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Neuruppin Von Ruppin nach Riga
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Von Ruppin nach Riga
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13:57 04.01.2013

Die Feier konnte jedoch erst 1939 stattfinden. Im Jahr zuvor hatte die Maul- und Klauenseuche den Landkreis fest im Griff. Große Menschenansammlungen waren deshalb nicht anzuraten.

Nun ist es bereits 775 Jahre her, dass Neuruppin – besser „rapin“ – das erst Mal genannt wurde. Einen Gründer oder eine Gründungsurkunde gibt es nicht, aber eine notariell beglaubigte Urkunde, die in „rapin“ ausgestellt wurde. So erfährt die Stadt das erste mal Erwähnung (siehe Info-Block).

Obendrein geht man in der modernen Forschung davon aus, dass in der Mehrzahl der Fälle innere und äußere Rahmenbedingungen sowie eine Abfolge von geplanten und spontanen Vorgängen Städte entstehen und sich entwickeln ließen. So schildert es auch Brigitte Meier in ihrem Buch „Neuruppin. Kulturgeschichte einer Mittelstadt“. Sie führt weiter aus, dass es im 13. Jahrhundert rund 450 bis 500 Städte mit 2000 bis 10 000 Einwohnern in Mitteleuropa gab, und sie nimmt die oben erwähnte Entwicklung für Neuruppin an. Da ist sie sich mit den anderen Historikern Gerd Heinrich und Johannes Schultze sowie dem Heimatforscher Ulrich Kriele einig: 1238 muss es ein „in den Anfängen voll ausgewachsenes Gemeinwesen“ (Heinrich) gegeben haben. Dafür sprechen mehrere Faktoren: Markgrafen lassen eine wichtige Urkunde hier ausfertigen, ab 1246 entsteht das erste Dominikanerkloster in Brandenburg, nämlich das in Neuruppin. Die Dominikaner siedelten sich stets in Städten an. Sie predigten nicht nur, sie sorgten auch für Bildung und waren zunächst auf die materielle Unterstützung der Bürger angewiesen.

Der Konvent richtete bereits 1260 bis 1270 ein Studium der Theologie, Philosophie und der Künste (artes) in Neuruppin ein. Die Stadt liegt an einem wichtigen Verkehrsweg, der von Havelberg über Rathenow und Wusterhausen an den Ruppiner See führte. Der Standort lud bereits Slawen, nach dem Wendenkreuzzug die ins Land kommenden Deutschen aus dem Harz, der Altmark, dem Niederrhein und der mittleren Elbe zum Siedeln ein.

Auch wenn Gebhard von Arnstein der Kommune noch weitere Unterstützung angedeihen lässt, so muss sie auch schon vorher so weit entwickelt gewesen sein, dass der Sohn noch im Todesjahr des Vaters 1256 Neuruppin das Stadtrecht verleihen kann.

Natürlich wollten wir, die Mitglieder des Historischen Vereins, nun wissen: Wo ist die Urkunde mit der Ersterwähnung und was steht drin? Der Regionalverleger Peter Pusch, ebenfalls Vereinsmitglied, machte sie in Greifswald ausfindig, wo sie von Stettin nach 1945 an das deutsche Archiv übergeben, in einem größeren Zusammenhang aufbewahrt wird. Der Historische Verein erhielt eine Kopie des Textes und bat den Lateinkurs 12 des Neuruppiner Schinkelgymnasiums, den Text zu übersetzen. Das erwies sich als unerwartet schwer, da es sich ja hier nicht um klassisches Latein handelte, sondern um Rechtslatein des Mittelalters. Doch die Schüler und ihre Lehrerin Vera Blaschke gingen mit größter Ernsthaftigkeit an diese Aufgabe. Aus der Übertragung geht hervor, dass die Markgrafen Johannes und Otto von Brandenburg dem Kloster Dünamünde bei Riga das Eigentumsrecht an 60 Hufen gewähren, die die Edlen von Plotho, sesshaft in Kyritz und Wusterhausen, als Lehen der Markgrafen besaßen und dem Wirtschaftshof Dünamünde (einer Niederlassung der Rigaer im Land Ruppin) schenkten.

Nun weiß man zwar, dass die alten Adelsgeschlechter derer von Arnstein oder der Gans Edlen von Putlitz am Wendenkreuzzug 1147 unter Albrecht dem Bären teilnahmen und danach unabhängige Herrschaften errichteten. Aber durch Heirat und Erbverträge besaßen sie wohl auch Lehen von den Markgrafen, wie eben die Gebrüder von Plotho. Das Zisterzienserkloster Dünamünde lag zwölf Kilometer nördlich von Riga und sollte die Liven christianisieren, die sich jedoch heftig wehrten und 1228 die Gebäude verwüsteten.

Die Zisterzienser besaßen auch in Mecklenburg solche Wirtschaftshöfe wie bei Ruppin und verkauften später ihre Abtei an den litauischen Zweig des Deutschritterordens, der dort eine Komturei errichtete. Heute ist das Areal der Rigaer Stadtteil Daugagriva (Daugava = Düna).

Zurück zur Urkunde, von der manche annehmen, sie sei auf der Burg Alt Ruppin ausgefertigt worden. Johannes Schultze verweist bereits darauf, dass dieser Ort ungeeignet und zu klein gewesen sei. Es hätte in der Stadt sein können. Außerdem befand sich der Hausherr noch in Italien, wo er im Auftrag des Kaisers Friedrich II. die deutschen Angelegenheiten zu regeln hatte. In der Festschrift von 2006 zitiert Gerd Heinrich einen päpstlichen Diplomaten, der meinte, Deutschland würde von Gebhard von Arnstein und seinem Bruder Albrecht regiert. Auch wenn das eine Übertreibung sein mag: Bis zu seinem Tode genoss der Graf auch nach seiner Rückkehr ins Ruppiner Land hohes Ansehen, und einträglich waren seine militärischen, diplomatischen und Verwaltungsdienste sicher auch.

Das kam Neuruppin in seiner ersten Blüte im 13. Jahrhundert zugute, was in der Urkunde nicht sichtbar wird. Auch fehlt der Name von Arnstein unter den genannten Zeugen. Gebhard kehrte erst 1239 zurück und begann 1240 mit dem Bau der sogenannten Planenburg in Alt Ruppin. Das Städtchen kann sich ebenso wie Neuruppin zu Recht auf die Ersterwähnung berufen. Deshalb findet der Vortrag des Historischen Vereins der Grafschaft Ruppin zur Ersterwähnung am 20. Februar 2013 in Alt Ruppin statt und der der Kulturbundgruppe Ruppiner Geschichte am 28. Februar 2013 in Neuruppin.

Quellen: Johannes Schultze, „Geschichte der Stadt Neuruppin“ (1932), Brigitte Meier, „Fontanestadt Neuruppin – Kulturgeschichte einer märkischen Mittelstadt“ (2004), Ulrich Kriele, „Alt Ruppin – Aus der Vergangenheit unserer Stadt“, Gerd Heinrich „Weißer Adler auf rotem Grund“ (2006).

Das Wappen, das ehemalige Wappen des Kreises Ruppin, zeigt den Arnsteiner Adler. Der Arnsteiner Adler ist immer weiß auf rotem Grund. (Von Uta Land)

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