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Neuruppiner Schüler bei der Kammeroper

Blick hinter die Kulissen von „La Traviata“ Neuruppiner Schüler bei der Kammeroper

Oper mal anders: 20 Schüler des Neuruppiner Schinkelgymnasiums blickten hinter die Kulissen der Kammeroper Schloss Rheinsberg. Sie wohnten der Ensemble-Probe für die Verdi-Oper „La Traviata“ bei, plauderten mit den Opernstars von morgen – und waren völlig überrascht, wie viel Arbeit hinter jeder Szene steckt.

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Da passen fast 1000 Zuschauer hin? Die Neuruppiner Gymnasiasten besichtigen das Heckentheater im Rheinsberger Schlosspark.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Sex, drugs und Rock’n Roll – so könnte man die Szene grob umreißen. Nur die Musik klingt so ganz anders als die, die normalerweise aus den Ohrstöpseln der 20 Zehntklässler kommt. Gebannt schauen sie von ihren Rangplätzen zur Bühne, wo die ebenfalls jungen Akteure, in kurzen Hosen und Sommerkleidchen – später werden es Frack und schillernde Roben sein – gerade eine Swinger-Party feiern. Da steht einer mit verbundenen Augen, Frauen reiben sich an ihm, man prostet sich zu, lacht, verführt. Und singt – Verdis Oper „La Traviata“. Immer wieder unterbricht Regisseur Frank Matthus die allererste Ensemble-Probe, richtet hier einen Sänger neu aus, zeigt da, wie man die Geste noch plastischer machen kann. Für den Leistungskurs Musik des Neuruppiner Schinkelgymnasiums eine spannende Erfahrung. So also wird Oper gemacht.

„Wir waren schon gemeinsam in der Komischen Oper Berlin“, erzählt die Musiklehrerin Ulrike Schubach. „Aber Oper vor der Haustür – die Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen“, sagt die Chorleiterin über den Projekttag in der Rheinsberger Kammeroper, den einer der Hauptsponsoren der Kammeroper, die Gazprom Germania, möglich gemacht hat. Ein paar ihrer Schüler singen in einer der Kammeroper-Aufführungen ohnehin als Chor mit – insofern lag die Kooperation auf der Hand. „Normalerweise braucht es für Oper Überredungskunst“, sagt sie über das Experiment, bei dem die Schüler hautnah am Entstehungsprozess teilhaben dürfen. Es sei Musik, die sie sonst nie hören würden. „Eine fertige Oper – das rauscht vorbei. Aber zu sehen, wie viel Arbeit in einer Szene steckt, da entwickelt sich ein ganz anderer Zugang.“

Nach der Probe ist ein großer Rundgang fällig: Im Kostümfundus ist drängeln angesagt, so klein ist der Raum. Da ist im Heckentheater mehr Platz: Die Schüler erkunden die Heckengänge, werfen ein Blick in den Orchestergraben. „Für ein komplettes Orchester ist er zu klein – die Bläser müssen meist in der Hecke stehen“, erklärt Ute Schindler, die in der Kammeroper für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und den Rundgang führt.

La Traviata – die vom Wege Abgekommene

Neugierig lauschen die Jugendlichen auch dem kurzen Exkurs des Ausstattungsleiters Karel Spanhak, der nicht nur die Entstehung der Kostüme und optische Tricks im Bühnenbild beschreibt, sondern auch kurz die gesehene Szene erläutert: „Ihr wisst bestimmt, was ein Freudenhaus ist“, fragt er – die Schüler lächeln. Natürlich wissen sie, dass es heute üblich ist, junge Mädchen unter dem Versprechen auf ein besseres Leben aus ihrem Land zu locken, um sie dann zur Zwangsprostitution zu verpflichten. Nicht anders erging es der Hauptfigur Violetta, der „La Traviata“. Was das denn heiße, fragt eine Schülerin später und erfährt: „Die vom Wege Abgekommene“.

Überhaupt haben die Schüler viele Fragen. Kann man im Heckentheater auf Stöckelschuhen singen? Klares Nein. Bekommen die jungen Sänger tatsächlich keine Gage? „Nur ein Taschengeld“, sagt Ute Schindler, die weiß, dass Rheinsberg für alle Sänger ein Karrieresprungbrett auf die Bühnen der Welt bedeutet. Nicht umsonst bewerben sich alljährlich zwischen 300 und 400 Sänger um die gerade mal 40 Rollen. „Klappt die Gruppendynamik?“, fragt ein Schüler – immerhin kommen die Sänger aus aller Herren Länder. „Zumeist schon“, so Ute Schindler. Die Darsteller seien allesamt zu jung, um schon Diven-Allüren zu entwickeln. „Die wollen hier alle ihren Spaß haben – es ist schließlich ein Festival.“ Kaum einer singe für eine ganz bestimmte Rolle vor, die meisten wollen einfach nur dabei sein. „Läuft der deutsche Text mit?“, fragt ein Mädchen angesichts der Tatsache, dass die Oper auf Italienisch gesungen wird. „Nein. Aber die Handlung steht im Programm. Und die Musik sagt schon das meiste aus – man muss nicht jedes Wort verstehen“, tröstet Ute Schindler.

In der Kantine gibt es Schnitzel. Mitten zwischen den Sängern sitzen die Neuruppiner Gymnasiasten und unterhalten sich angeregt. Der mexikanische Bariton Alejandro Lárraga-Schleske plaudert angeregt mit Angie, Janine und Emily, später stößt noch der amerikanische Tenor J. Warren Mitchell dazu, der sich schnell als ausgesprochener Charmeur erweist. Reihenweise machen die Mädchen Selfie-Fotos mit ihm. „Der ist ja cool“, wispert eine. Die russischen Sänger am Nachbartisch haben auch Fragen: „Seid ihr ein Musikgymnasium?“ Nein, hört er und erfährt von Elisa, dass Neuruppin eine reizende Stadt ist. „Warum fahren wir da nicht mal hin?“, fragt er seine Kollegen. Die erklären Elisa gerade, dass ihr Gegenüber Alexander Babik in Moskau bereits ein großer Star ist. Ohne Scheu, auf Augenhöhe, sprechen die Schinkelschüler mit den angehenden Stars am Opernhimmel.

„Ich finde es schön, in den Probenalltag reinzuschauen. Das ist schon etwas besonderes, zu sehen, was hinter der Musik steckt“, beschreibt es Oliver Miesner, der sich für die Musik durchaus erwärmen kann. Auch Nele Peters ist begeistert. „Ich finde es schön zu sehen, dass die Spaß haben bei den Proben.“ Das macht ihr Mut, denn bald schon beginnen auch für sie die Proben in Rheinsberg, wo sie bei der Oper „Adriana“ mitwirkt. „Ein bissel Schiss habe ich aber“, bekennt sie. „Da werden ja hohe Erwartungen an uns gestellt.“

Die Premiere der „La Traviata“ im Heckentheater des Rheinsberger Schlossparks ist am 14. August. Weitere Aufführungen der Kammeroper finden am 15., 16., 18., 19., 21. und 22. August statt.

Von Regine Buddeke

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