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Neuruppin Top 10: Lost Places in der Region und was mit ihnen passiert
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppin Top 10: Lost Places in der Region und was mit ihnen passiert
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01:15 14.03.2019
Im Dornröschenschlaf oder für immer verloren? Gut Gentzrode bei Neuruppin. Quelle: Peter Geisler
Neuruppin

Für Zugereiste und Touristen sind es oft „zauberhafte Ruinen mit morbidem Charme“, „versunkene Schätze“ oder „Relikte aus der Vergangenheit, die es zu bewahren gälte.“ Die Nachbarn sprechen meist prosaischer vom „Schandfleck“ im Dort, der nun endlich mal abgerissen gehört.

Jede Stadt und fast jedes Dorf in unserer Region hat so einen mehr oder weniger malerischen und idyllischen „Schandfleck“ – und der Bürgermeister kann da in der Regel gar nichts dran machen, weil sich die verfallenden Gebäude in der Regel in Privatbesitz befinden.

Und solange von den Gebäuden keine Gefahr ausgeht, darf ein Eigentümer sein Gebäude auch verfallen lassen – es sei denn, es handelt sich um ein Einzeldenkmal wie zum Beispiel die Rheinsberger Obermühle. Die ließ der Landkreis Ostprignitz-Ruppin schon einmal notdürftig sichern und stellte das dann dem Eigentümer in Rechnung.

Eine solche sogenannte Ersatzvornahme besiegelte indes das Schicksal der alten Brennerei in Segeletz: Weil von der malerischen Ruine direkt an der B 5 Steine auf Straße und Gehweg fielen, ließ der Kreis den Backsteinbau im November 2018 abreißen und stellte dem Eigentümer danach Abrisskosten von knapp 100 000 Euro in Rechnung. Der Besitzer selbst hatte die Ruine vor Jahren für knapp 500 Euro im Internet ersteigert.

Marode Industrie- und Landwirtschaftsdenkmäler in Brandenburg sind also nicht unbedingt ein gutes Geschäft – auch wenn wirklich rare Schmuckstücke darunter sind wie das Gut Gentzrode, dessen Verfall vielen alten Neuruppinern immer wieder Tränen in die Augen treibt.

Die MAZ stellt ohne Anspruch auf Vollständigkeit zehn traurige Beispiele aus den Kreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin vor.

Gut Gentzrode; Keine Idee stoppte bislang den Verfall

Die Ruine des Stalls auf Gut Gentzrode.l Quelle: Christian Schmettow

Einst war das einmalige Gut Gentzrode nördlich von Neuruppin ein beeindruckendes Kleinod. Doch nach Jahrzehnten des Verfalls ist von der prächtigen Gutsanlage im maurischen Stil immer weniger zu erkennen.

Die reiche Neuruppiner Kaufmannsfamilie Gentz ließ die Gutsanlage mit Park und Ackerflächen im 19. Jahrhundert am Rande eines Waldes errichten. Später hatte das Gut verschiedene Besitzer bis es schließlich in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts an die Wehrmacht fiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog dort die sowjetische Armee ein. Gentzrode soll zu DDR-Zeiten ein Stützpunkt des Geheimdienstes KGB gewesen sein.

Der eigentliche Verfall der Anlage begann erst, nachdem die russischen Truppen Mitte der 90er Jahre abgezogen waren. Lange hatte das Land Brandenburg nach Interessenten gesucht. Verschiedene Investoren haben schließlich versucht, aus dem Gut etwas zu machen: eine Jagdschule, eine Ferienanlage, ein Hotel ... Bis zum Bau kam es jedoch nie.

Vor allem die fehlende Erschließung des abgelegenen Grundstücks ist ein Problem. Selbst Strom- und Wasseranschlüsse fehlen - von einem Bebauungsplan weit draußen im Wald ganz zu schweigen. Stattdessen erobert die Natur die Gebäude mit ihrem reichen, orientalisch anmutenden Schmuck immer mehr zurück.

