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Neuruppin Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie immer seltener
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00:22 21.07.2018
Lisa Hallex fertigt einen Anhänger an. Die 25-jährige Goldschmiedegesellin arbeitet im Betrieb ihrer Mutter und wird ihn eines Tages übernehmen. Quelle: Annika Jensen
Neuruppin

Lisa Hallex ist Goldschmiedin. Wie ihre Mutter Grit Hallex. Ihr Großvater Jürgen Hallex ist Uhrmacher wie sein Vater Willi Hallex. Sie alle haben das Geschäft „Juwelier Hallex“ in der Karl-Marx-Straße in Neuruppin geführt. Die 25-jährige Lisa Hallex möchte es eines Tages auch übernehmen.

Sie sitzt an einem Tisch im hinteren Teil des Geschäftes. Hier ist der Arbeitsplatz ihrer Mutter. Überall liegen kleine Papiertütchen mit fertigen Schmuckstücken. Die Handwerksgesellin wirkt entspannt. Ihre an den Spitzen grüngefärbten Haare hat sie zusammengebunden.

Schon als Kind hat sie viel Zeit in der Werkstatt verbracht

„In der Berufsschule war ich die einzige, die den Betrieb der Familie eines Tages übernimmt“, sagt Lisa Hallex. Vor dreieinhalb Jahren hat sie ihre Lehre in einer Schmuckwerkstatt im thüringischen Gotha beendet. Schon als Kind hat sie viel Zeit in der Werkstatt der Familie verbracht. Die Wohnung liegt direkt über dem Geschäft. „Nach der Schule waren meine Schwester und ich viel im Laden. Da habe ich schon einiges mitbekommen.“ Als sie 15 Jahre alt war, machte sie ein Praktikum bei ihrer Mutter. Das festigte ihren Entschluss, ebenfalls Goldschmiedin zu lernen.

Familie Hallex fertigt auch individuelle Schmuckstücke an wie diese Perlenkette. Quelle: Peter Geisler

Nun ist sie als Gesellin im mütterlichen Betrieb angestellt. Dass sie ihn übernehmen wird, ist innerhalb der Familie keine Diskussion. „Ich kann es mir momentan ehrlich gesagt aber noch gar nicht vorstellen, dass ich mal ein Geschäft leite“, sagt Lisa Hallex und lacht. Ihre Mutter steht am Kopfende des Tisches in der Werkstatt. Sie bestärkt ihre Tochter. „Deswegen sollst du ja auch langsam reinwachsen. Du bist ja jung genug“, sagt sie. „Der Meisterbrief wird kommen. Das ist ja schon Familientradition. Im Laden hängen ja schon drei Meisterbriefe.“ Mutter und Tochter lächeln.

„Sie suchten alle Nachfolger und es war niemand zu finden.“

Lisa Hallex ist zwar keine Ausnahme. Aber sie ist eine von wenigen. Während es vor ein paar Jahrzehnten noch ganz normal war, dass die Kinder den elterlichen Betrieb übernehmen, kämpfen die Betriebe heute um die Nachfolge innerhalb der eigenen Familie. Besonders Handwerksbetriebe haben diese Probleme. „Ich habe mit meinem Vater in Wittstock Treffen von Handwerkern aus der Region besucht“, erzählt Grit Hallex. „Ob das Maler oder Friseure waren, die suchten alle Nachfolger und es war niemand zu finden. Die haben alle gestöhnt.“

Ihre Tochter äußert eine Vermutung, woran das liegen könnte: „Ich habe das Gefühl, dass heutzutage jeder studieren möchte und kein Interesse am Handwerk hat, um danach einen guten Job zu haben. Weil es in unserer Gesellschaft immer noch so suggeriert wird: Wenn du studierst, bekommst du einen guten Job.“ Aber die Unis seien derart überlaufen, dass viele nach dem Studium eben doch nicht mit dem besten Jobangebot dastehen, sagt Lisa Hallex weiter.

Von etwa 2700 Betrieben geht nur ein Bruchteil an die Kinder

Andreas Lehmann von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Potsdam weiß: Auch in anderen Branchen ist die Unternehmensnachfolge durch Familienmitglieder rückläufig. „Es betrifft durchweg alle Branchen, insbesondere im Hotel- und Gaststättenbereich und im Einzelhandel. Eigene Erhebungen zu dem Thema macht die IHK nicht. „Die Tendenz ist aber da“, sagt Andreas Lehmann. „Das merken wir, weil immer weniger Menschen in unseren Nachfolgeberatungen sitzen, die den Betrieb der Eltern übernehmen wollen.“

Die Zahlen der Handwerkskammer Potsdam sehen nicht viel besser aus. Von 17 400 Betrieben im Westbrandenburger Handwerk (1548 in OPR und 1176 in der Prignitz) gibt es pro Jahr durchschnittlich 400 Übernahmen und Übergaben. Nur ein Teil davon sind Übernahmen durch ein Familienmitglied der nächsten Generation. Und auch Ines Weitermann von der Handwerkskammer hat nicht den Eindruck, dass das Problem vordergründig eines im Handwerk ist. „Aus meiner Sicht betrifft das alle Branchen“, sagt sie.

Zeit für Familie und Hobby ist wichtiger

„Die Erwerbsaussichten im Angestelltenverhältnis sind auf Grund der guten Konjunktur besser als bei einer Selbstständigkeit infolge einer Betriebsübernahme“, erläutert Lehmann einen weiteren Grund für das abnehmende Interesse der nächsten Generation am Weiterführen des elterlichen Betriebes. Aber auch die demografische Entwicklung spiele eine Rolle, so Lehmann. Es kommen schlicht weniger Kinder zur Welt. Und jene, die in Frage kämen, haben oft andere Prioritäten. Junge Arbeitnehmer wollen heute mehr Zeit für Familie und Hobbys haben. „Außerdem gibt es auch nicht übergabefähige Unternehmen. Das heißt, dass diese nicht ausreichende Einnahmen für den eigenen Lebensunterhalt bieten“, sagt Andreas Lehmann.

Lisa Hallex hat ihre Entscheidung getroffen. Und sie hat auch schon Vorstellungen, was sie in Zukunft anders machen möchte. Gemeinsam mit ihrer Mutter. Die hat das Geschäft nämlich erst 2015 übernommen. „Wir wollen mehr dafür werben, dass wir auch eine Schmuckwerkstatt sind“, sagt die 25-Jährige. „Das war bei meinem Großvater und Urgroßvater, die ja nun mal Uhrmacher waren beziehungsweise sind, ja eher nicht so präsent.“ Dazu nutzen sie natürlich ihre Internetseite und mittlerweile auch sehr rege das soziale Netzwerk Facebook. Dort haben sie treue Fans, die beobachten können, wie es in der nächsten Generation im Juweliergeschäft Hallex weitergeht.

Von Annika Jensen

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