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Neuruppin Taucher als Wasserpflanzen-Experten
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17:42 30.06.2018
Vorsitzender des Nabu-Regionalverbands Gransee und Naturschutztaucher Tom Kirschey auf Unterwassersafari. Quelle: Silke Oldorff
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Alt Ruppin

„Das Schlimmste, was einem See passieren kann, sind Taucher.“ Das dachte Silke Oldorff noch vor einigen Jahren. Seit sie selbst – meist für den Naturschutz – in die Tiefen der Seen hinabsteigt, ist sie gänzlich anderer Meinung.

Im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land arbeitet die engagierte Frau als stellvertretende Naturparkleiterin. Hier gibt es die größte Konzentration von nährstoffärmeren Klarwasserseen in Deutschland. Doch der Zustand vieler Seen hat sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. So entstand bei den Naturschützern der Wunsch, auch unter die Wasseroberfläche zu sehen. Sie nahmen Kontakt zu Tauchsportvereinen auf. Seit 2007 kooperieren Sporttaucher und Umweltaktivisten nun bereits.

Naturschützer lernten so das Tauchen und die Sporttaucher wurden botanisch geschult. „Mittlerweile kennen die Sportler viele Wasserpflanzen besser als die Biologen“, sagt Silke Oldorff bei einem Vortrag, den sie für Mitglieder des Nabu-Kreisverbands Neuruppin in Alt Ruppin hielt. Für die meisten Zuhörer, waren die Blicke unter die Wasseroberfläche eine völlig neue Erfahrung, kennen sie doch die Seen meist nur aus der Perspektive eines Schwimmers oder Bootsfahrers.

Hechte, Flussbarsche, Schleie, Zander, Rotfedern und Steinbeißer bekamen die interessierten Besucher nun aus nächsten Nähe zu sehen, fotografiert von Silke Oldorff, der Initiatorin des Projekts und Herausgeberin eines Bestimmungsbuchs für Unterwasserpflanzen.

2007 bot der Tauchclub Nehmitzsee dem Nabu-Regionalverband Gransee und der Naturparkverwaltung Stechlin-Ruppiner Land seine Mithilfe beim Schutz der gefährdeten Klarwasserseen an. Während ihrer Tauchgänge bestimmen die Sportler Wasserpflanzen und zählen sie. Für das Projekt „Tauchen für den Naturschutz“ ist der Nabu Gransee 2013 mit dem Deutschen Naturschutzpreis ausgezeichnet worden.

Mittlerweile beteiligen sich auch die örtlichen Tauchsportvereine Neuruppin und Zehdenick an dem Projekt.

Die Taucher nehmen Proben, um sie unters Mikroskop zu legen

„Beim Tauchen sind die Leute immer in Teams unterwegs“, erklärt Silke Oldorff. „Sie bearbeiten bestimmte, ihnen zugeteilte Sektoren. Je mehr Taucher wir haben, desto mehr Bereiche können untersucht werden.“ Getaucht wird mit Tiefenmesser, Unterwasserkamera und Kompass, um sicher zum Ausgangspunkt zurück zu finden.

Nicht alle Pflanzen können die Taucher unter Wasser genau inspizieren. „Wir nehmen auch Proben mit, weil man manches erst unter der Lupe genauer definieren kann“, sagt Silke Oldorff. „Anfänger nehmen meist mehr Proben mit, erfahrene Taucher weniger. Schließlich wollen wir ja die Umwelt schonen.“

Vier Arten kennt bereits jeder am Projekt beteiligte Taucher: das Raue Hornblatt, das Ährige Tausendblatt, das Krause Laichkraut und das Kamm-Laichkraut. „Diese Pflanzen sind Störanzeiger. Wenn sie sich im Wasser zu stark ausgebreitet haben, dann stimmt mit dem See etwas nicht“, sagt die Expertin. 28 Seen haben die Taucher im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land bereits genauer untersucht; 23 von ihnen sind nach Aussagen von Silke Oldorff in einem schlechten Zustand. „Die Mehrzahl der Seen haben die Unterwasserflora immer mehr verloren“, sagt sie. „Doch sie sind äußerst wichtig für viele Tierarten – sie bieten Lebensraum, Nahrung, Schutz für Kleinfische und sie halten den See im Gleichgewicht.“

Die Flora verrät den Wissenschaftlern viel über die Qualität des Sees

Nicht alle Sporttaucher sind davon fasziniert, Wasserpflanzen zu bestimmen. „Viele möchten lieber Fische sehen“, sagt die Pflanzenspezialistin. „Aber wir brauchen die Taucher, um zu sehen, wie es unseren Seen geht. Und wir sind froh, dass wir sie haben. Sie machen das sehr gewissenhaft.“

Die gesammelten Daten dienen der Bestands- und Zustandsaufnahme der aktuellen Situation der Klarwasserseen. Die Informationen werden an die zuständigen Behörden, Gemeinden, Fischereibetriebe, Angelverbände und auch Eigentümer weitergeleitet, um notwendige Maßnahmen besprechen und durchführen zu können.

Von Cornelia Felsch

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