Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° Sprühregen

Navigation:
Neuruppiner Schüler auf dem Jakobsweg

280 Kilometer in 14 Tagen Neuruppiner Schüler auf dem Jakobsweg

Ihren Alltag und ihre Sorgen ließen knapp zwei Dutzend Schüler der Evangelischen Schule Neuruppin zuhause, als sie sich Mitte September in den Flieger gen Spanien setzten. Die jungen Leute pilgerten von León nach Santiago de Compostela. Auf ihrem Weg lernten sie viel über andere Menschen – und über sich selbst.

Voriger Artikel
Autos an Kreuzung zusammengestoßen
Nächster Artikel
Landgericht will abgehörte Telefonate hören

Gruppenbild am Monte de Gozo (Freudenberg) – von dort aus lässt sich erstmals die Kathedrale von Santiago de Compostela sehen.

Quelle: Privat

Neuruppin. Gut gelaunt und braun gebrannt sind 22 Schülerinnen und Schüler der Evangelischen Schule Neuruppin (Evi) Anfang der Woche aus Spanien zurückgekehrt. Hinter ihnen liegen zwei Wochen des Pilgerns. 280 Kilometer haben die Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zwölf zu Fuß zwischen León und Santiago de Compostela zurückgelegt. Für die MAZ haben sie sich in der großen Pause noch einmal versammelt, um von den Erlebnissen zu berichten.

Zur Begrüßung gibt es ein lautes „Buenos días!“ sowie zahlreiche Umarmungen. „Ich habe viel über die Leute und über mich gelernt“, sagt Daniel de Vries aus dem elften Jahrgang. „Es ist schwer, den Leuten, die nicht dabei waren, zu erklären, was genau passiert ist oder was es mit einem gemacht hat. Wir haben so viele Leute getroffen und so viele Eindrücke gesammelt. Es war eine unbeschwerte Zeit, man hat sich einfach keine Sorgen gemacht.“

Jeden Tag sei das Ziel klar gewesen. Nach einem typisch spanischen Frühstück – Weißbrot mit Marmelade, dazu Kuchen und Kaffee oder Kakao – zur Stärkung machte sich die Truppe auf den Weg. Zwischen 19 und 33 Kilometer legte sie pro Tag zurück. Voran ging es immer zu Fuß, das Hab und Gut auf dem eigenen Rücken. „Man musste nichts tun, als einfach weiterzumachen. Der Jakobsweg wurde zum Freund von einem“, schwärmt Noomi Thormann aus der 9c. „Es war wie ein unendlicher Sommer.“

Begleitet wurden die Schüler von den Lehrern Markus Schütte und Stefan Panzer. Schütte ist zugleich Pfarrer der Schule und sorgte für den geistigen Beistand. Um die Unterkünfte hatte sich der Spanischlehrer Harald Schrage im Vorfeld gekümmert, dem die Schüler für seinen Einsatz dankten. Zum Abendessen gab es auf der Tour in den Herbergen meist ein Pilger-Menü für 10 Euro, bestehend aus Nudeln mit Tomatensoße, Fleisch mit frittierten Kartoffeln und zum Nachtisch noch einmal Kuchen.

Damit unterschieden sich Unterbringung und Verpflegung von den vorangegangenen Touren (siehe Infokasten), mit denen die Schüler sich auf die finale Etappe in Spanien vorbereitet hatten. Auf den Wanderungen in Deutschland hatten sie meist in Gemeinde­häusern geschlafen und sich selbst verpflegt. Dass dieses Mal nur an zwei Tagen zusammen gekocht wurde, hat sich jedoch nicht als Schwächung der Gemeinschaft erwiesen, darin sind sich die jungen Pilger einig. Abends wurde gemeinsam viel gespielt, Kartenspiele und das Rollenspiel „Die Werwölfe von Düsterwald“ wurden zum Dauerbrenner.

Tagsüber bildeten die vielen Kirchen entlang des Weges Orientierungsmarken. Eigentlich wollte die Gruppe jedes der Gotteshäuser besichtigen, doch zur Enttäuschung der Schüler waren die meisten von ihnen geschlossen. So stimmten die Neuruppiner Pilger kurzerhand vor den Eingängen gemeinsam eine Reihe von Liedern an – und waren bei anderen Reisenden schnell bekannt wie ein bunter Hund. Die Reisegruppe vom Evi wurde ihrerseits zu einer Attraktion auf dem mit Attraktionen gespickten Jakobsweg. Über ihre täglichen Etappen führten die Schüler im Wechsel online Tagebuch, sodass die Daheimgebliebenen der Tour virtuell folgen konnten.

Während besonders der Gottesdienst zum Abschluss der Fahrt in der Kathedrale von Santiago de Compostela, bei dem ein riesiges Weihrauchfass geschwenkt wurde, einen bleibenden Eindruck hinterließ, hatten die Schüler wenig Verständnis für all jene Touristen, die ihr Gepäck oder gleich sich selbst per Taxi von Ort zu Ort fahren ließen, um am Ende die Urkunde für den letzten, 100 Kilometer langen Abschnitt zu erhalten. Statt Trinkwasserbrunnen seien dort denn auch häufiger Cola-Automaten zu finden gewesen. Die Urkunde war für die meisten Evi-Schüler eher nebensächlich, viel wichtiger waren die gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen. „Der echte Zusammenhalt hat sich gerade in kritischen Situationen gezeigt“, so Markus Schütte.

Von Mischa Karth

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg