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Neuruppin Schuld war der Alkohol
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Schuld war der Alkohol
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00:18 12.06.2017
Quelle: dpa
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Neuruppin

Lammfromm: So geben sich die beiden Angeklagten vor Gericht. Die Anklage spiegelt ein anderes Bild wider. Danach soll der 36-jährige Sandy L. aus Wittstock am 12. September 2015 zunächst an der Shell-Tankstelle an der Neuruppiner Heinrich-Rau-Straße eine 15-Jährige geohrfeigt haben, anschließend im Ruppiner Einkaufszentrum (Reiz) ein junges Pärchen angegriffen haben. Da soll auch der zweite Angeklagte, der gleichaltrige Raiko K. aus Wittstock, einmal zugetreten haben.

Rechts gegen Links

Grund für beide Taten ist aus Sicht der Staatsanwalt, dass ihnen die offen nach außen getragene politische Gesinnung der drei jungen Leute nicht passte. Anschließend setzte sich Sandy L. noch mit 1,75 Promille Alkohol im Blut und ohne Fahrerlaubnis hinters Steuer und fuhr gegen einen Funkstreifenwagen. Am 16. März vergangenen Jahres wurden in der Wohnung von Sandy L. von der Polizei zehn Wurfsterne, ein Reizstoffsprühgerät und eine Taschenlampe mit integriertem Elektroschocker sichergestellt.

Vom 3. auf den 4. Dezember 2016 machten Sandy L. und Raiko K. in Wittstock Hatz auf zwei Ausländer. Mit den Worten „Deutschland den Deutschen“ griffen sie die beiden tätlich an. So sieht es jedenfalls die Staatsanwaltschaft. Die Angeklagten wurden am 14. Dezember festgenommen und sitzen seitdem in Haft.

Angeklagter bittet Opfer um Vergebung

Seit gestern müssen sie sich unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Volksverhetzung vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Zu dem letzten Vorwurf wollten sich die Angeklagten gestern nicht äußern, ließen aber über ihre Verteidiger zu dem Vorfall in Neuruppin eine Erklärung verlesen.

Ohne Alkohol wäre nichts passiert

Schuld an allem war demnach der Alkohol. Statt am 12. September 2015 wie geplant zu einer Demo zu fahren, machten sich Sandy L., Raiko K., der bereits wegen dieser Tat vom Amtsgericht verwarnte Sven M. und zwei weitere Personen auf den Weg nach Berlin. „Leider ging bei mir und den Jungs dann die Trinkerei los“, so Sandy L.. Statt auf direktem Weg zurück nach Wittstock zu fahren, hielten sie in Neuruppin an der Tankstelle, wo sich eine Gruppe dunkel gekleideter Personen aufhielt. Irgendwas flog gegen das Auto, Sandy L. hörte nur das Wort „Nazi“. „Ich war stocksauer, bin auf die Leute los und habe einem eine geklatscht.“ Dass er ein junges Mädchen traf, beschämt ihn nach eigenen Worten zutiefst.

Angeklagte bieten Schmerzensgeld

Überhaupt sei es ihm peinlich, wieder im Suff ausgerastet zu sein. An das weitere Geschehen hat er nach eigenen Angaben keine großen Erinnerungen mehr. „Ich war jedenfalls auf Krawall gebürstet. Im Reiz ging es leider weiter.“ Er wusste nur noch, dass er zwei Leute angegriffen hat, mehr nicht. Aber es muss wohl so gewesen sein, wie es in der Anklage steht und in der Videoaufzeichnung zu sehen ist, räumte der Vater von zwei Kindern ein. „Ich kann die Leute nur um Vergebung bitten“, ließ er ausrichten. Außerdem bot er ein Schmerzensgeld von 1000 Euro an, von seinem Gesparten. Mehr hat er derzeit nicht. Sein Tattoo-Studio sei durch die Inhaftierung weggebrochen.

Auch bei Raiko K. war es der Alkohol. „Ohne den Suff und mit klarem Kopf wäre das nicht passiert.“ Er sei zu der Auseinandersetzung im Reiz gestoßen und habe einmal gegen die Beine des jungen Mannes getreten. Dem will er 500 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Opfer leiden noch heute unter den Folgen des Übergriffs

Die beiden heute 17 und 20 Jahre alten Opfer waren kurz vor Ladenschluss im Kaufland und wollten zum Hauteingang des Reiz. Sie trug ein Oberteil mit der Aufschrift „Good night white pride“, hatte einen grün- , er einen blau gefärbten Irokesenschnitt. Zwei Männer kamen ihnen entgegen und attackierten sie. Einen der Täter identifizierte das junge Mädchen später anhand eines Fotos als Sandy L., der ein T-Shirt mit der Aussage „Refugees not welcome“ trug.

Die Begegnung ist dem jungen Paar nachhaltig in Erinnerung geblieben: Beide hatten unter anderem Hämatome, ihre Brillen waren zerbrochen. Schlimmer jedoch sind die psychischen Folgen wie Angstzustände, Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten, unter denen beide bis heute leiden.

Die Verhandlung wird am 30. Juni fortgesetzt.

Von Dagmar Simons

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