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Neuruppin Timo Gottschalk: Vom Rollstuhl ins Rallyeauto
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00:18 31.12.2017
Timo Gottschalk startet mit Fahrer Yazeed Alrajhi in einem neuen Mini John Cooper Works Buggy. Quelle: Jakub Fruhauf
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Rheinsberg

Der Gang von Timo Gottschalk ist noch etwas schwerfällig, der rechte Oberschenkel macht manchmal Probleme. Bei einer Motorradtour in Georgien verunglückte er im Juni schwer. „Wir waren zu dritt, ich war der erste in der Gruppe. Ein Minibus hat in einer Kurve einen LKW überholt und ich hatte gar keine Chance auszuweichen. Links war der LKW, rechts eine Betonbarriere“, erzählt der Rheinsberger. Der 43-Jährige krachte frontal in den Minibus. Fünf Rippen und drei Wirbel brach er sich dabei, das Becken dreifach und beide Beine. Insgesamt 16 Knochenbrüche diagnostizierten die Ärzte.

Zwei Monate im Rollstuhl

40 Minuten lag er auf der Straße im strömenden Regen ehe der Krankenwagen an die Unfallstelle kam. Seine Freunde organisierten am Tag danach den Rücktransport nach Deutschland mit einem Ambulanzflieger. Drei Wochen lag er im Unfallkrankenhaus Berlin, nach drei Operationen wurde er entlassen. „Die zwei Monate anschließend im Rollstuhl waren die schlimmsten, weil ich nicht laufen durfte. Die erste Zeit danach war okay, aber als ich dann gemerkt habe, dass es nicht so schnell vorangeht, wie ich mir das erhofft hatte, war das ziemlich frustrierend“, sagt Gottschalk.

Timo Gottschalk aus Rheinsberg ist eigentlich gelernter Diplom-Ingenieur für Fahrzeugtechnik. Auf Truppenübungsplätzen und Äckern fing er mit seinem Hobby an. 2007 fuhr er seine erste Ralley-Dakar mit.

Ab September war er drei Wochen in der Reha in Bad Freienwalde, anschließend stieß Irish-Setter-Mischling Cooper zur Familie. „Er ist die beste Reha, ich gehe viel mit ihm spazieren. Längere Strecken laufen geht, meist nehme ich Walkingstöcke dafür, sonst laufe ich etwas schief. Es wird sicher noch bis Mitte nächsten Jahres dauern, bis ich wieder voll fit bin“, sagt Gottschalk, der sich inzwischen bei 80 Prozent Fitness fühlt.

Erschütterungen sind gut für Heilung

Hundertprozentig war allerdings für ihn klar, bei der Rallye Dakar am 6. Januar zu starten. „Für mich könnte er ruhig noch ein Jahr warten, aber ich kann verstehen, dass er starten will“, sagt Rebecca Benkow. „Es kann natürlich immer etwas passieren, aber im Auto hat er immerhin noch eine Knautschzone und einen Käfig um sich herum“, erzählt Gottschalks Freundin.

Bedenken, dass es Probleme bei der Rallye geben könnte, hat Gottschalk nicht. „Wir haben einen guten Teamarzt, der ist auch Rückenchirurg. Er meinte, dass alles gut aussieht. Leichtere Erschütterungen sind sogar gut, da heilt der Knochen besser“, sagt Gottschalk, der gemeinsam mit Yazeed Al-Rajhi für das deutsche X-Raid-Team startet. „Wir waren schon vier Tage testen, das ging ganz gut, sitzen ist angenehm. Schnell aus dem Auto rausspringen, einen Reifen wechseln oder das Auto Freibuddeln, das geht allerdings nicht. Aber das weiß mein Fahrer auch. Er meinte, wenn ich gesundheitlich nicht kann, dann soll ich das sagen, dann fahren wir nicht.“

Zumal Gottschalk auch gesundheitlich vom brandneuen Auto profitiert, mit dem das X-Raid-Team bei der 40. Ausgabe der berühmtesten Langstreckenrallye der Welt an den Start geht. „Für meine Knochen ist das neue Auto viel besser, weil es komfortabler ist“, sagt Gottschalk. Alleine der Federweg im neuen Mini John Cooper Works Buggy ist zwölf Zentimeter länger als im zuvor allradgetriebenen Mini Cooper. „Das neue Auto ist jetzt überall da besser, wo die Strecke sehr wellig ist, da kann man sehr schnell rüberbügeln mit dem Buggy“, erzählt Gottschalk von den Testfahrten in Marokko. In den kurvigen Teilstücken seien dagegen die Allradfahrzeuge im Vorteil.

Gedämpfte Erwartungen im neuen Auto

Weil das Auto noch bei keiner Rallye im Einsatz war, sind die Erwartungen aber entsprechend gedämpft. „Das Team hat das Auto komplett neu entwickelt und eigentlich sind wir damit auch noch erst am Anfang. Auch Peugeot war als Werksteam im ersten Jahr mit dem neuen Auto nicht konkurrenzfähig“, sagt Gottschalk, für den es die zehnte Teilnahme an der Dakar wird. 2011 gewann er mit Nasser Al-Attiyah am Steuer sogar die Rallye. Auf der offiziellen Homepage der Dakar wird er als „Legende“ geführt, weil er schon neun Dakars auf dem Konto hat. Gottschalk war auch schon an der Seite von Rallye-Legende Carlos Sainz im Cockpit.

Mit Yazeed Al-Rajhi aus Saudi-Arabien geht er in seine vierte Dakar. Am 1. Januar fliegt er nach Peru, wo die über 9000 Kilometer lange Rallye fünf Tage später in der Hauptstadt Lima gestartet wird. „Sie haben uns beim Jubiläum einen schweren Brocken vorgeworfen. Der Sand in Peru ist beispielsweise ganz weiß. Wenn die Sonne draufscheint sieht er aus wie ein weißer Teppich, dabei ist die Strecke total wellig. Das ist dann schwierig zu lesen und einzuschätzen, wie schnell man fahren kann“, erzählt Gottschalk. Außerdem hatte Pilot Al-Rajhi immer wieder mit der dünnen Luft auf den Höhenetappen über 4000 Metern zu kämpfen. „Ich hoffe, mein Fahrer ist in diesem Jahr in der Höhe etwas fitter. Deshalb nimmt er ein spezielles Schlafzelt mit, in dem eine dünnere Luft die Höhe simuliert und den Körper daran gewöhnen kann“, erzählt Gottschalk. Nach seinem Unfall im Juni klingen Probleme mit der dünnen Luft schon fast wie eine Lappalie.

Von Stephan Henke

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