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Neuruppin The Deadful Greats spielen im Bodoni-Hof Buskow
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13:39 07.10.2018
The Deadful Greats spielen im Bodoni-Vielseithof in Buskow. Quelle: Regine Buddeke
Buskow

Nein, es geht hier nicht um Grateful Dead –zu deutsch dankbare Tote. Es geht vielmehr um die dankbaren Lebenden. Gut 50 Fans sind am Sonnabend in den Salon im Kuhstall im Buskower Bodoni-Vielseithof gekommen, um den vier charismatischen Münchenern zu lauschen, die sich selber schlichterhand The Deadful Greats getauft haben – sehr frei übersetzt Die ganz toten Großartigen. Nicht zu verwechseln mit Dreadful – das hieße furchtbar. Und das sind die vier Musiker ganz und gar nicht. Dann schon besser Großartig – und dazu lebendig und nicht tot.

Man merkt es schon am Namen: So lustvoll, wie die vier ihren Bandnamen verwurstelt haben, so lustvoll tun sie es auch mit ihrer Musik. Man nehme einen Song der vergangenen Jahrzehnte, zerlege ihn in seine Bestandteile, behalte was gefällt und arrangiere den Rest neu. Auch so, dass es allen gefällt. Verzückt vom Stück werfen Frontfrau Alegría Mannhardt und ihre drei Männer in die Songs, was ihnen grade einfällt:

Alle haben Spaß. Quelle: Regine Buddeke

Aus Rock wird Ballade, aus Pop Jazz, aus Blues feuriger Klezmer. Genregrenzen gibt es nicht für sie, die Musiker traumtanzen zwischen den Stilen und verbiegen sich alles, was ihnen unter die Finger kommt. Nicht immer hört man, was für ein Song da ursprünglich Pate stand. Das Publikum darf raten.

„Smoke on the Water“ – klar, den Deep-Purple-Klassiker hört man heraus. Aber The Deadful Greats haben ihn völlig neu eingekleidet. Auch „Land of Confusion“ von Genesis ist zu erkennen. Das Publikum wartet nicht lange mit dem Tanzen. Die Münchener wissen der Menge einzuheizen. Mit ungebremster Spielfreude und absoluter Hingabe ans Instrument spielen sie sich selber in Rausch. Dazu noch die Ansagen von Gitarrist Oliver Weiße – ein Wortakrobat, der das Publikum besoffen quatscht.

In Schachtelsätzen, in denen sich nachgerade jeder verlaufen würde, tänzelt er über Dialekte und Stimmfärbungen, mutiert vom Zirkusdirektor zum Erklärbär. Palavert über Männer, die schon ein Schnupfen zur besinnungslosen Sofalähmung umwirft, über nächtliche Heißhungerattacken oder über das unaussprechliche dunkle Mittelalter der Musik –die Achtziger – in denen gleichwohl doch die ein oder andere kleinen Kunstperle schimmerte.

Wortmacher und starker Sänger: Oliver Weiße. Quelle: Regine Buddeke

Das alles sind launige Überleitungen aufs jeweils folgende Lied. „Wir sind ja aus dem erzkatholischen Bayern. Also ein Stück mit religiösem Charakter. Wenn auch einem, der sich an Hühnerknochen aufhängt. Kenner werden sagen: A dös is dös“, bayert Weiße schamlos. „Also – wer’s errät.“ Andreas Ponath lässt seinen Bass fast um den kleinen Finger kreiseln, in seinen Solopassagen wird er filigran. Alegría Mannhardt sorgt für die süffigen Passagen mit ihrem Akkordeon, ihre Stimme steht dem in nichts nach. „Sie singt so unangestrengt und leicht – mit ihrer tollen Stimme“, lobt Sabine Schattschneider.

Gern wird auch wild gemixt: Aus einem „On broadway“-Intro schält sich unmerklich „Funky Town“ – ein Disco-Klassiker von Lipps. Der bandintern sogenannte „australische Sex-Song“ ist eine Mixtur aus einem testosterongeladenen AC/DC-Song, der zum mehrstimmigen Eagles-Gesang umstrukturiert wurde.

Ein tanzbares „Summertime“ wird der Südstaatenballade durchaus gerecht, „Video kills the Radio Star“ singen die Fans laut mit. Die Stimmung ist prächtig. Arrangeur und Töne-Erfinder Weiße debattiert mit dem Drummer Stefan Goebel, wer das rote und wer das weiße Handtuch bekommt: „Wir sind schwitzig wie die Bullen“, verrät er launig und grient.

Alegría Mannhardt und Andreas Ponath. Quelle: Regine Buddeke

Three Cool Cats ist die Steilvorlage für die nächste Anmoderation: „Auch ein Tier wie die Katze, vier Beine, Schwanz.“ Waschbär wird in den Raum geworfen. „Kein Waschbär“ bescheidet die Frontfrau. „Liebe Leut, dös nächste Lied hoaßt Horst“, schwadroniert Weiße, der seine Gitarre zu Dire-Straits-Klängen hochpeitscht. Kann man so gelten lassen bei „A Horse with no Name.“

„Tainted Love“, „I wear my Sunglasses at night“ – weiter wird gerätselt, was es ist. Ein Beatles-Song, dann einer, der nach Tom Waits klingt. Ein Stück mit politisch-aktueller Brisanz, witzelt Weiße über „Istanbul Not Constantinople“ – ein Charleston der Fünfziger. Der Abend kocht sich hoch zum Finale. Drei Zugaben werden eingefordert.

Von Regine Buddeke

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