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Zum ersten Mal Urlaub für schwerkranken Angelo

Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) Zum ersten Mal Urlaub für schwerkranken Angelo

Familien mit schwerstkranken und behinderten Kindern können oft nicht am normalen Leben teilhaben. Nur durch die außerordentliche Unterstützung der Johanniter ist jetzt für sechs Familien aus Brandenburg ein Traum in Erfüllung gegangen: Urlaub im Vier-Sterne-Hotel.

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Angelo (8) ist blind und verbringt das erste Mal in seinem Leben mit Mama und Papa Urlaub im Vier-Sterne-Hotel. Am Mittwoch bekam er Besuch von einem Hundewelpen.

Quelle: Peter Geisler

Rheinsberg. Angelo hat in seinem ganzen Leben noch nie Urlaub in einem Hotel gemacht. Er ist acht Jahre alt und beinahe vollständig blind. Außerdem leidet er seit seiner Geburt an einer chronischen Lungenkrankheit und braucht viel Fürsorge. Für ihn und andere Kinder mit Behinderungen gibt es kaum Möglichkeiten, in den Urlaub zu fahren. Nur sehr wenige Hotels sind komplett barrierefrei für blinde Menschen eingerichtet und dazu noch bezahlbar. Der Kinderhospizdienst „Nora“ aus Eisenhüttenstadt, der Angelo und weitere behinderte Kinder betreut, hat sich deshalb etwas einfallen lassen.

Angelo sowie elf weiteren teilweise schwer behinderten Kindern und ihren Familien aus Brandenburg haben der Kinderhospizdienst und die Johanniter-Unfall-Hilfe ein wundervolles Geschenk bereitet: eine Woche Urlaub im Vier-Sterne-Hotel „Haus Rheinsberg“ mit kompletter Betreuung für die Kleinen. Angelo kann mit seiner Betreuerin frei durch das Hotel laufen und sich ordentlich austoben. Die Schuhputzmaschine im Flur vor den Zimmern hat ihn am meisten begeistert, er zeigt jedem, der vorbeikommt, wie sie funktioniert.

Der kleine Angelo ist besonders begeistert von der Schuhputz-Maschine im Hotelflur

Der kleine Angelo ist besonders begeistert von der Schuhputz-Maschine im Hotelflur.

Quelle: Peter Geisler

Für die Eltern von Angelo ist die Urlaubswoche in Rheinsberg ein wahrgewordener Traum. Im Alltag müssen sie 24 Stunden für ihren Sohn da sein und haben seit Jahren kaum eine freie Minute gehabt. Endlich können sie sich auch mal zurücklehnen. „Ich konnte es eigentlich gar nicht glauben, als wir die Einladung bekommen haben. Wir sind wahnsinnig dankbar für diese Möglichkeit“, sagt Angelos Mutter Manuela. Jetzt genießt sie schon seit drei Tagen, was sie sich sonst nicht erlauben kann: einfach mal entspannen. Im Hotel ist für alles gesorgt. Viele ehrenamtliche Helfer von den Johannitern kümmern sich um ein abwechslungsreiches Tagesprogramm für die Kinder.

Heute besucht Hundezüchter Elmar Fust aus Frankendorf die Urlaubsgemeinschaft mit einigen seiner Huskies. Nach einem Spaziergang dürfen die Kinder drinnen noch mit den Hunden spielen. Angelo hat überhaupt keine Angst und kuschelt ausgiebig mit einem Welpen. Die Hunde bleiben ganz ruhig und lassen sich gerne streicheln. Auch die anderen Kinder gesellen sich dazu. Unter ihnen ist Martha, die mit ihrem Vater hier ist. Sie sitzt im Rollstuhl, weil sie seit ihrer Geburt von der Hüfte abwärts gelähmt ist. Martha liebt Hunde und unternimmt in ihrem Urlaub am liebsten Ausflüge. „Am besten gefallen mir hier die Wanderungen“, sagt sie. Der kleine Angelo hat keine Berührungsängste, er hat Martha bereits ins Herz geschlossen und spielt gerne mit ihr. Er fühlt sich sichtlich wohl im „Haus Rheinsberg“ und hat im Foyer auch bereits auf dem großen Flügel gespielt, wie er stolz erzählt.

Hundeführer Elmar Fust (l) erklärt Martha wie sie den Huskywelpen halten muss

Hundeführer Elmar Fust (l.) erklärt Martha wie sie den Huskywelpen halten muss.

Quelle: Peter Geisler

Für den nächsten Tag steht für die Kinder eine Bootstour auf dem Programm und für die Erwachsenen gibt es einen Elternabend, denn das Urlaubsprogramm ist nicht nur auf die Kinder beschränkt. Organisatorin Eileen Samol vom Kinderhospizdienst erklärt: „Die Eltern können dann Kontakt mit anderen Betroffenen aufnehmen und sich austauschen. Hier finden sie Menschen, die ihre Situation verstehen können und die ihnen Mut machen.“ Mit der Urlaubsaktion möchte Samol den betroffenen Familien zeigen, dass sie nicht den Mut verlieren sollen, dass es Hoffnung auf schöne Tage geben kann. Im „Haus Rheinsberg“ gibt es sogar ein Schwimmbad mit Rollstuhlzugang, das Hotel gilt wegen seiner Ausstattung als eines der besten Gasthäuser für Menschen mit Behinderungen. Doch Einrichtungen wie diese sind selten. Für drei Familien aus dem Hospizdienst war der Urlaub in Rheinsberg nicht möglich, weil ihre Kinder nur liegend transportiert werden können. Der Aufwand wäre zu groß gewesen und die Kinder hätten die Zeit nicht genießen können. Dennoch gibt Samol nicht auf. Sie möchte auch in Zukunft Familien mit schwerkranken Kindern Urlaub ermöglichen.

Der Kinderhospizdienst wird von der Fürst-Donnersmarck-Stiftung unterstützt, die sich für Menschen mit Behinderung einsetzt. Gemeinsam mit der Sparkasse Oder-Spree und Spenden von den Johannitern konnte das Projekt überhaupt erst realisiert werden. „Wir sind sehr dankbar, dass alles so gut klappt. Die Familien geben uns so viel wieder zurück, wenn wir sehen, wie sehr sie sich freuen, und wenn die Kinder gemeinsam mit ihren Eltern lachen und Spaß in ihrem Urlaub haben“, sagt Samol. Damit in Zukunft weiterhin Aktionen wie der Familienurlaub für die Hospizkinder möglich sind, brauchen die Johanniter viele Spenden. Das große Ziel: mehr Akzeptanz und weniger Barrieren für Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft.

Spendenkonto: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Bank für Kirche und Diakonie, Verwendungszweck: Kinderhospizdienst Nora

IBAN: DE72 3506 0190 1084 6330 18, BIC: GENODED1DKD

Von Jonas Nayda

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