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Neuruppin Comedian Sebastian Pufpaff seziert im Stadtgarten die Welt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Comedian Sebastian Pufpaff seziert im Stadtgarten die Welt
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00:20 20.03.2019
Sebastian Pufpaff im Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten. Quelle: Regine Buddeke
Neuruppin

Wir alle sind Zombies – so viel steht am Ende fest. Sebastian Pufpaff, Comedian aus Leidenschaft und mit Mission, macht sich und seinem Publikum da nichts vor. Die Welt ist, wie sie ist, und nur mit einem Löffelchen voll Zucker zu ertragen. Sein Löffelchen? Das Wellenspiel. Am Freitagabend stellt er es im Neuruppiner Stadtgarten vor. Mehr als 500 Fans sind gekommen, um dem Mann mit dem messerscharfen Blick und der ebenso scharfen Zunge zu lauschen.

Pufpaff, gepflegter, smarter Typ, in feinem Zwirn – nur die Sneakers lassen Anarchie erahnen – scheint gut in der Wohlstandsgesellschaft aufgehoben. Das gibt er unumwunden zu. „Ich bin weiß, hetero, habe Abitur und bin ein Mann – die vier Grundpfeiler des Erfolgs.“ Der Saal lacht – auch die Frauen. Ironie bis in den schwärzesten Zynismus, da kennt Pufpaff nichts und redet sich in Rausch und Rage. Ein Mann wie ein Schnellfeuergewehr.

„Wir machen uns einfach ’nen schönen Abend“

„Wir nach“ heißt sein neues Programm und er muss sich um „Follower“ keine Sorgen machen. Zumindest, wenn man es schafft, seinem atemberaubenden Tempo zu folgen. Inhalt? Den lässt er in diesem Programm komplett weg, verspricht er. Weil ihn mal jemand gefragt habe, warum er immer so viel davon im Programm hat. „Wir machen uns einfach ’nen schönen Abend – und werden viel Spaß haben“, verspricht er. Kein Partei- oder Politiker-Name solle diesen Spaß trüben.

Ihm geht es gut: „Wäre ich ein Einhorn, würde ich Glitter furzen“, sprudelt Pufpaff. Warum? Da kommt das Wellenspiel ins Spiel. Wenn er an der See ganz dicht an der Wasserschaumkante steht und eine Welle anrollt, tritt er einfach einen Schritt zurück. „Ich lasse das Wasser einfach nicht an mich herankommen“, erklärt er. Das funktioniere auch im Leben super. „Ich mach das bei Problemen. Und so macht es ganz Deutschland – einfach nicht an sich rankommen lassen.“

„Klimawandel? Pah – nur ein Jahrhundertsommer“

Dieselskandal? Gibt es nicht. „Nur Leute, die zu wenig Kohle für ein neues Auto haben.“ Klimawandel? Pah – nur ein Jahrhundertsommer. Er habe gelesen, dass die 42 Superreichen dieser Welt genauso viel besitzen wie die Hälfte der Weltbevölkerung: also 3,7 Milliarden Menschen. „Ich hab mich kurz gefragt: Wozu gehörst du eigentlich – ho ho, ha ha“, dröhnt Puffpaff. Wenn man die zwingen würde, alles über einer Milliarde Barvermögen auszugeben, gäbe es keine Armut auf der Welt mehr.

Pufpaff redet über die „Zotteltaschen“ an seiner Tür, die für den aussterbenden Eisbär sammeln. „Der stirbt aus, so lange ich denken kann“, ereifert er sich. „Und Jahr für Jahr entstehen bis zu 20 neue Lebensformen – darüber redet keiner“, erklärt er das Phänomen der selektiven Wahrnehmung.

“Erst Elend, dann Pina Colada“

Das spanische Zweijährige im Brunnen: 14 Tage lang fantastische mediale Berichterstattung. „Dass in diesen zwei Wochen 14 zweijährige Kinder im Mittelmeer ertrunken sind, tangierte weit weniger“, ätzt der 42-Jährige. „Vielleicht hätte man noch 13 weitere Kinder in den Brunnen stopfen müssen.“ Pufpaff weiß um die Wirkung von Drastik. Eloquent, intelligent, ironisch balanciert er zielsicher auf dem schmalen Grat zwischen Humor und Geschmacklosigkeit.

Nicht einmal rutscht er dabei aus. Den Bösewicht gibt er indes gern. Auf Urlaubsreisen besichtigt er zuallererst die Elendsviertel. „Das gibt dem Club erst den goldenen Glanz: erst Elend, dann Pina Colada“, pratzt er heraus. Die Kinder? „Es wird ja gesellschaftlich verlangt, dass man die mitnimmt“, speit er und Worte wie Kackbratzen und Bälger fallen. Damit meint er natürlich die Kinder der anderen. Seine eigenen will er gern rundum versorgt wissen: von anderen.

Neulich habe er die Tochter aus der Kita abgeholt. Das Personal sei verblüfft gewesen. Er später auch – es war das falsche Kind. „Aber es gab keine Nachfragen. Die anderen Eltern haben es wohl nicht gemerkt. Oder sie waren mit meiner Tochter zufrieden.“

„Und wir heucheln unseren Kindern eine heile Welt vor“

Bitterböse und sarkastisch geht es weiter: Über Prepper und Präsidenten, die wie Meerschweinchen aussehen, über Me too und Immobilieninvestment, Eurofighter und Flat Earther: Leute, die behaupten, die Erde sei eine Scheibe. Impfgegner, Raser, Handyglotzer im Straßenverkehr.„Lasse doch – das klärt sich alles. Und schafft wieder mehr Wohnraum.“ Man sei von Zombies umgeben, wohin man schaue.

„Und wir heucheln unseren Kindern eine heile Welt vor. Da haben uns die syrischen Kinder einiges voraus.“ Es täte uns allen gut, mal im sinkenden Gummiboot zu sitzen, sagt er: „Denn egal, was draußen passiert – oft sind wir selber der Arsch!“ Und gibt freimütig zu: „Ich habe auch keine Lösung – mein Zynismus ist auch nur Kapitulation.“

Von Regine Buddeke

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