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Ostprignitz-Ruppin Neuruppiner Kunst aus Dachbodenfund
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppiner Kunst aus Dachbodenfund
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00:32 01.10.2015
Jens Kanitz und seine bunte künstlerische Welt Der Neuruppiner, der zahlreiche Skulpturen geschaffen hat, zeigt jetzt, was er aus einem alten Herbarium gemacht hat. Quelle: fotos (8): Peter Geisler
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Neuruppin

Es war eine wahre Schatzkiste, die Jens Kanitz unter dem morschen Dach des alten Hauses entdeckte. Beim Durchstöbern des Bodens fand er das verstaubte , schon etwas in Mitleidenschaft gezogene Herbarium eines Biologen. Auf etwa 100 Blättern hatte der Unbekannte sorgsam heimische Pflanzen gepresst, aufgeklebt und gewissenhaft mit einer Feder beschriftet. „Ich fand es sehr berührend, wie sauber und schön die Buchstaben geschrieben waren“, sagt der Künstler. „Oft waren sie noch zusätzlich verziert.“ Ein Fund ganz nach dem Geschmack des Künstlers.

Altersschwach sind die Geräte, die die Stadt Neuruppin einst auf dem Neuruppiner Skaterpark installierte. Ob sie erneuert werden können, ist fraglich. Quelle: Peter Geisler

1969 in Neuruppin geboren, wuchs Jens Kanitz in Rheinsberg auf. Mit seinem Großvater, einem Förster, streifte er durch die Wälder und beobachtete die Natur. Später teilte Jens Kanitz das Interesse für Flora und Fauna mit anderen in einer Schülergemeinschaft in St. Jürgen. Nach seiner Schulzeit begann er eine forstwirtschaftliche Lehre an der Waldarbeitsschule Kunsterspring. Wieder war es der Wald, der sein Leben bestimmte.

1998 kam der Neuruppiner Künstler nach Netzeband, dort bot man ihm Arbeitsräume in einem leer stehenden Gebäude gegenüber den Märkischen Höfen an. Der junge Kunsttherapeut hatte gerade sein Studium an der Hochschule im niedersächsischen Ottersberg abgeschlossen. Mit der Idee eines Langzeit-Performance-Projekts kehrte er in die Heimat zurück. Der Gutspark in Netzeband wurde der Platz für den zwei Jahre währenden Prozess der „Transfloration“. Wieder war es das Holz, waren es Bäume, die es Jens Kanitz angetan hatten. Aus ihnen schafft er mit Hilfe des Feuers seine Skulpturen.

Die im alten Haus gefundenen Herbariumsblätter bewahrte er an einem sicheren, trockenen Ort auf. Ein Jahr lang recherchierte er emsig, um herauszufinden, wer der unbekannte Herr Dittmann sein könnte, der seinen Namen immer so sorgsam auf jedem Blatt unter den lateinischen Pflanzennamen geschrieben hat. Waldhabichtskraut, Schneebeeren, schwarzer Nachtschatten, Silberweide und Mädesüß – es sind heimische Pflanzen, die der Biologe sorgsam trocknet und auf das braune Papier bannt. Sie stammen von Wiesen und Wegrändern der Region – Molchow, Storbeck, Neuruppin, Kränzlin, Kunsterspring und Binenwalde sind als Fundorte verzeichnet.

Wann genau die Sammlung entstand und wer der Naturforscher war, konnte Jens Kanitz aber nicht herausfinden. Eines der Blätter war auf den 6. Mai 1897 datiert. Manche der Papiere sind bereits sehr in Mitleidenschaft gezogen, etliche Blüten und Blätter haben sich aufgelöst. Jens Kanitz rettet jedoch viele der getrockneten Exemplare in die Kunst hinüber.

So werden die Blätter in der Galerie gezeigt. Quelle: Peter Geisler

Die ersten collageartigen Kunstwerke zeigte er bereits 1999 in Gelsenkirchen bei einer seiner Skulpturenausstellungen. Mit Bleistift und Kohle entstehen auf den braunen Blättern behutsame Zeichnungen. Es sind Gedanken, Sehnsüchte und Geschichten, die den Künstler inspirieren. Vergänglichkeit, Liebe und Hoffnung sind die Themen, die sich wie ein Spinnennetz über die Blätter ausbreiten und schmerzlich erkennen lassen, dass nicht nur die Pflanzen vergänglich sind. Im Laufe der Jahre wird Kanitz mutiger, er wagt sich mit Farben, Ölen, Bienenwachs an die kostbaren Blätter heran.

Die Ehrfurcht vor der bewahrten Schöpfung bleibt. Er möchte die Pflanzenreste konservieren und für seine Kunst wiederbeleben. Die Blüten erhalten ihre Farben zurück und werden wieder von Libellen und Schmetterlingen heimgesucht. Menschliche und feenartige Gestalten teilen mit ihnen den Lebensraum und erzählen Geschichten. Das Leben des Künstlers wird Bestandteil dieser Welt. Bisher geschaffene Kunstwerke wie seine Skulptur Axis Mundi, die vor zehn Jahren am Neuruppiner Amtsgericht aufgestellt wurde, tauchen wie Schattenbilder wieder auf. Fotografien erscheinen als Transferdrucke.

Der Künstler will das Projekt fortsetzen

So entstehen 13 Blätter, die gegenwärtig als „Ruppin-Saga Teil 1“ in der Galerie Raumglück zu sehen sind. Es wird weitere Ausstellungen geben. „Der künstlerische Prozess war sehr aufwendig“, sagt Jens Kanitz. „Aber ich freu mich schon jetzt aufs Weiterarbeiten.“ Kunstfreunde dürfen sich auf weitere Blätter aus dem Herbariumschatz freuen. Denn eins ist sicher: Jens Kanitz wird seinen Weg konsequent weiterverfolgen. Und das ist etwas, was auch die Galeristin Romy Rohling an ihm schätzt. „Ich habe die Blätter vorher nicht gesehen, aber ich wusste, dass es gut und spannend wird, denn er hat einen hohen Kunstanspruch“, sagt sie über Jens Kanitz. „In seiner Kunst spiegelt sich die konsequente Weiterentwicklung seiner Themen wider, die Arbeit mit Holz, Farbe und Papier.“

Hinweis: Die Ausstellung ist bis zum 30. Oktober in der Galerie Raumglück, Präsidentenstraße 8 zu sehen. Geöffnet ist die Galerie montags bis freitags von 11 bis 18 Uhr. Am Donnerstag, 1. Oktober, zur Aktion „Herbstzauber in Neuruppin“ ist der Künstler von 16 bis 22 Uhr in der Galerie anwesend und freut sich auf interessierte Besucher.

Von Cornelia Felsch

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