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Neuruppin Motiviert für den Neustart
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Motiviert für den Neustart
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17:00 15.04.2019
Ein letztes Gruppenfoto im italienischen Spoleto, bevor es zurück nach Brandenburg geht. Quelle: Andre Martin (IJN), privat
Neuruppin

 Sie haben es geschafft: Die neun Jugendlichen aus der Region, die dank eines Programms der Europäischen Union (EU) Mitte Februar für ein Praktikum in das italienische Städtchen Spoleto nach Umbrien aufgebrochen waren, haben sich dort durch ihre Arbeit in kleinen Betrieben neun Wochen lang bewährt – und sind am Montag in den Räumen der Initiative Jugendarbeit Neuruppin (IJN) wieder zurück in Brandenburg empfangen worden.

„Ich habe es nicht bereut“

„Es war wirklich schön“, sagt Sean (22). Dabei war der schmale junge Mann aus Rathenow zunächst skeptisch, ob ein Auslandspraktikum wirklich etwas für ihn ist. „Aber ich habe es nicht bereut.“

Sean hat in der Nähe von Spoleto täglich 4,5 Stunden in einem Fitness-Studio gearbeitet – und war von seinem dortigem Chef, einem dreimaligen Europameister im Bodybuilding, tief beeindruckt. Zum einen, weil dieser ihm im Fitness-Studio „viel gezeigt und beigebracht“ habe. Zum anderen, weil es dabei nicht allein um das Einstellen der Geräte gegangen sei. Vielmehr durfte Sean auch sehen, wie Gästen des Fitness-Studios, die Probleme mit dem einen oder anderen Gelenk hatten, mit ein paar Griffen geholfen werden konnte. „Das war echt cool, das zu sehen.“

Nur positive Rückmeldungen der Betriebe

Für Sean ist deshalb klar, dass er in Deutschland nicht allein die dreijährige Ausbildung zum Fitness-Kaufmann beginnen wird, sondern er ebenfalls die Physiotherapie nicht aus den Augen verlieren will.

„Es gibt nur positive Rückmeldungen von den Betrieben“, betont André Martin. Der 52-Jährige ist Projektleiter bei der IJN und hat mit seinem Mitarbeiter Michael Kiefer die Jugendlichen in Italien begleitet. Die Praktika-Betriebe hat der italienische Verein UTC ausgesucht, der sich um Kultur und Ausbildung in der Region Umbrien kümmert und schon seit Jahren mit der IJN in Neuruppin zusammenarbeitet.

Integration durch Austausch

Den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, das ist das Ziel des Projekts „Europäische Mobilität Brandenburg“, kurz Emob. Dabei handelt es sich um einen Verbund zwischen der Initiative Jugendarbeit Neuruppin (IJN), den Jobcentern in Ostprignitz-Ruppin, Prignitz, Havelland und Oberhavel, der Wirtschaftsfördergesellschaft REG und dem Oberstufenzentrum (OSZ) in Neuruppin.

Teilnehmen können Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren, die keine Ausbildung oder keinen Schulabschluss haben oder arbeitslos sind. Auch Alleinerziehende können an dem Praktikum teilnehmen. Das Projekt wird von der Europäischen Union (EU) finanziert.

Im Gegenzug haben in den vergangenen vier Wochen 15 Jugendliche aus dem italienischen Städtchen Macerata ein Praktikum in Brandenburger Betrieben absolviert. Mitgemacht hat dabei auch die Neuruppinerin Kristina Hannaleck, die im März einen neuen Regionalladen in der Innenstadt eröffnet hat. Die zwei italienischen Jugendlichen halfen beim Einräumen und beim Gestalten des Logos.

Noch unklar ist, ob die EU das Austauschprojekt um zwei Jahre verlängern wird. Eine Entscheidung dazu wird noch im Sommer erwartet. Erste jugendliche Interessenten für das Programm gibt es bereits.

Mehr als 150 Jugendliche und junge Erwachsene bis 35 Jahre aus dem Nordwesten Brandenburgs, die aus verschiedensten Gründen noch keinen Beruf gefunden haben, haben durch das zweimonatige Auslandspraktikum ihre Kompetenzen und ihr Selbstbewusstsein gestärkt – und mehr als 70 Prozent von ihnen danach eine Arbeit oder eine Ausbildung gefunden oder konnten ihren Schulabschluss nachholen.

„Das Praktikum bringt auf jeden Fall etwas“, sagt auch Vanessa. Die 19-Jährige, die nach ihrer Kosmetikausbildung in Brandenburg keinen Job fand, arbeitete die vergangenen Wochen in einem kleinen Kosmetikstudio in der Nähe des 38 000 Einwohner zählenden Städtchens Spoleto. Dabei habe sie von ihren Chefinnen sowohl Tipps für die Massage als auch für die Maniküre und Fußpflege erhalten. „Die Tipps kann ich künftig sicher anwenden“, sagt Vanessa.

Ein Bewerbertraining gehört dazu

Die junge Frau ist optimistisch, nach dem Praktikum nun auch einen Job in Deutschland zu finden. „Ich bin zuvor stets abgelehnt worden, weil ich zu wenig Erfahrung habe.“

Die IJN will helfen, dass bei den Bewerbungen möglichst nichts schief geht – denn auch die sogenannte Nachbereitung des Praktikums in Italien gehört zum Projekt und dazu zählt natürlich ein Bewerbertraining.

Dominik sieht dem Training gelassen entgegen. Der 18-Jährige hat vor wenigen Tagen schon seine Bestätigung erhalten, dass er im August an der Abendschule die Ausbildung zum Sozialassistenten beginnen darf. In Italien hatte Dominik neun Wochen auf einem Bauernhof gearbeitet und dort Tiere gefüttert, Felder gedüngt und Weinfelder von Ästen befreit. „Das war sehr cool und der Chef Antonio Lattanzi war sehr nett“, sagt Dominik.

Leon braucht eine Wohnung

Leon schwärmt ebenfalls von Italien. „Das Praktikum war eines der schönsten Erlebnisse, das ich bisher hatte“, sagt der 19-Jährige, der sich in einer Pizzeria als Beikoch bewährt hat.

Leon hat schwere Zeiten hinter sich. Er war drogenabhängig und hat einige Zeit auf der Straße sowie in der Neuruppiner Obdachlosenunterkunft K 6 gelebt. Dorthin will er nicht zurück. „Ich will nicht wieder in den Drogensumpf abrutschen.“

Leon hofft, da er ein schlechtes Verhältnis zu seinem Stiefvater hat, zunächst bei seiner Oma unterzukommen und dann möglichst eine Ausbildung in der Gastronomiebranche oder als Veranstaltungstechniker beginnen zu können. Einer seiner ersten Gänge wird ihn aber zum Jobcenter führen. Er braucht dringend eine Wohnung.

Von Andreas Vogel

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