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Neuruppin Seit 80 Jahren an der Nadel
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Seit 80 Jahren an der Nadel
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12:32 20.05.2014
Bei Ursula Mummert wurde im Alter von zwei Jahren Diabetes festgestellt. Ihr Mann leidet seit 1996 unter der Krankheit. Quelle: Jürgen Rammelt
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Rheinsberg

Viermal am Tag muss die inzwischen 82-Jährige an die Nadel – jeweils vor den Mahlzeiten und noch einmal vor dem Schlafengehen. Vorher misst sie den Zuckerspiegel und berechnet nach dem, was gerade auf dem Speiseplan steht, ihre Insulindosis.

„Mein Vater war praktischer Arzt“, erzählt Ursula Mummert, die als jüngstes Kind von vier Geschwistern auf die Welt kam. Als die Ärzte bei ihr Diabetes diagnostizierten, versuchten die Mediziner im Krankenhaus monatelang, den Glucosespiegel unter Kontrolle zu bekommen. Eine Therapie mit Insulin, viel Fett und Eiweiß, aber wenig Kohlehydraten brachte nicht den erhofften Erfolg. Es war ein Glück, dass ihre Eltern medizinische Kenntnisse besaßen und die Wirkungsweise von Insulin kannten.

Ab dem zehnten Lebensjahr durfte Ursula Mummert den Harnzuckerspiegel selbst bestimmen. Das dazu erforderliche Gerät befindet sich heute im Diabetes-Museum der Rehabilitations-Klinik Birkenwerker (Oberhavel). „Besonders kritisch, ja lebensbedrohlich wurde es, als nach dem Krieg die Insulinversorgung knapp wurde“, erzählt Ursula Mummert. Zuerst gab es noch einen kleinen Vorrat, den ihre Mutter angelegt hatte. Doch nach dem Krieg wurde Insulin zum Schwarzmarktartikel. „Es wurde geschachert und getauscht, um an das Medikament zu kommen“, sagt Mummert.

„Meine Mutter verkaufte damals antike Möbel, um für mich Insulin kaufen zu können“, erinnert sich die Rheinsbergerin. Nur so konnte vermutlich ihr Leben gerettet werden. Viele, die dieselbe Krankheit hatten, haben diese Zeit mangels Insulin und schlechter Ernährung nicht überlebt.

Das Spritzen ist für Ursula Mummert Alltag. Quelle: Jürgen Rammelt

Damals war an ein geregeltes Leben nicht zu denken. Die kostbaren Spritzen aus Glas und die Kanülen, die immer wieder durch Auskochen sterilisiert wurden, galt es, wie einen Augapfel zu hüten. Um die entsprechenden Werte zu erreichen, wurden mehrfach so genannte Hafertage eingelegt. „Mitunter hilft so eine Diät heute noch Diabetikern, wenn trotz bewusster Lebensweise der Blutzuckerspiegel zu hoch ist“, weiß Ursula Mummert. Sie kam 1949 das erste Mal zur Kontrolle und Schulung in ein Diabetesheim für Kinder. „Das war in Garz auf Rügen.“ Dort lernte sie ihre Krankheit verstehen und mit ihr umzugehen. Die Folge: Ursula Mummert absolvierte später in Rostock eine Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin und arbeitete auch in dem Beruf. Doch es sollte nicht die einzige Krankheit bleiben. Zusätzlich entdeckte man bei ihr eine Lungen-Tuberkulose, die sie jedoch mit ihrem unbedingten Lebenswillen besiegen konnte.

1960 heiratete Ursula Mummert ihren Günther, mit dem sie nun bereits die goldene Hochzeit feiern durfte. Mit ihm meisterte sie den nicht ganz einfachen Lebensalltag. 1996 wurde auch bei ihm Diabetes mellitus Typ 2, volkstümlich Altersdiabetes genannt, diagnostiziert. Seitdem helfen sie sich gegenseitig. Während seine Frau spritzen muss, bekommt Günter Mummert die Krankheit noch mit Tabletten und viel Bewegung in den Griff.

Zum Glück wurde bei der 1961 geborenen Tochter bis heute kein Diabetes festgestellt. Ursula Mummert weiß, dass die Krankheit vererbt werden kann – auch an die übernächste Generation. Aber da gibt es bisher Entwarnung. Die beiden erwachsenen Enkel sind bis jetzt jedenfalls von der Krankheit verschont geblieben.

Günther Mummert ging mit seiner Ursula immer durch dick und dünn: Der gelernte Schlosser und Schweißer arbeitete zuerst beim Aufbau des Rheinsberger Kernkraftwerkes mit und wohnte auch in der Stadt am Grienericksee. Später zog die Familie nach Schwedt an die Oder. Dort gehörte Ursula Mummert zu den Mitbegründern einer Selbsthilfegruppe des Deutschen Diabetikerbundes (DDB) und konnte vielen Diabetikern mit ihren Tipps helfen. Die wunderbare Landschaft zog Ursula Mummert und ihren Mann 1999 schließlich wieder nach Rheinsberg, wo sie regelmäßig am Diabetiker-Stammtisch teilnimmt, den es seit 1990 dort gibt.

Dass die Krankheit und die jahrzehntelange Behandlung Spuren hinterlässt, das weiß Ursula Mummert. Im September 2013 erlitt sie zudem einen Herzinfarkt, kurz danach versagten ihre Nieren den Dienst. Seitdem muss sie dreimal in der Woche zur Dialyse nach Neuruppin.

Trotzdem hat Ursula Mummert ihren Lebensmut nicht verloren. „Natürlich muss man darauf achten, wie man mit der Krankheit umgeht. Drauflos essen, das darf man als Diabetiker nicht.“ Sie hat ihre Krankheit im Griff und führt das auch auf ihre strenge Erziehung zurück. Sonst würde sie heute wohl nicht mehr leben.

Von Jürgen Rammelt

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