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Neuruppiner Schüler erinnern

Gedenken an Pogromnacht Neuruppiner Schüler erinnern

Auf dem Neuruppiner Schulplatz haben am Montag drei Jungs antisemitische Parolen skandiert, ein Bücherregal umgeworfen, Geschirr zerbrochen. Die erschütternde Szene war kein Vandalismus, sondern sollte an die Reichspogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 erinnern, in der auch Neuruppiner Juden viel Leid angetan wurde.

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Schulpfarrer und Schüler singen mit den Anwesenden.

Quelle: Foto: Nico Nobilis

Neuruppin. „Es war nebelig und ungemütlich. Der frühe Morgen des 10. November 1938 versprach einen trüben Tag“, zitiert Rebekka Schulze einen Augenzeugenbericht. Damit beginnt am Montag die Andacht der Zehnt- und Elftklässler des Evangelischen Gymnasiums zur Reichspogromnacht.

Plötzlich treten drei Jungs auf. Sie skandieren antisemitische Parolen, werfen ein Bücherregal um, Geschirr geht zu Bruch. Sie veranschaulichen die systematische Judenverfolgung, die in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 auch in Neuruppin ihren gewaltsamen Anfang nahm. Die Möbel von Emilie Drucker wurden aus ihrer Wohnung in der heutigen Karl-Marx-Straße auf den Bürgersteig geworfen und angezündet. Niemand griff ein.

Nach der Reichs­pogromnacht verschlimmerte sich das Leid der Neuruppiner Juden. Wo heute die Bilderbogenpassage steht, befand sich früher das Kaufhaus Anker. Die Eigentümerin Emma Anker musste es unter der Nazi-Herrschaft für einen Schleuderpreis verkaufen. Sie wurde im Frühjahr 1942 ins Zwangsarbeitslager Trawniki deportiert; man hörte nie wieder etwas von ihr. Ein Jahr später wurde ihre Tochter Edith Frank ins Konzentrationslager Auschwitz verschleppt und gilt ebenfalls als verschollen. Daran erinnern die Stolpersteine am Schulplatz. Dort fand auch die Andacht statt.

Mit einer Schweigeminute gedachten die Schüler am Montag der insgesamt zwölf bekannten Todesopfer des Holocausts aus Neuruppin. Für jedes zündeten sie eine Kerze an. Zum Abschluss sang Schulpfarrer und Religionslehrer Markus Schütte mit seinen Schülern und allen Anwesenden das israelische Volkslied „Hewenu schalom alejchem“ (Wir wünschen Frieden euch allen).

„Es ist bereits das dritte Mal, dass wir die Andacht durchführen“, erzählte Schütte. Die Gedenkveranstaltung sei eine wichtige Vorbereitung für die Fahrt nach Auschwitz, die er für Ende des Schuljahres für seine Zehntklässler organisiert.

Nina Zimmermann, eine der Rednerinnen, war motiviert mitzumachen: „Da steht etwas dahinter. In der Andacht geht es darum, sich zu erinnern und sich die schrecklichen Ereignisse bewusst zu machen.“ Die jüngere Generation sei schließlich dafür verantwortlich, dass sie sich nicht wiederholen.

Von Nico Nobilis

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