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Neuruppin Auf Heinrichs Wegen durch den Schlosspark
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Auf Heinrichs Wegen durch den Schlosspark
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12:16 04.11.2018
Ursula Wackrow führt auf Prinz Heinrichs Spuren durch den Rheinsberger Schlosspark Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

Vieles in Rheinsberg dreht sich um den großen Preußenkönig: „Alter Fritz“ und „Zum jungen Fritz“ heißen die Lokale, lokale Keramik-Manufakturen schmücken ihr Steingut mit Konterfeis des Kronprinzen, der in der Prinzenstadt seine vier besten Jahre verbracht hat, bevor er den Thron bestieg und nach Sanssouci wechselte. Bücher über Friedrich den Großen liegen in den Buchhandlungen.

Ursula Wackrow findet Prinz Heinrich viel spannender als dessen älteren Bruder Friedrich II. Deshalb dreht sich ihre Schlossparkführung auch vorwiegend um den kleinen Bruder des großen Preußenkönigs.

Und doch darf man eines nicht vergessen: Friedrich hat gerade mal vier Jahre im Schloss geweilt – sein Bruder, Prinz Heinrich, jedoch 50, nachdem Friedrich es ihm 1744 schenkte. Deshalb hat Natur- und Landschaftsführerin Ursula Wackrow sich bei ihren Schlossparkführungen auch auf Prinz Heinrich kapriziiert und wandelt in dessen Spuren durch das wunderbare Stück Gartenkunst. „Friedrich hat mich nicht so angemacht“, gibt sie unumwunden zu. „Aber Heinrich, der schon.“

Am Samstag fand wieder eine solche Tour statt – die 14. bereits in diesem Jahr. Dank der herbstlichen Farben ein großer Genuss – auch wenn just an diesem Tag die Touristen ausbleiben. „Ich beginne die Führungen immer am Kirchplatz“, erklärt Ursula Wackrow. Ganz einfach deshalb, weil auf dem kurzen Weg zum Schlosshof, der in Stille gegangen wird, die Besucher quasi eine Zeitreise unternehmen. „Wir wollen 1744 am Tor ankommen“, beschreibt es Wackrow. „Ich möchte, dass die Leute den Geist von Heinrich spüren“, sagt sie und meint das nicht esoterisch.

Ursula Wackrow hat es Prinz Heinrich angetan

Die erste Sichtachse ist der Blick durchs Tor in den Schlosshof, bei dem man hinter dem Grienericksee auch den Obelisken sieht. „Ich liebe diesen Blick – es ist der schönste“, sagt sie und schwärmt von den Bögen und der schönen großzügigen Schlossanlage. Ein Fischreiher schreitet über die Wiese, bevor Wackrow über die Neptunbrücke geht, die früher geheime Zufahrt zum Schloss war.

Es geht zu Heinrichs Grabmal – die oben gestutzte Pyramide, die Heinrich selbst entwarf und ein Jahr vor seinem Tode bauen ließ. Ein schönes Sinnbild, wie sie findet. „Hat nicht jedes Leben seine Brüche und ist schlussendlich unvollendet“, sinniert sie und zückt ein Fläschchen trockenen Rotwein aus ihrem Guide-Rucksack samt ein paar winzigen Gläschen. Damit stößt sie normalerweise mit ihren „Mitläufern“ an.

Sie hat sich mit dessen Leben im Schloss beschäftigt und eine Tour konzipiert

„Auf Heinrich sollte getrunken werden – er bekommt im Schatten seines Bruders immer viel zu wenig Würdigung“, konstatiert sie und schildert den Prinzen als introvertierten nachdenklichen Menschen, der gleichermaßen Perfektionist, viel belesen, einfühlsamer Unterhalter und geschickter Diplomat war. „Wie sein Bruder war er Freimaurer“, erklärt sie. Daher auch seine Vorliebe zur Ziffer 8, die gedreht das Zeichen für Unendlichkeit darstellt. Viele solcher Achten seien im Schlosspark mit seinen verschlungenen Wegen versteckt.

Wackrow packt den Wein wieder ein und erklärt, dass damals viel gefeiert wurde im Schloss und die Weine damals immer nachgesüßt worden seien. Der Toast auf Heinrich sei mehr als gerecht: Immerhin war es Heinrich, der den Garten so großzügig erweitern, zuerst das Hecken und später das Schlosstheater als Ort der schönen Künste bauen ließ.

Die Tourteilnehmer sollen ins Leben damals ein tauchen können

„Er wollte als Solitär wahrgenommen werden“, sagt Ursula Wackrow und zückt eine venezianische Maske, die sonst eine der Tourteilnehmerinnen bekommt und damit gemessenen Schritts und mit Hofknicks aus dem Heckentheater erscheinen soll. Das ist dann auch der nächste Stopp der Tour. Das Theater war Heinrich außerordentlich wichtig, erklärt Wackrow – er holte sich französische Schauspieler und hatte den Anspruch, dass die Rheinsberger Aufführungen besser seien, als die am Berliner Hoftheater.

Auch der Obelisk ist Teil der Tour: Er steht auf einem Hügel am See gegenüber vom Schloss. Heinrich ließ ihn Anfang der 1790er Jahre zu Ehren seines Bruders August Wilhelm von Preußen und im Andenken an etliche preußische Helden des Siebenjährigen Krieges errichten, die in seinen Augen von Friedrich dem Großen nicht genug Würdigung erfuhren: Der Obelisk ist damit auch eine Art Aufbegehren gegen seinen Bruder. „Er hatte allerdings auch nicht den Arsch in der Hose, den Obelisk zu Lebzeiten Friedrichs zu errichten“, erzählt Ursula Wackrow. Nun gut, das ist verständlich. Ein Volksdenkmal, wie Heinrich es wollte, wurde es nicht – der französischen Inschriften wegen, von Heinrich selbst verfasst.

Die Heinrich-Touren bietet sie seit 2018 an

Weiter geht die Tour: zwischen Sphinxen und uralten Bäumen, vorbei an nicht mehr existenten Oasen wie dem Ananashaus. Heinrich habe den Garten nicht nur zum Ergötzen sondern auch unter versorgungstechnischen Gesichtspunkten angelegt. Sie erzählt Anekdoten über den Berliner BMW, den das Navi auf eine Treppe im Schlosspark führte. Sie erzählt von den Präferenzen des Prinzen für gut aussehende Militärs. Am Ende hat Ursula Wackrow noch eine Überraschung für jeden Tourteilnehmer. Die nächste Tour ist am 1. Dezember um 10 Uhr; Anmeldung unter 0176/23358515 erbeten.

Von Regine Buddeke

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