Zuletzt hatten 2017 Investoren mit Verbindung in die Türkei ein Konzept vorgestellt, Gentzrode zu einem riesigen Golfresort der Extraklasse zu entwickeln. Seitdem war öffentlich davon aber nichts mehr zu hören. Kontakt zu den Investoren hat die Stadtverwaltung aber noch, bestätigt der Baudezernent Arne Krohn.

 

Die Kaiserlichen Kasernen in Perleberg

Kaiserliche Kasernen in Perleberg Quelle: Marcus J. Pfeiffer

Bei den Kaiserlichen Kasernen handelt es sich um sieben Backsteingebäude im Norden von Perleberg aus dem Jahr 1903. Der Großteil steht in der Kurmärker Straße, eines in der Rudolf-Breitscheidt-Straße (ehemals Artilleriestraße) und ein weiteres in der Karl-Liebknecht-Straße (ehemals General-von-Haeseler-Straße).

Bis 1945 dienten sie der Reichswehr und der Wehrmacht. Noch im selben Jahr übernahm die Rote Armee das Gelände und nutzte es bis Anfang der 1990er-Jahre. Nach deren Abzug zeigten sich bauliche Veränderungen und große Schäden an den Gebäuden. Seitdem stehen sie leer und verfallen.

Das einstige Stabsgebäude und einige Nebengebäude wurden nach der Wende bereits abgerissen. Der Garagenkomplex südlich der Kurmärker Straße dient heute einem Gerüstbauer als Betriebsgelände.

In einer weiteren ehemalige Kaserne in der heutigen Karl-Liebknecht-Straße befinden sich das Ordnungsamt und das Stadtarchiv von Perleberg.

 

Die ehemalige Motormühle in Segeletz

Die Reste der Motormühle in Segeletz. Quelle: Alexander Beckmann

Was am äußersten Dorfrand von Segeletz unmittelbar an der Bundesstraße 5 aussieht wie ein verfallendes, einfaches Gehöft, war einst eine stattliche Motormühle. Zuletzt wohnten zu DDR-Zeiten darin noch Leute. „Dann konnten wir zusehen, wie es verfiel. Die Besitzerin sieht dieses Elend ja nicht. Es ist schade drum“, sagte unlängst Astrid Hohmann, die Ortsvorsteherin von Segeletz.

Reparabel ist das Objekt nicht mehr. Aber vielleicht haben neue Besitzer andere Ideen für das Grundstück. Diese 8000 Quadratmeter hatte eine Dame aus dem Ruhrgebiet, deren lange schon verstorbener Mann es einst erwarb, schließlich erst vorigen Herbst über das Internet zum Verkauf angeboten.

Militärtuche und Möbel aus Wittstock – und demnächst eine Schule

Das ehemalige Wittstocker Möbelkombinat wird zum Schulstandort. Quelle: Christamaria Ruch

1905 entstand in der Walkstraße in Wittstock ein neuer Standort für die Tuchmacherproduktion. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges liefen in der Wegnerschen Tuchfabrik die Maschinen für Militärtuche. Nach 1945 zog das Möbelkombinat dort ein.

Anfang der 1990er Jahre gingen dann die Lichter dort aus. Seit 2017 bekennt sich die Stadt Wittstock zu diesem denkmalgeschützten Areal: Langfristig soll dort ein neuer Schulkomplex mit Grund- und Oberschule entstehen.

Ehemalige Panzerkaserne zwischen Neuruppin und Alt Ruppin

Hauptgebäude ehemalige Panzerkaserne Neuruppin soll Amt für Materialsicherheit werden Quelle: Peter Geisler

Es gab schon einige Pläne für die alte Panzerkaserne, die sich zwischen Neuruppin und Alt Ruppin direkt an der Bundesstraße 167 befindet: eine Außenstelle des Bundesinstitutes für Risikobewertung sollte dort einziehen – zuvor war die Kaserne als möglicher Standort für eine Fachhochschule und vor drei, vier Jahre als Flüchtlingsunterkunft im Gespräch.

