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00:17 18.11.2016
Neuruppiner Schüler stellen das Schauspieleraufgebot. Quelle: Jan Philipp Stoffers
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Neuruppin

Heulende Sirenen, nahe Explosionen, überall Zerstörung und Tod. Deutschland, ganz Europa liegen in Trümmern und sind von einer fremden Macht besetzt. Wasser und Nahrung werden immer knapper, die medizinische Versorgung und der Staatsapparat sind zusammengebrochen. Der Winter naht und die Geheimpolizei der Besatzer lässt Oppositionelle in ihren dunklen Kellern verschwinden. Wer überleben will, dem bleibt nur die gefahrvolle Flucht über das Mittelmeer in eine vage Zukunft.

Der Zuschauer schlüpft in die Rolle des Kriegsflüchtlings

Dies ist das düstere Szenario der Inszenierung „Was, wenn hier Krieg wäre?“ der Berliner Regisseurin Tina Amon Amonsen. Neun Schüler des Oberstufenzentrums, des Schinkelgymnasiums und der Evangelischen Schule Neuruppin nahmen am Sonnabend im Vorderhaus des Kulturhauses Stadtgarten ihre Zuschauer ein letztes Mal mit auf die Flucht von Deutschland nach Ägypten.

Am Anfang stehen das Für und Wider. Sollen, müssen wir flüchten? Gibt es keine Alternative, als alles hinter sich zu lassen, das Zuhause, Familie und Freunde zu verlassen? Will man mich in dem fremden Land überhaupt haben? Und werde ich jemals nach Hause zurückkehren können?

Ein Appell an die Wohlstandsgesellschaft

Die Geschichten der Menschen, die zu tausenden nach Deutschland kommen, um dem Krieg in Syrien zu entfliehen, glauben wir zu kennen, wurde doch hundertfach darüber berichtet. Not und Angst spürbar machend, nimmt die Inszenierung den Zuschauer aus Sicht einer deutschen Familie, die Krieg und Vertreibung nicht kennt, mit auf die Flucht. Was folgt, sind Ablehnung, Sprachbarrieren, Arbeitslosigkeit und die Angst vor Abschiebung aus der neuen Heimat.

„Wir haben das Stück vor mehreren Neuruppiner Schulen aufgeführt. Tatsächlich hat das so manchem Zuschauer die Augen geöffnet“, sagt Tina Amon Amonsen. Inspiriert wurde die Regisseurin von dem Gedankenspiel „Krieg – stell dir vor, er wäre hier“ der dänischen Schriftstellerin Janne Teller. Es ist ein Ruf nach mehr Menschlichkeit und Nächstenliebe, nach Moral und Ethik, gerichtet an unsere in Sicherheit lebende Wohlstandsgesellschaft. Leute hätten bewusst ihre Einladung zu dem Stück abgelehnt, sagt Amonsen. Sie weiß, dass sie nicht alle Menschen, die sie erreichen möchte, erreichen kann. „Aber ich finde es wichtig, meine Stimme zu erheben“, so Amonsen. „Die Bühne ist dafür ideal.“ Aktuell arbeitet die Regisseurin mit der Jugendkunstschule an einem neuen Stück.

Von Jan Philipp Stoffers

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