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Rückenwind für Ruheforst-Betreiber in Neuruppin

Verwaltungsgericht weist Klage zurück / Kampf um Trinkwasserspeicher geht weiter Rückenwind für Ruheforst-Betreiber in Neuruppin

Die Betreiber und Befürworter des geplanten „Ruheforstes Ruppiner Heide“ im Wald zwischen Kuhburgsberg und Kunsterspring atmen auf: Das Verwaltungsgericht in Potsdam hat ihnen im Streit um das Vorhaben den Rücken gestärkt und eine Klage der Stadt Neuruppin zurückgewiesen. Im Rathaus und bei den Stadtwerken löst das schriftlich verkündete Urteil weniger Begeisterung aus. 

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NEURUPPIN. Die Betreiber und Befürworter des geplanten „Ruheforstes Ruppiner Heide“ im Wald zwischen Kuhburgsberg und Kunsterspring atmen auf: Das Verwaltungsgericht in Potsdam hat ihnen im Streit um das Vorhaben den Rücken gestärkt und eine Klage der Stadt Neuruppin zurückgewiesen. Im Rathaus und bei den Stadtwerken löst das schriftlich verkündete Urteil weniger Begeisterung aus. Zum einen hat die Stadt als Verlierer die Kosten des Verfahrens zu tragen. Zum anderen ist weiterhin fraglich, ob die Stadtwerke in der Nähe des Bestattungswaldes eine neue Trinkwasserreserve erschließen.

Die Rechtsexperten im Rathaus prüfen die Urteilsbegründung derzeit gründlich und erwägen, ein Berufungsverfahren zu beantragen. „Eine Entscheidung dazu ist aber noch nicht gefallen“, sagte Rathaussprecherin Michaela Ott gestern auf Anfrage der MAZ.
Die Neuruppiner Stadtwerke wollen im Stendenitzer Forst einen Trinkwasservorrat für die nächsten Jahrzehnte erschließen. Dazu soll eine Wasserader angezapft werden, die unter dem geplanten Bestattungswald verläuft. Stadt und Stadtwerke hatten daher mit „psychohygienischen Bedenken“ argumentiert: Manchem Trinkwasserabnehmer könne die Vorstellung, Wasser mit Spuren von sterblichen Überresten zu nutzen, nicht behagen. Das Verwaltungsgericht habe allerdings „keine gewichtigen Auswirkungen“ auf das Trinkwasserprojekt erkennen können, sagte Gerichtssprecher Ruben Langer am Montag.

Zum Urteil zugunsten der Ruheforst-Betreiber hat womöglich auch die geänderte Friedhofssatzung der Gemeinde Storbeck-Frankendorf beigetragen. Darin sind für Bestattungen im Ruheforst statt der bislang geplanten, biologisch abbaubaren Urnen nunmehr solche aus Edelstahl oder Keramik vorgesehen (die MAZ berichtete). Üblich sind in Ruheforsten Gefäße, die sich zersetzen.

Die zuständige Gemeinde war seit Beginn der Planungen für das Revier Eggersdorf auf der Seite des Investors. Seit 2007 will Heinrich Schulte dort in einem rund zehn Hektar großen Waldstück jene naturnahe Bestattungsform anbieten – mit Urnengräbern in Ruhe und Abgeschiedenheit. Etwa genauso lange forschen die Stadtwerke schon nach Möglichkeiten, neue Reserven für die Trinkwasserversorgung der Neuruppiner zu erschließen. Das Tochterunternehmen der Stadt will sich mit einem Speicher der Zukunft auf einen möglichen Ernstfall vorbereiten: dass eines der beiden großen Wasserwerke aufgegeben werden muss. Rund um das Werk in Treskow ist der obere Grundwasserleiter mit Chemikalienresten der früheren Elektrophysikalischen Werke belastet. Mitarbeiter des Kreis-Umweltamtes überwachen die Lage, weil sich das Gift in Richtung See bewegt. Sollten die Altlasten in die untere Grundwasserader durchsickern, müsste das Wasserwerk den Betrieb einstellen.
Die Stadtwerke hatten an vielen Standorten nach einer Alternative gesucht, musste die meisten Anzapf-Pläne aber verwerfen – etwa, weil die fraglichen Gebiete bebaut oder ebenfalls schadstoffbelastet oder die Quellen nicht ergiebig genug waren. Der für technische Fragen zuständige Stadtwerke-Geschäftsführer Joachim Zindler hält daher am einzigen noch verbliebenen Standort fest. „Es geht darum, die Trinkwasserversorgung für Jahrzehnte zu sichern“, sagt er. „Deshalb kämpfen wir um diesen Standort.“ (Von Juliane Becker)

Spezielle Bestattungsform mit speziellen Regeln

  •     Ruhestätten im Wald sind als alternative Bestattungsform immer gefragter. Betrieben werden sie in Deutschland im Wesentlichen von zwei großen Anbietern: der Ruheforst GmbH und der Friedwald GmbH.
  • In Ruheforsten und Friedwäldern wird nur Asche bestattet – zumeist in abbaubaren Kapseln. Wo es das Landesrecht zulässt, kann die Asche auch verstreut werden. Was erlaubt ist , regelt jeweils die Friedhofssatzung.
  • Im Ruheforst Ruppiner Heide dürfen nach der Änderung der Friedhofssatzung nur Urnen beigesetzt werden, die nicht verwittern – etwa solche aus Edelstahl oder Keramik. Kleine Markierungsschilder an den Gräbern sind möglich, Lampen und Kerzen dürfen aber nicht aufgestellt werden. Grabsteine, Kränze, Grabschmuck, Erinnerungsstücke oder andere Grabbeigaben sind im Ruheforst ebenfalls nicht gestattet.
  • Ruheforst-Gräber gibt es für einzelne Personen, aber auch für Familien oder Freundeskreise. Die Gebühren liegen zwischen 3.000 und 8.000 Euro.
  • Das Areal für die naturnahen Bestattungen muss jederzeit für jedermann zugängig sein, auf dem Gelände darf auch gepicknickt und gespielt werden. Grundlage hierfür ist das Waldgesetz. kas/juw
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