Aus all diesen Ideen ist nichts geworden. Das 1936 für ein Panzerregiment errichtete Gemäuer, das der Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG) gehört, ist lediglich notdürftig gesichert und bröckelt seit Jahren vor sich hin.

Zumindest einige Nachbargebäude wurden seit den 90er Jahren Zeit saniert – sie sind Standort des Oberstufenzentrums (OSZ) in Neuruppin.

Stärkefabrik und Traktorenstation in Dannenwalde

Schon seit dem Jahr 1873 verlor die Dannenwalder Stärkefabrik an Bedeutung.  Quelle: André Reichel

Im Herzen des Prignitzdorfes befindet sich die imposante Ruine eines Backsteinbaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der damalige Gutsbesitzer hatte das Gebäude als Stärkefabrik bauen lassen. Aus vielen Dörfern der Umgebung brachten Bauern damals ihre Kartoffeln zur Verarbeitung nach Dannenwalde.

Mit der Eröffnung der Kyritzer Stärkefabrik im Jahr 1873 verlor die Dannenwalder Fabrik nach und nach an Bedeutung. Um 1900 stellte man schließlich die Produktion ein. Der damalige Besitzer wurde sogar Mitaktionär der neuen Fabrik in Kyritz.

Danach wurde das Gebäude unter anderen als Lagerhalle genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, im Februar 1949, wurde daraus eine Maschinenausleihstation (MAS), 1952 eine Maschinen- und Traktoren-Station (MTS), bei der sich Bauern ebenfalls Maschinen und Traktoren ausleihen konnten. Im Jahr 1964 entstand daraus schließlich ein Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL), der bis 1990 bestand.

Von nun an gab es keine Verwendung mehr für den Gebäudekomplex, und er wurde dem Verfall Preis gegeben, denn Denkmalschutz besteht für den imposanten Backsteinbau nicht.

Das lange Bangen um die Rheinsberger Obermühle direkt am Schloss

Notdürftig gesichert: die Obermühle Rheinsberg am Rheinsberger Schloss. Quelle: Peter Geisler

Schon im 16. Jahrhundert gab es vor dem Ruppiner Tor in Rheinsberg eine Mühle. Nach dem Brand dieses Gehöfts ließ der damalige Mühlenmeister dort um 1850 neue Gebäude errichten, die in erweiterter Form noch heute zu sehen sind.

Die Rheinsberger Obermühle, direkt am Rheinsberger Rhin und in der Mühlenstraße 26 gelegen, gehört zu den ältesten Mühlenstandorten des Ruppiner Landes, und sie war lange für die Wirtschaft der Region wichtig. Nachdem der Wasserantrieb in den 1960er Jahren stillgelegt wurde, existierte der Mühlenbetrieb weiter, bis auch dieser Ende des 20 Jahrhunderts eingestellt wurde.

Seitdem verfällt das historisch wichtige Ensemble in seiner exponierten Lage am Rande des Schlossparks und an einem der Haupteinfallstore der Stadt immer mehr. Lange Zeit suchte die Kommune vergeblich nach einem Käufer für das Einzeldenkmal.

Doch auch als dieser gefunden wurde, besserte sich die Lage nicht wesentlich: Seit Jahren versuchen Rheinsberg und auch die Denkmalschutzbehörde des Landkreises den Eigentümer mit Zuckerbrot und Peitsche zu einer umfangreichen Sanierung zu bewegen. Zuletzt ließ dieser im vergangenen Jahr die Außenmauern und das Dach der Obermühle sichern.

Doch das reicht nicht: Zwischenzeitlich sind Fensterstürze und Traufenteile herabgefallen. Der Kreis geht jetzt allerdings davon aus, dass der Besitzer der Immobilie noch in der ersten Jahreshälfte einen Bauantrag stellen will, der nun eine vollständige Sanierung der Obermühle vorsieht.

