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Neuruppin Robert Rauh stellt sein Buch „Fontanes Ruppiner Land“ vor
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Robert Rauh stellt sein Buch „Fontanes Ruppiner Land“ vor
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00:22 19.04.2019
Robert Rauh in Gentzrode, vor dem Kornspeicher mit Wohnturm. Quelle: Robert Rauh
Neuruppin

Am 18. April um 19 Uhr stellt der Autor und Fontanefan Robert Rauh gemeinsam mit Schauspielerin Carmen Maja Antoni in der Neuruppiner Kulturkirche sein Buch „Fontanes Ruppiner Land“ vor. Seit Jahren wandelte er dafür auf Fontanes Spuren. Die MAZ sprach mit ihm über diese Suche.

Wie kamen Sie zu Fontane?

Robert Rauh: Über einen unerlaubten Einstieg. 1991 bin ich durch ein kaputtes Fenster in das völlig heruntergekommene Schloss Hoppenrade eingestiegen, um mir das historische Treppenhaus anzusehen, das Fontane in seinen „Wanderungen“ beschrieben hat. Später erfuhr ich, dass Hoppenrade gar nicht in den „Wanderungen“ vorkommt, sondern im Sonderband „Fünf Schlösser“. Mich interessierte dann das Schicksal der anderen vier Schlösser. Schon damals hatte ich die Idee für ein Buch. Es vergingen jedoch 25 Jahre, bis der Plan umgesetzt wurde.

Und wie kam es zu der Idee der Wanderungen?

Nach dem Erscheinen des ersten Buches „Fontanes Fünf Schlösser“ bin ich davon ausgegangen, dass es das war. Aber das Buch hat sich überraschend gut verkauft, so dass es mit Fontane und mir weiterging. Es lag nahe, sich an den ersten Band der echten „Wanderungen“ heran zu wagen.

Wie haben Sie sich an die Recherche herangetastet?

Im Gepäck für meine Streifzüge hatte ich nicht nur „Die Grafschaft Ruppin“, sondern auch Fontanes Notizbücher, die zurzeit erstmals vollständig digital entziffert werden. Sie geben einerseits Auskunft über Fontanes bisher unbekannte Streifzüge ins Ruppiner Land. Andererseits enthalten sie unveröffentlichte Skizzen sowie zusätzliche Informationen, die nicht in den Wanderungen-Text gelangten oder in späteren Auflagen wieder herausgenommen wurden.

Vor Ort war es mir wichtig, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Es gibt rührige Vereine, die sich für die Geschichte und Kultur ihrer Region engagieren. Viele von ihnen fühlen sich Fontane verbunden und verpflichtet. Sie haben mich bei meiner Recherche unterstützt. Einige „märkische Originale“ (Zitat Fontane) des 21. Jahrhunderts – sowohl Alt-Eingesessene als auch Zugezogene – habe ich in meinem Buch auch porträtiert. Zu ihnen gehören die Mason Browns aus Ganzer, Frank Matthus aus Netzeband, André Schmitz in Garz, Krafft von dem Knesebeck aus Karwe, Elke Wildt aus Protzen oder Jürgen Euen aus Langen und Katharina Zimmermann aus Wusterhausen.

Und haben Sie dabei Fontane neu entdeckt?

Einerseits bin ich beeindruckt von seinem Arbeitspensum, das er ohne die heutigen Hilfsmittel wie Internet bewältigt hat. Er konnte nicht einfach im Internet surfen oder sich kurz entschlossen ins Auto setzen und nach Brandenburg fahren. Andererseits musste ich feststellen, dass Fontane nicht in allen Orten war, die er in seinen Wanderungen beschrieben hat. Am Beispiel Gottbergs zeige ich, woran sich erkennen lässt, dass er ein Dorf nicht besucht hat. Fontane verzichtet in diesen Kapiteln auf detaillierte Beschreibungen und stützt sich stattdessen auf zeitgenössische Literatur oder bewährte Helferinnen wie Mathilde von Rohr und seine Schwester Elise. In Ganzer hat er sogar eine Frau („Tante Helene“) erfunden, die ihm wichtige Informationen mitteilt. Tatsächlich stammten sie von Mathilde.

Wie viel Orte haben Sie für das Buch bereist?

Mein Buch führt die Leser nicht nur zu den Ruppiner Leuchttürmen Neuruppin, Rheinsberg und Wustrau, die von anderen Fontane-Nachwanderern aufgesucht wurden, sondern auch in die eher unbekannten Fontane-Orte wie Garz und Ganzer, Tramnitz und Trieplatz. Der Anhang enthält erstmals alle in Fontanes Band „Die Grafschaft Ruppin“ thematisierten Dörfer und Städte – auch der früheren Auflagen. Man wird überrascht sein, welche Orte er noch beschrieben hat. Es sind Fontanes vergessenen Orte. Insgesamt thematisiere ich 22 Orte. Die Dörfer Brunn, Meseberg und Langen wurden bei mir aufgewertet. Im Gegensatz zu Fontanes „Grafschaft Ruppin“ erhielten sie eigenständige Kapitel.

Waren Sie zu Fuß unterwegs?

