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Neuruppin Ein Wichmann-Denkmal für Neuruppin
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13:30 16.04.2019
In seiner Werkstatt setzt Matthias Zágon Hohl-Stein seine Wichmann-Statue derzeit zusammen. Endgültig verschweißt werden die Teile dann in einer Metallbauwerkstatt. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Nun steht Pater Wichmann also doch bald vor der Neuruppiner Klosterkirche. Der Künstler Matthias Zágon Hohl-Stein aus Karwe arbeitet gerade an einer gut zwei Meter hohen Statue aus Edelstahl, die zum Mai- und Hafenfest am ersten Mai-Wochenende enthüllt werden soll.

Das Kunstwerk soll an Wichmann von Arnstein erinnern, den Gründer und ersten Abt des Dominikanerklosters, von dem heute nur noch die Klosterkirche erhalten ist. Wichmann von Arnstein war schon zu Lebzeiten eine sagenumwobene Gestalt. Er gilt heute als einer der größten Mystiker seiner Zeit und eine der wichtigsten Figuren in der Ruppiner Geschichte.

Geboren wurde er um 1185 im heutigen Sachsen. Wichmann verbrachte seine Jugendjahre im Prämonstratenserstift in Magdeburg, wo er später Propst wurde. 1220 wurde er zum Bischof von Brandenburg gewählt, vom Papst in diesem Amt jedoch nie bestätigt. Fünf Jahre später verlieh ihm der Papst zwar die Bischofswürde, wies ihm jedoch keinen Bischofssitz zu.

Wichmann gründet das Neuruppiner Kloster

1233 trat Wichmann zum Dominikanerorden über, der erst einige Jahre zuvor gegründet worden war.

Zusammen mit seinem Bruder Gebhard gründet er 1246 im heutigen Neuruppin das erste Dominikanerkloster diesseits der Elbe. Wichmann war bis zu seinem Tod 1270 Abt des neu gegründeten Klosters am Ruppiner See. Der Legende nach liegt er in einem gläsernen Sarg unter der Wichmannlinde begraben.

Schon lange wollte Matthias Zágon Hohl-Stein dem Pater ein Denkmal setzen. 2013 hatten der Neuruppiner Verschönerungsverein und der Lions Club die Idee aufgegriffen und einen Anlauf gewagt, eine Wichmannstatue aus der Werkstatt des Karwer Künstlers vor der Klosterkirche aufstellen zu lassen.

Einmal wurde das Kunstwerk schon abgelehnt

Das Vorhaben war damals heftig umstritten und viel diskutiert. Schließlich scheiterte es, weil die Denkmalbehörde ihre Zustimmung versagte. Seit 2016 ist in einer Mauernische in der Klosterkirche ein frühes Modell des Wichmann-Denkmals zu sehen.

Die Pater-Wichmann-Figur in der Werkstatt des Künstlers Matthias Zágon Hohl-Stein im Neuruppiner Ortsteil Karwe. Quelle: Peter Geisler

Jetzt wird die Idee doch noch Realität. Der Unternehmer Dennis Wisbar macht es möglich: Er hat auf einem Grundstück vor der Klosterkirche im vergangenen Jahr eine kleine Wohnanlage bauen lassen. Auf deren Gelände soll das Kunstwerk künftig stehen.

Pater Wichmann steht auf privatem Grund und Boden

Seit mehreren Wochen arbeitet Zágon Hohl-Stein in seiner Werkstatt schon an dem endgültigen Wichmann. „Er wird am Ende etwa drei Meter hoch werden“, schätzt der Künstler. Gemeint ist damit die „Laube“, eine Art Überdachung, unter der der eigentliche Wichmann stehen soll. Das Bild des Paters misst selbst etwa 2,30 Meter.

Matthias Zágon Hohl-Stein mit dem Buch „Parzival am See“ vor der gleichnamigen Skulptur. Sie wurde am 2. Mai 1998 am Neuruppiner Bollwerk enthüllt, finanziert von mehreren Unternehmern. Das Kunstwerk ist bis heute bei den Neuruppinern umstritten. Quelle: Peter Geisler/Archiv

Matthias Zágon Hohl-Stein arbeitet mit Edelstahl. Seine Skulptur setzt er aus Dutzenden kleinen Platten, Streifen und Dreiecken zusammen, die er Stück für Stück in seiner Karwer Werkstatt mit dem Schweißgerät aneinanderheftet.

„Das ist nötig, damit die Werkstatt weiß, welches Teil wohin gehört“, sagt er. Denn endgültig zusammengefügt werden die Teile in einer Metallbauwerkstatt in Buskow.

Sein letztes öffentliches Kunstwerk in Neuruppin

Dennis Wisbar finanziert das gesamte Kunstwerk inklusive seiner Aufstellung und Zágon Hohl-Stein ist dankbar dafür. Dass sein Pater Wichmann nun nicht dort stehen wird, wo er ihn ursprünglich gern gesehen hätte, stört den Künstler überhaupt nicht. Der jetzt geplante Standort ist sogar noch besser vor Vandalismus geschützt.

„Das wird das letzte Kunstwerk von mir sein, das im öffentlichen Raum in Neuruppin steht“, sagt Matthias Zágon Hohl-Stein und spielt damit auf Kritik an, die 2013 in der Diskussion um das Denkmal immer wieder aufkam.

Enthüllung 21 Jahre nach dem umstrittenen Parzival

Matthias Zágon Hohl-Stein hat in Neuruppin etliche Spuren hinterlassen. Von ihm stammt etwa der riesige Parzival am See. Rund um das Resort Mark Brandenburg stehen gleich mehrere Arbeiten von ihm, auch auf dem Gelände der Ruppiner Kliniken und auf dem Gelände der Stadtwerke an der Heinrich-Rau-Straße und vor der Kulturkirche. Zurzeit arbeitet er an einem Werk für Karwe – einer Begegnung des Herrn von dem Knesebeck mit Fontane.

Auch sein größtes Werk, der Parzival, ist bis heute umstritten. Manche Neuruppiner können mit ihm nach wie vor wenig anfangen, andere finden das Kunstwerk am Bollwerk perfekt. Dass sein Pater Wichmann fast auf den Tag genau 21 Jahre nach dem Parzival enthüllt wird, ist für Zágon Hohl-Stein mehr als ein Zufall. An welchem Tag genau die Hüllen fallen, steht jedoch noch nicht fest.

Von Reyk Grunow

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