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Neuruppiner Krankenhaus leistet sich neue Technik

Zu jedem Krebspatienten entsteht ein Modell am Computer Neuruppiner Krankenhaus leistet sich neue Technik

Die Strahlenklinik des Neuruppiner Krankenhauses hat zwei Millionen Euro in neue Technik investiert. Krebspatienten mit Tumoren im Gehirn oder der Lunge können künftig auch vor Ort bestrahlt werden. Zu jedem Patienten entsteht zur Sicherheit vorab ein eigenes Modell am Computer. Doch trotz tonnenschwerer Technik können llängst nicht alle Patienten gerettet werden.

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Neuruppin. Ab Juli muss Chefarzt André Buchali (50) wohl keine Patienten mehr nach Güstrow, Frankfurt (Oder) oder Berlin schicken, damit kleine Tumore im Hirn oder der Lunge bestrahlt werden können. Denn die Strahlenklinik des Neuruppiner Krankenhauses hat sich einen neuen, mehr als zwei Millionen Euro teuren Linearbeschleuniger geleistet, der dann in Betrieb gehen soll. Das Gerät ersetzt nicht allein das alte, das seit 2001 im Einsatz war und bereits ausgebaut wurde. Die neue, etwa acht Tonnen schwere Technik kann auch einiges mehr: Buchali und sein Team können nun zwischen Photonen- und elektrischen Strahlen wählen, um das kranke Gewebe zu zerstören und zudem auch kleine Tumore in Hirn und Lunge bestrahlen.

„Welche Strahlung man nimmt, hängt davon ab, wie man am besten den Tumor treffen kann, ohne dabei gesundes Gewebe zu zerstören“, sagt der Chefarzt. Am problematischsten ist es, wenn sich der Tumor im Kopf oder in der Nähe des Rückenmarkes des Patienten ausgebreitet hat. Denn in Rückenmark und Kopf befindet sich das Nervengewebe. Das soll besonders geschont werden. Schließlich soll der Patient nach der Behandlung noch sehen und seine Beine bewegen können. Deshalb ist es wichtig, dass das kranke Gewebe im Körper mit der genau richtigen Dosis bestrahlt wird und beim Zerstören der kranken Zellen möglichst wenig andere beschädigt werden. Das ist eine Herausforderung. Denn meist wächst der Krebs in gesundes Gewebe ein, sagt Buchali. Vor dem Bestrahlen erstellen die Ärzte deshalb von jedem Patienten mit dessen Daten eine Art Phantom am Computer. Dieses Phantom wird stets als erstes bestrahlt, um zu sehen, ob die Dosis zu gering oder zu stark ist. Zudem einigen sich der Strahlen- und der Chemotherapeut mit den operativen Ärzten bei einer sogenannten Tumorkonferenz stets auf ein Behandlungskonzept für den jeweiligen Patienten. Damit sollen Fehler vermieden werden.

Täglich 120 Patienten

  • In der Neuruppiner Strahlenklinik werden im Schnitt täglich 120 Patienten behandelt. Bei 80 Prozent der Fälle geht das ambulant – die Patienten können danach wieder nach Hause.
  • 20 Betten hat die Strahlenklinik in Neuruppin. Sie arbeitet mit der in Brandenburg an der Havel zusammen. „Wir helfen uns, wenn Kollegen ausfallen“, sagt André Buchali. Er kam im Jahr 2000 von der Charité nach Neuruppin und baute die Strahlenklinik in der Fontanestadt auf.
  • Lange Wartezeiten gibt es in der Klinik nicht. Termine werden meist binnen einer Woche vergeben.

Zum Sicherheitskonzept gehört ebenfalls, dass das Zerstören der Zellen per Kamera überwacht wird. Denn wegen der radioaktiven Strahlen befindet sich der Patient bei der eigentlichen Behandlung allein in dem Zimmer. Deshalb machen die Ärzte meist ein Zeichen aus, das der Patienten geben soll, wenn es ihm schlecht geht. „Wenn er die Hand hebt, unterbrechen wir die Behandlung sofort“, sagt Buchali. Der Patient kann aber auch rufen oder einfach laut sagen, dass ein Hustenanfall bevorsteht. Denn ein Mikrofon befindet sich ebenfalls im Behandlungszimmer. Gerade ein Hustenanfall kann aber jede noch so gute Vorbereitung zunichte machen. Denn mit jeder Bewegung verschiebt sich der Standort der kranken Zellen, die zerstört werden sollen. Gleichwohl liegt die Unterbrecherquote in Neuruppin laut Chefarzt Buchali bei unter einem Prozent.

Trotz der vielen Technik können längst nicht alle Patienten geheilt werden. „Nach groben Schätzungen werden etwa zwei Drittel mit der Hoffnung in die Strahlenklinik geschickt, dass die kranken Zellen erfolgreich bekämpft werden können“, sagt Buchali. Das werde jedoch im Schnitt lediglich bei der Hälfte der Fälle geschafft. Bei rund einem Drittel der Patienten, die in die Strahlenklinik kommen, ist hingegen bereits klar, dass die Ärzte sie nicht mehr retten können. In diesen Fällen geht es allein darum, mit Hilfe der Strahlen die Schmerzen zu lindern.

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