Ich war immer mit meinem Auto unterwegs. Vor Ort bin ich dann gewandert. Häufig in Begleitung: mit Frank Matthus nach Gentzrode, mit Anne-Karin Glase durch das Wustrauer Luch oder mit Diane Grunert durch die „witwenhaft traurige“ Gegend an der Dosse. In Protzen habe ich mich beispielsweise drei Tage bei der Museumsleiterin Elke Wildt einquartiert, um im Gutshaus-Archiv zu forschen.

Was haben Sie gefunden?

Ich habe mich bei der Recherche nicht nur auf Archive und Bücher verlassen, sondern mich auch wieder vor Ort auf Spurensuche begeben. In Langen forschte ich beispielsweise nach dem Restaurant, in dem sich Fontane nach einem Gewitter aufwärmte, und in Brunn suchte ich nach dem Fundament des berühmten Drake-Monuments.

Besonders emotional war die Recherche in Protzen. Ausgehend von einem Foto von 1947, das den jüngsten Gutsbesitzersohn aus Protzen und ein „unbekanntes“ Mädchen aus dessen Pflegefamilie im Nachbarort Walchow zeigt, wollte ich wissen, wer dieses Mädchen ist und ob sie noch lebt. Ich habe die Frau gefunden – so viel sei verraten.

Was hätten Sie nicht erwartet?

Dass die Recherche in einigen Orten doch länger dauerte, als ich vermutet hatte. Aufwändig war besonders die Überprüfung der publizierten Daten und Fakten. Auch Fontane ist keine sichere Quelle. Er war ja auch kein Historiker, sondern Schriftsteller. Faktische Lücken hat er mit poetischem Kitt gefüllt.

Ist Ihnen einer der Orte besonders lieb geworden?

Es gibt keinen Lieblingsort. Alle haben ihren Reiz. Und in jedem Ruppiner Flecken gibt es erzählenswerte Geschichten.

Gab es „harte Nüsse zu knacken“? Und wie haben Sie das gelöst?

In dem kleinen Ort Kränzlin habe ich lange gebraucht, um herauszufinden, warum die Kirche kein Dach besitzt. Schwierig war es auch, einen Interviewpartner aus dem Umfeld des jetzigen Besitzers von Gentzrode zu bekommen. Aber die schwierigste Nuss war die Geschichte über die Zukunft des Fontanehauses in Neuruppin. Ich habe zwar mit allen relevanten Personen, einschließlich der Besitzerin, gesprochen, aber immer wenn es interessant wurde, durfte ich sie alle nicht zitieren. Daher habe ich mich entschlossen, zu einem erzählerischen Mittel zu greifen, das eigentlich nicht in ein Sachbuch passt. Bei mir wird am 30.12.2019, zum 200. Geburtstag, das Fontanehaus als Literaturhaus eröffnet. Es ist eine Fiktion. Noch.

Wie lange hat es gedauert – von der Idee bis zur ersten Tour bis zum fertigen Manuskript bis zum Druck.

Die ersten Fahrten habe ich im Frühjahr 2017 unternommen. Dann hat es zwei Jahre gedauert, bis das Buch endlich in Druck gegangen ist. Nun erscheint es rechtzeitig zur Buchpremiere in Neuruppin. Statt Urlaub in den Schulferien standen die „Neuen Wanderungen“ auf dem Programm. In den meisten Orten war ich mehrmals.

Zurückgekehrt bin ich jetzt in zwei Orte, in die mich das rbb Fernsehen begleitet hat: Köpernitz und Karwe. Es war entspannt, weil ich diesmal keine Interviews führen musste.

Was wollen Sie den Lesern „an die Hand geben“?

Das Buch ist ja eine Mischung aus spannender Fontane-Rezeption und moderner Reiseliteratur. Der Leser wird informiert und unterhalten – mit interessanten Geschichten, mit Porträts von Orten und Menschen. Daher würde ich mich freuen, wenn die Leser nach der Lektüre motiviert sind, sich einerseits zu Orten Ihrer Wahl aufmachen, um sich selbst ein Bild zu machen. Und andererseits zum Original der „Wanderungen“ greifen.

Hat sich Ihr Verhältnis zu Fontane während des Schreibprozesses verändert? Wie?

Ich begegne dem berühmten Wanderer immer mehr mit hochachtungsvoller Skepsis.

Hat sich ihr Blick aufs Ruppiner Land geschärft und inwiefern?

Ich habe gerade vor Ort viel gelernt und erfahren. Und durch die Begegnung mit über 40 neuen und alten Märkern eine Ruppiner Innenperspektive erhalten, die nicht zu bekommen ist, wenn man als Tourist unterwegs ist.

Wollen Sie die anderen Bände auch bewandern? Wann?

Das entscheiden die Leser. Verkauft sich die Adaption des ersten „Wanderungen“-Bandes gut, wird die Reihe fortgesetzt. Ungeachtet dessen geht es bei Fontane auch um Nachhaltigkeit und ich hoffe die Verantwortlichen in Stadt und Land verlieren nach dem Geburtstagsfeuerwerk nicht das Interesse an diesem großen Sohn Brandenburgs.

Von Regine Buddeke

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