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Neuruppin Wünsche aus aller Welt
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Wünsche aus aller Welt
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00:17 23.05.2016
Abdullah Alyosef zieht den letzten Pinselstrich. Eine Schallplatte in Graffiti-Art (r.). Quelle: Jan Philipp Stoffers
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Neuruppin

Der Humor sei es gewesen, der Annett Glöckner bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen aus den Lentzker und Treskower Übergangswohnheimen lebhaft in Erinnerung blieb. „Bei all dem Leid, das diese Menschen durchgemacht haben, hat mich das am meisten beeindruckt“, sagte die Künstlerin am Freitag während der Projektpräsentation „Denkorte – Geschichtsbilder, Menschenbilder, Zukunftsbilder“ am alten Neuruppiner Bahnhof.

Gegensätze: Wünsche aus Neuruppin und aller Welt

Über mehrere Monate hinweg fragte die in Barenthin lebende Künstlerin Neuruppiner Bürger und Flüchtlinge aus Albanien, Eritrea, Syrien und Afghanistan nach ihren Wünschen. Nun hat sie deren Aussagen in Deutsch und Arabisch auf vier Wänden und einer Litfaßsäule rund um den alten Neuruppiner Bahnhof verewigt. Den letzten Pinselstrich an der Wand machte der Syrer Abdullah Alyosef – ein Studium ist es, das sich der 22-jährige Kriegsflüchtling am meisten wünscht.

Daneben stehen Hoffnungen wie „Ich möchte gern frei sein“ oder dass der Krieg in Syrien endlich vorbei sein soll und die Rückkehr in die Heimat wieder möglich ist. Die Wünsche der Neuruppiner klingen dagegen beinahe banal – dass endlich Weihnachten ist oder jemand eine Ausbildung beginnen möchte.

Das Projekt „Denkorte“ unterteilt sich in mehrere Stationen rund um den alten Bahnhof. Zwei große Holzschnitte behandeln das Thema Euthanasie während der Nazi-Diktatur. Diese entstanden aus der Zusammenarbeit des Künstlers Matthias Zágon Hohl-Stein und 16 Schülern der Neuruppiner Akademie für Gesundheits- und Sozialberufe.

Street-Art-Kunst und Geschichte prallen aufeinander

Vor dem Bahnhof hängen an einem Holzgerüst in Graffiti-Art gestaltete Schallplatten. Das Projekt „Menschenbilder – Zukunftsbilder“ der Künstlerin Laura Polke wurde von Jugendlichen umgesetzt, die kaum Zugang zu Kunst und Kultur haben.

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde von Schülern des Evangelischen Gymnasiums Neuruppin ein Erinnerungsort für das einstige tatarische Kriegsgefangenenlager am Wustrauer Rhin installiert – an der Umsetzung des Projektes „Jüdisches Leben in Neuruppin“ arbeiten die Schüler derzeit noch. Interviews mit Zeitzeugen, Tagebucheinträge auf einer Holztafel und eine in Modellform nachgebaute Wohnstube sollen in Kürze Einblicke in das Leben jüdischer Familien gewähren und zum Nachdenken anregen. „Geschichte auszublenden ist heute wieder angesagt, ob bei der AfD oder dem Islamischen Staat“, sagte Pfarrerin Christiane Schulz.

Von Jan Philipp Stoffers

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