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Neuruppin S am Fontanehaus verschwunden
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin S am Fontanehaus verschwunden
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17:31 28.09.2018
Wer hat das S entwendet? In diesem Haus wurde Theodor Fontane 1819 geboren. Heute wohnt der Maler Robert W. Wagner darin.   Quelle: Anja Reinbothe-Occhipinti
Neuruppin

Fontane-Freund oder Fontane-Feind? Wohl eher letzteres war derjenige, der das S im Schriftzug am Geburtshaus des großen Meisters in der Neuruppiner Karl-Marx-Straße 84 entwendet hat. Nun steht Fontanehau statt Fontanehaus in steinernen Lettern über der Löwen-Apotheke. Was will uns der Übeltäter damit sagen?

Vorbei eilenden Passanten fällt der Fehler im Detail nicht auf. Wer schaut auch schon täglich drauf – auf dem Weg zur Arbeit, zum Bäcker oder sonst wohin? Das Bild des Fontanehauses hat sich in den Kopf gebrannt, wenn man in und um Neuruppin ansässig ist. Veränderungen am Schriftzug fallen kaum einem Einheimischen auf.

Da muss erst eine Schar Journalisten aus allen Teilen Deutschlands anreisen, die vom TMB Tourismus-Marketing Brandenburg eingeladen wurden, sich auf die Spuren Fontanes zu begeben. Und dann sowas. Zig Kameras zückten die Kollegen, bis plötzlich ein entsetzter Aufschrei erfolgte: „Wo ist denn das S in Fontanehaus?“ Es fehlt.

Am Neuruppiner Geburtshaus von Fontane hat jemand ein S geräubert

Darüber befragt, muss Michael Bake erst einmal passen. Dem Sanierungsexperten der DSK – Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft war das fehlende S noch nicht aufgefallen. Das sei ein schlechter Scherz, so kurz vorm 200. Geburtstag von Theodor Fontane.

Aber auch wenn es ein geschichtsträchtiger Ort ist, sieht er sich nicht in der Pflicht. Bake erklärt: „Dafür ist der Eigentümer zuständig. Der Schriftzug gehört zur Fassade. Eigentum verpflichtet, wie man so schön sagt.“ Das Haus läge im Sanierungsgebiet, hätte aber von der DSK keine besonderen Auflagen.

Im kommenden Fontanejahr könnte das peinlich werden

Am 30. Dezember 1819 wurde Theodor Fontane im Haus mit der Löwen-Apotheke geboren. Seine Eltern hatten hier zu günstigen Konditionen eine Apotheke gekauft und zogen von Berlin nach Neuruppin. Die Familie wohnte im ersten Stock des Hauses, das später, 1867, mit einem dritten Geschoss und einer vorgeblendeten Putzfassade umfassend umgestaltet wurde. 1932 wurde der Hausflur nach links versetzt und hauptsächlich das Erdgeschoss baulich verändert. „Damals wurde eine zeitgemäße Verkleidung aus Naturstein angebracht an der Fassade“, erklärt Michael Bake.

Heute befindet sich das schmucke Haus, das als Einzeldenkmal in das Verzeichnis der Denkmale eingetragen ist, in Privatbesitz. Neben der „Löwen-Apotheke“ im Erdgeschoss hat Robert Werner Wagner im dritten Stock sein Atelier einquartiert. 1993 hatte der Künstler sich dort eingerichtet, bewohnt mit seiner Lebensgefährtin Christa-Maria Rudel das Gebäude. Sie ist die Eigentümerin des Fontane-Geburtshauses.

Passanten ist der Verlust bislang kaum aufgefallen

Den beiden ist das fehlende S an der Fassade natürlich aufgefallen. „Aber nicht sofort“, gesteht Robert Werner Wagner am Telefon und erklärt weiter: „Ich vermute, es ist gestohlen worden. Über Nacht. Es lag nirgendwo unten am Boden.“ Wer bitteschön macht so etwas? Und warum? Das weiß wohl nur der Übeltäter selber.

Künstler Wagner jedenfalls hat keine Idee. „Wir haben aber bereits einiges unternommen, dass es wieder hängt.“ – „Das S ist in Arbeit. Wir haben es jedoch noch nicht“, fügt Lebensgefährtin Christa-Maria Rudel hinzu. Es ist ja noch ein wenig Zeit, bis Brandenburg 2019 das Fontanejahr feiert, den 200. Geburtstag des Schriftstellers. Und wie gesagt, Einheimischen sticht der Diebstahl nicht ins Auge, selbst wenn sie täglich ein- und ausgehen im Gebäude.

Auch in der darin befindliche Apotheke weiß man nicht, wie lange das S schon fehlt

Die Apothekerin in der modern eingerichteten Löwen-Apotheke schaut verdutzt, als sie darauf angesprochen wird. Sie hätte es nicht bemerkt. Da müsse sie die Chefin fragen, seit wann der Schriftzug unvollständig sei. Macht es und kommt zurück. „Seit einem halben Jahr fehlt das S. Es ist aber schon beauftragt“, versichert auch die Chefin.

Solange sei das S noch nicht abhanden, meint wiederum Fontanehaus-Besitzerin Christa-Maria Rudel: „Es ist seit ungefähr dem Zeitraum weg, als die CDU-Truppe mit Herrn Golde in Neuruppin unterwegs war.“. Die Arbeitsgruppe Kultur in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Elisabeth Motschmann und ihre Stellvertreterin Melanie Bernstein waren Ende August in Neuruppin, um sich ein Bild von den Vorbereitungen für das Fontanejahr 2019 zu machen.

Die Besitzer haben das fehlende S bereits in Auftrag gegeben

Es ist ein heikles Thema, das S und auch das Fontanehaus im Allgemeinen, so scheint es bei der Recherche. Nein, weltbewegend ist es nicht, dass statt Fontanehaus Fontanehau an der Fassade steht. Eine kleine Peinlichkeit wäre es aber, wenn Touristen und Fontane-Fans nächstes Jahr nach Neuruppin pilgern, und das Geburtshaus in der Art beschildert fotografieren.

Neuruppin bereitet sich mit Leitausstellung im Museum und sonstigen fontanisierten Aktionen auf das Fontanejahr vor. Da sollte der Ort, an dem das Leben des großen Schriftstellers und Dichters begann, auch vollständig sein. Wird es, bestätigt Bewohner und Künstler Robert Werner Wagner: „Noch vor dem Fontanejahr wird das S hängen.“ Dem stimmt seine Lebensgefährtin zu. Vielleicht ist ja der Dieb schneller und bringt das gestohlene S zurück und wieder an. So würde aus einem Fontane-Feind, ein weiterer Fontane-Freund werden. Eine nette Geste wäre es zumindest.

Von Anja Reinbothe-Occhipinti

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