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Zum Schutz der Gesundheit – ein Gesetz mit Folgen

Neuruppin Zum Schutz der Gesundheit – ein Gesetz mit Folgen

Vor zehn Jahren trat das Nichtraucherschutzgesetz in Kraft. Seit einem Jahrzehnt darf nur noch in bestimmten Lokalen geraucht werden. Die MAZ hat sich in einer Raucher-und einer Nichtraucherkneipe umgehört, wie das Gesetz angekommen ist.

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Bewunderung für ein ungleiches Paar

Gebraucht werden die Aschenbecher in vielen Kneipen in Brandenburg nicht mehr. Das Nichtraucherschutzgesetz soll die Gesundheit der Menschen schützen.

Quelle: dpa

Neuruppin. An den Straßenrändern wurde der Schnee zusammengeschoben und am Tage klettern die Temperaturen nicht über null Grad hinauf Der Winter beherrscht das Ruppiner Land. Trotz dieser eisigen Kälte sitzen zum Feierabend zwei Gäste vor dem Neuruppiner Weinhaus. Vor einem kleinen Tischkamin genießen sie einen Schluck Wein und rauchen eine Zigarette, denn das Weinhaus ist ein Nichtraucher-Lokal.

Seit zehn Jahren müssen Raucher zum Qualmen vor die Tür oder in ein ausgewiesenes Raucherlokal gehen. 2007 wurde zum Schutz der Nichtraucher und um die sogenannte Tabakrahmenkonvention einzuhalten, das Nichtraucherschutzgesetz verabschiedet. Die Konvention sieht vor, heutige und künftige Generationen vor verheerenden gesundheitlichen Folgen durch Tabakkonsum, aktiv oder passiv, zu schützen.

Positive Bilanz

„Ich finde das gut“, sagt Ralf Mantler, der von der Bar im Weinhaus herüberschaut und ein Feierabendbier trinkt. Er arbeitet selbst in der Gastronomie und ist Raucher. „Die Gemütlichkeit bricht nicht ab, wenn jemand aufsteht und rauchen geht“, findet er. Ebenso sieht es sein Nachbar Andreas Hein. Der Barmann vom Weinhaus sagt, dass „die Leute das Gesetz akzeptiert haben“ und ist der Ansicht, dass es auch in der nächsten Generation keine Probleme geben wird. „Die wachsen ja damit auf“, so Hein und nippt an seinem Weißwein.

Der gleichen Meinung ist die Inhaberin der Weinhandlung, Yvonne Krause. Dank des Gesetzes hat sie ihren Job behalten. „Als das Gesetz kam war ich schwanger gewesen“, erzählt sie. „Und im Weinhaus wurde viel geraucht. Das hätte ich für mein Kind nicht gewollt“, so Krause. Bis vor zehn Jahren war das Weinhaus ein Raucher-Bistro. Da Krause die Speisen nicht von der Karte streichen wollte, sah sie nur eine Möglichkeit: ihr Lokal rauchfrei zu machen.

Gesetz mit Ausnahmen

In Brandenburger Kneipen darf nur geraucht werden, wenn keine zubereiteten Speisen gereicht werden. Eine von zwei Ausnahmen. Geraucht werden darf außerdem in Lokalen mit separat abgetrennten Räumen oder wenn das Lokal kleiner als 75 Quadratmeter misst und Personen unter 18 Jahren der Zutritt verwehrt wird.

So wie in der Cocktailbar Luna Lounge, eine ausgewiesene Raucherbar. Schon beim Eintreten fallen die Schilder mit einer grünumrandeten Zigarette und dem Hinweis auf die Altersbeschränkung ins Auge. Die Tür geht nur schwerlich auf. Ein borstiger Kamm am Boden verhindert das elegante Aufschwingen, hält aber auch den Geruch von kaltem Rauch im Inneren ab. „Ja“, sagt Barkeeper Chris Matzke, seiner Ansicht nach kommen mehr Gäste. „Einige auch nur, damit sie beim Cocktail eine rauchen können. Es ist auch entspannter, nicht nach draußen gehen zu müssen“. Er versteht seine Gäste – raucht selbst. Dann beim Verlassen des Lokals riecht man aber unweigerlich an den Haaren.

Ein Luxus, auf den Nichtraucherin Dominika Marcinkowski nicht verzichten möchte. Es ist ein klarer Vorteil, „wenn die Haare und die Klamotten nicht nach Rauch stinken“, so Marcinkowski. Sie findet es „unglaublich, wie man sich daran gewöhnt hat, dass in Kneipen nicht mehr geraucht wird“. In ihren Augen reißt es darüber hinaus ein lustiges Kneipengespräch auch schon mal auseinander, wenn Freunde zum Quarzen vor die Tür gehen, erzählt sie. Kristina (26) und Christoph (25) am Nebentisch sehen durch das Gesetz ihre und die Gesundheit der anderen geschützt.

Im Weinhaus haben sich einige Stammgäste anfänglich ein wenig gesträubt, als das Gesetz in Kraft trat, erzählt Inhaberin Krause. Und ein paar konnten sich damit nicht arrangieren – blieben fern. „Aber irgendwann kamen sie dann wieder. Und die Hartnäckigen sitzen dann draußen!“

Extras für Raucher

Für ihre rauchende Kundschaft lässt Yvonne Krause ihre Tische und Stühle vor der Weinhandlung das ganze Jahr stehen. Des Weiteren hat sie kleine Heizer angeschafft, die für ein wenig Wärme am Tisch sorgen. Sie habe mal darüber nachgedacht, einen kleinen Teil des Lokals abzutrennen, warf den Gedanken aber schnell wieder über Bord.

Heute kann sie es sich anders, eben mit Zigarettenqualm, nicht mehr vorstellen, erzählt Krause. Das einzige Manko ist das Gedränge, das sich am Eingang zwischen den Rauchern und den kommenden oder gehenden Gästen bildet. Doch Yvonne Krause sieht das gelassen „Da entstehen ja auch immer mal nette Gespräche“.

Das Gesetz hat sich etabliert. Jeder sucht sich die passende Lokalität. Auch für den Dehoga, den Hotel-und Gaststättenverband, ist das Nichtraucherschutzgesetz überhaupt kein Thema, wie Projektleiterin Stefanie Huth sagt. „Es ist in Kraft getreten, es wurde positiv aufgenommen und läuft seitdem so weiter“, so Huth. Zwar gab es zu Beginn Sorgen, dass Gäste womöglich wegbrechen können, das habe sich aber nicht bestätigt, so Huth weiter.

„Die Luft ist viel angenehmer“, beschreibt Yvonne Krause eine Folge des Gesetzes. Die andere ist, das ihre Gäste zum Rauchen in die Kälte müssen, wie der junge Mann, der mit hochgezogenem Pullover auf dem Treppenabsatz des Weinhauses steht.

Von Lisa Neumann

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