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Neuruppin Wasser wird knapp
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Wasser wird knapp
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11:58 14.06.2018
Heute beginnt die Kajaksaison auf dem Rheinsberger Rhin, der noch genug Wasser führt. Ob die Freizeitkapitäne den ganzen Sommer dort fahren können, hängt von den Niederschlägen ab. Quelle: Andreas Vogel
Neuruppin

Neuruppin ist im Mai der neunttrockenste Ort in Deutschland gewesen. Davon gehen die Meteorologen des Wetterexperten Jörg Kachelmann aus. Sie berufen sich dabei auf Messungen: Dabei sollen in der Fontanestadt nur 3,8 Millimeter Regen im gesamten Monat gefallen sein. Normal wäre eine Marke von etwa 50. Im Juni taucht Neuruppin zwar nicht mehr in ihrer Top-20-Liste der niederschlagärmsten Orte des Bundes auf – doch von Entspannung kann derzeit nicht die Rede sein.

In der Region ist es ungewöhnlich trocken

„Die Trockenheit, die derzeit in der Region herrscht, ist schon sehr ungewöhnlich“, sagt Holger Lettow, Geschäftsführer des Gewässerunterhaltungsverbandes Oberer Rhin/Temnitz. Im Moment werden Wasserstände gemessen, wie sie sonst in sehr trockenen Jahren erst im Juli oder August vorkommen.

Spätestens nach drei Wochen wird’s kritisch

„Wir halten noch zwei, drei Wochen durch“, so der Wasserexperte. So lange gibt es keine Einschränkungen, weder für Wassersportler noch für Landwirte oder Gartenbesitzer. Wenn es bis dahin aber nicht ausgiebig regnet, werde die Lage kritisch. „Dann müssen wir über weitere Maßnahmen nachdenken.“

Vor allem Fließgewässer betroffen

Vor allem die Fließgewässer der Region wie die Temnitz oder der Neuruppiner Klappgraben haben unter der lang anhaltenden Trockenperiode gelitten, so Lettow. Schon seit Anfang Mai führen diese viel weniger Wasser als sonst um diese Jahreszeit. Bei den Seen sieht es auf den ersten Blick etwas besser aus. Dort sei noch kein Niedrigwasserstand erreicht. Aber auch da seien die Pegel früher als üblich gesunken – auch weil die Seen als Speicher dienen und bei Trockenheit die gesamte Landschaft bis nach Oranienburg und Rhinow mit Wasser versorgen.

Sehr hohe Verdunstung

Das Problem: Der Zufluss ist dort derzeit geringer als das, was weitergegeben wird. Hinzu komme, dass die Verdunstung bei der Hitze sehr hoch ist. Alleine dadurch verlieren die Seen rund fünf Millimeter an Tiefe pro Tag. Insgesamt sind es zehn. „Und jeder Zentimeter, der weg ist, sind etwa 100 000 Kubikmeter Wasser weniger im Ruppiner See“, rechnet Lettow vor. Dieser sei von der Trockenheit besonders betroffen. Die Lage an der Rheinsberger Seenkette sowie am Gudelacksee bei Lindow, die ebenfalls als Speicher dienen, sei besser.

Noch ist Wasser in den Reservoirs

Noch sind die Reservoirs nicht völlig leer. Wenn es beim Wetter aber nicht bald eine Wende gibt, dann könnte diese Versorgungsquelle für weite Landstriche demnächst ebenfalls versiegen. Lettow will dann überlegen, ob er die Wasserabgabe ins Luchgebiet einstellt.

Luch-Landschaft ist ausgetrocknet

Dabei ist die Situation dort jetzt schon problematisch. Zwar seien die Wasserwirtschaftler schon an die Frühjahrstrockenheit durch die vergangenen Jahre gewohnt, sagt Helmut-René Philipp. Doch die derzeitige Dürre „ist schon extrem“, so der Geschäftsführer des Fehrbelliner Wasser- und Bodenverbandes Rhin-/Havelluch. Vor allem die Landwirte im Luch haben darunter zu leiden. „Wobei: Vom Luch kann man im Moment gar nicht mehr sprechen. Es ist ja alles ausgetrocknet.“

Gräben ohne Wasser

In manchen Gräben gebe es gar kein Wasser mehr – eine Situation, die einmalig für ein Frühjahr in den vergangenen Jahrzehnten ist. Bewässerung und Wasserrückhalt, wo es nur geht, sei deshalb die oberste Devise im Moment. Wie es in ein paar Wochen mit wenig Niederschlag aussieht, kann Philipp nicht sagen. „Fest steht aber: Wenn wir kein Wasser haben werden, können wir auch keines zaubern.“

Im Rheinsberger Rhin noch genug Wasser

Eine weitere Folge der andauernden Trockenheit könnte irgendwann die Absenkung der Tauchtiefe für Boote oder ein Fahrverbot für Paddler auf dem Rheinsberger Rhin sein, so Lettow. Noch ist der Wasserstand für die heute beginnende Kajak-Saison aber ausreichend.

65 Zentimeter müssen es sein

„Wenn genug Wasser im See ist, ist auch genug Wasser im Rhin“, sagt Doris Berger vom Kanuverleiher Berger Tours. Die 65-Zentimeter-Marke am Pegelstand muss erreicht sein, dann darf gepaddelt werden. Ist das Wasser niedriger, müssen die Kajaks an Land bleiben – die Paddel der Wassertouristen könnten den Boden aufwühlen.

Zuletzt Fahrverbot im Sommer 2016

Bislang waren Fahrverbote auf dem Rhin selten. In den 26 Jahren, in denen Berger Kajaks verleiht, wurden nur drei Mal Fahrerverbote verhängt. In dem sehr heißen Sommer 2003 etwa oder zuletzt im August 2016. Ob der Rhin jetzt die ganze Zeit befahren werden kann, hängt von den Regenfällen in den kommenden Wochen ab.

Hohwasser sorgt für ausreichend Grundwasser

Ein oder zwei Schauer reichen dabei nicht aus. „Das würde uns über zwei, drei Tage retten“, so Lettow. Nur ausgiebige Regenfälle wie ab Ende Juni 2017 würden zu einer Trendwende führen.Von diesen kräftigen Niederschlägen, die am Ende zu einem Katastrophenjahr für die Wasserwirtschafter geführt haben, profitiere die Region nun. Denn dadurch seien Grundwasserstände immer noch relativ hoch und die Feldsölle oder Dorfteiche gefüllt. „Hochwasser wirkt oft noch zwei Jahre nach – zu unserem Glück jetzt.“

Von Celina Aniol und Frauke Herweg

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