Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neuruppin Orgelsax begeisterte in der Klosterkirche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Orgelsax begeisterte in der Klosterkirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:09 11.07.2018
Ralf Benschu und Jens Goldhardt spielen Orgelsax in der Klosterkirche Neuruppin Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Eine flirrend-leichte Melodie – klar und hell wie ein Sommertag – schwingt sich in die Luft, bevor die tief brummende Orgel ihr ins Wort fällt. Besser gesagt sie umhüllt wie ein wohlig-warmes Bett. „Durch den Wind“ heißt das wunderbare Eröffnungsstück, bei dem die Musiker wie im Echo-Duett ihre Instrumente miteinander sprechen lassen.

Saxofonist Ralf Benschu und Organist Jens Goldhardt sind Meister auf ihrem Instrument und kommen aus verschiedenen Genres: Kirchenmusik und Rock/Jazz. Dass beide ganz wunderbar miteinander harmonieren, beweist Orgelsax.

Die Klosterkirche St. Trinitatis ist so voll wie selten bei einem Sommerkonzert. Die beiden Musiker scheinen eine große Anziehungskraft zu haben. Es ist das dritte Konzert der Saison und zu Gast sind Ralf Benschu und Jens Goldhardt. Beide keine Unbekannten in Neuruppin – Benschu hat hier schon mit Liedermacher Gerhard Schöne und dem Saxofonquartett Meiers Clan gespielt. Und auch mit dem Organisten Jens Goldhardt hat der Ex-Keimzeit-Saxofonist bereits in der Klosterkirche für Wohlklang und verzückte Gesichter gesorgt.

Zwanzig Jahre Orgelsax ist das Motto des Abends – und „Zwanzig“ heißt auch die neue Scheibe der beiden Musiker, die bereits seit 20 Jahren gemeinsam Musik machen. Die wird an diesem Abend in voller Länge live gespielt. Eigenkompositionen, bei denen man nie weiß, ob man da nicht der große Bach durchschimmert oder ein Stück Dave Brubeck aufblitzt. Denn Benschu und Goldhardt kommen jeweils aus einem völlig anderen Stall. Der eine ist im Rock- und Jazzbereich tätig und hat die Lust an der Jam-Session im Blut – der andere ist klassisch ausgebildeter Kirchenmusiker.

Die lange freundschaftliche Zusammenarbeit hat es mit sich gebracht, „dass dem einen die Angst vor Bach genommen wurde und der andere den Mut und die Lust am Improvisieren für sich gefunden hat“, heißt es im Programm. Beide experimentieren mit Klangfarben und Ausdrucksformen, lassen ihre Instrumente derart miteinander verschmelzen, dass die Grenzen zwischen Saxofon und Orgel oftmals schweben oder gar vollends verschwinden. Ralf Benschu – der sein Instrument im Gegensatz zum Organisten tragen kann – bewegt sich oftmals frei im Raum und lässt das Klangerlebnis so noch einmal mehr räumlich werden.

Benschu und Goldhardt musizieren seit 20 Jahren miteinander

Wobei die Akustik der Kirche ohnehin keine Wünsche offen lässt – jeder auch noch so leise Ton wird durch den Hall zu einem Ereignis, dem man mit Ehrfurcht und Freude lauscht. So wie das Licht sich in einem Diamanten bricht, werden die Töne in alle Richtungen geworfen und erzeugen pure Magie. Mal majestätisches Brausen, mal zarte Klage.

„Luisa auf Wolke 7“ ist heiter bis wolkig: Die Eigenkomposition von Ralf Benschu entstand nach seinem ersten Fallschirmsprung. „Ich hatte noch nie so viel Freude und Angst zugleich“, verriet er bei einem früheren Konzert. Er setzte beides in Noten um: die beschwingt-optimistische Melodie wird unterbrochen durch düster-zaudernde Sequenzen. Benschus Sopransaxofon scheint über den Wolken zu fliegen, verliert sich in fulminant-tobenden Läufen, die fast die Lunge sprengen, um dann sanft die letzten Meter zu schweben, bis zum Aufsetzen.

Die gut 200 Besucher schweigen atemlos verzückt, Ralf Benschu geht durchs Kirchenschiff, ganz sacht und langsam und spielt „Meditation“ – fast wie in Trance bewegt er sich zurück zur Orgel und steht hinter seinem Organisten: ein sehr intimer Moment.

Acht gemeinsame CDs sind in dieser Zeit entstanden

Auch die „Elemente“ sind wunderbar in Töne gegossen – Wasser, Feuer, Erde und Luft: Jedes hat seinen ganz besonderen Klang. Mal minimal, mal wuchtig-majestätisch. Mal ist die Orgel pianissimo, mal das Saxofon. Mal schwingt sich Benschu mit der hohen Melodie auf, mal die Orgel. Dann wird das Saxofon ganz tief. Manchmal verströmt sich das Saxofon in quirligen Läufen, oft aber spielt es eine ganz einfache, aber nicht weniger ausdrucksstarke Melodie auf wenig Tönen. Ein Wechselbad der Emotionen – fein austariert zwischen Dur und Moll. Melancholie und Euphorie im Schwebezustand.

„In Gedanken“ ist wie ein Orgelchoral. Oder doch eher bombastische Filmmusik? „Zerronnen“ lässt wegträumen, dann beginnt der „Abspann“ wie ein wirbelnd-wabernder Hummelflug, aus dem die Melodie schwebt bis zum furiosen Vulkanausbruch. Der Applaus ist nicht minder furios.

Die Musiker arrangieren für sich Werke alter und neuer Meister und natürlich Eigenkompositionen

So gibt es als Zugabe „Hilf, Herr meines Lebens“ – das sich überraschend-schleichend verwandelt: Aus dem Choral schält sich im Zwischenteil der Ohrwurm „Hit the road, Jack“ – ein Glanzstück und schönes Sinnbild für das harmonische Zusammengehen der unterschiedlichen Welten der beiden Musiker. Goldhardt geht aus sich heraus wie im Jazzkeller und lässt die Tasten noch schneller flirren, bevor das Intermezzo wieder zum sanften Choral wird.

„Wunderbar – diese Mischung. Das modulationsfähige Saxofon, zwischen zart gehauchtem Pianissimo und dann lauter als die Orgel“, schwärmt Kantor Matthias Noack. „Und dazu der Groove der Orgel! Zwei so unterschiedliche Instrumente, die sich aufs Beste ergänzen.“ Er spricht damit wohl allen aus der Seele.

Von Regine Buddeke

Damit die Friedrich-Engels-Straße am Braschplatz neu gebaut werden kann, müssen Archäologen Teile des alten, fast vergessenen Armenfriedhofs von Neuruppin verlegen. Das ist aufwändiger als gehofft.

10.07.2018

Die Stadt Neuruppin lässt ihren Skaterpark aus den 90er Jahren gerade für 165.000 Euro aufwändig neu gestalten. Eigentlich sollte er längst fertig sein. Doch jetzt klappt das erst nach den Sommerferien.

10.07.2018

Nach der langen Trockenperiode sind die Wasserstände der Flüsse und Seen erheblich zurückgegangen. Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin untersagt deshalb aus ihnen die Entnahme von Wasser.

10.07.2018