolz. Und auch von den 25 000 Fontane-Figuren, die im Auftrag der Stadt als Sonderedition von Playmobil hergestellt wurden, sind immerhin schon 13 000 verkauft – direkt vor Ort und übers Internet. Andreas Vockrodt und sein Team mussten während der Zeit der Ausstellung viele Päckchen packen und in die ganze Welt versenden.

Wer jetzt noch einen Fontane haben will, kann ihn bestellen unter: info@kulturhaus-neuruppin.de

Von Regine Buddeke

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