Die Musik spielt nicht mehr in der Lenzener Pianofabrik

Die Ruine der Lenzener Piano-Fabrik. Quelle: Kerstin Beck

Ab Mitte der 1930er Jahre wurden in Lenzen in der ehemaligen Werner’schen Maschinenwerkstatt in der Karstädter Straße 6 Pianos der Marke „Wagner“ und ab 1959 Klaviere und Flügel der Marke „Perzina“ hergestellt. 1972 wurde Firmengründer Friedrich Geil enteignet und der Betrieb dem VEB Deutsche Pianoforte-Union Leipzig zugeordnet. Bis zu 40 Mitarbeiter produzierten jährlich bis zu 430 Klaviere, die in 60 Länder exportiert wurden.

Nach der Wende übernahm der Enkelsohn des Gründers, Klaus Geil, den Betrieb. Nach dessen plötzlichen Tod 1990 führte der ehemalige Produktionsleiter Manfred Hulke die GmbH weiter, in die sich jedoch Mitte der 1990er Jahre der niederländische Musikaliengroßhändler Roland Bol einkaufte. Dieser verlagerte die Produktion ins Ausland; die Lenzener Pianofabrik wurde im Dezember 1996 endgültig geschlossen.

Das Interesse eines Herstellers für Klaviertechnik, Helmut Meyne aus Vechelde bei Braunschweig, die Lenzener Firma weiter zu betreiben, scheiterte am Preis, den die holländischen Eigentümer forderten.

Seither verfällt die einstmals stolze Fabrik: Das Dach ist löchrig, die Mauern sind marode, Fenster stehen offen, das Gelände ist verwahrlost.

Wittstocker Plattenbau für OTB und Parteileitung verfällt

Das ehemalige Verwaltungsgebäude des OTB in Wittstock. Quelle: Christamaria Ruch

Wer die drei Buchstaben OTB hört, erinnert sich sofort an die Textilproduktion in Wittstock. Der VEB Obertrikotagenbetrieb (OTB) „Ernst LückWittstock gehörte einst zu den größten Textilbetrieben zwischen Ostsee und Erzgebirge.

1976 entstand das Verwaltungsgebäude in Plattenbauweise an der Rheinsberger Straße. Dort hatten verschiedene Direktoren bis hin zur Parteileitung und Staatssicherheit ihren Sitz.

1992 folgte die Gesamtvollstreckung des OTB. Ein Hamburger Unternehmen ist Eigentümer des gesamten Komplexes. Wie der Standort weiter entwickelt wird, ist unbekannt.

Schicke Wohnungen in den 90er Jahren begonnen und nie fertig gebaut

Ewige Bauruine an der Mesche in Neuruppin Quelle: Reyk Grunow

Die Ruine an der Mesche in Neuruppin gehört zu den jüngsten Bauten der Stadtgeschichte – oder besser Fast-Bauten. Denn fertig geworden ist das ambitionierte Wohnungsprojekt nie.

Mitte der 90er Jahre hatte ein Investor begonnen, am nördlichen Stadtrand ein Wohngebiet zu entwickeln. Doch noch bevor die Grundmauern hochgezogen waren, wurde das Projekt abgebrochen. Bis heute stehen die halb fertigen Mauern zwischen neuen Gewerbegebetrieben herum, nach außen abgeschottet durch einen einfachen Bretterzaun.

Zurzeit ist weder zu erwarten, dass weitergebaut wird, noch, dass die Ruine endlich abgerissen werden kann. Ein Neuruppiner Immobilienbüro hat nach jahrzehntelangem Stillstand vor einige Monaten einen neuen Anlauf gewagt, das Projekt doch noch voranzubringen.

Doch die ursprüngliche Baugenehmigung für das Vorhaben ist schon vor vielen Jahren abgelaufen, und die Stadt Neuruppin hat mit dem Areal längst andere Pläne als noch Mitte der 90er Jahre. Schließlich hat sich rundherum seitdem viel verändert. Auch der neue Anlauf für eine Weiterentwicklung droht deshalb zu scheitern.

Von MAZ-online

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