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Ostprignitz-Ruppin Neuruppiner Schüler zeigen Stück über Krieg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppiner Schüler zeigen Stück über Krieg
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00:17 15.06.2016
Krieg ist Leid. Die jungen Darsteller spielten überzeugend: Seraphina Rustemeyer, Johannes Karl Runge, Steffi Schieferdecker (v. l.). Quelle: Buddeke
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Neuruppin

Fahles Mondlicht erhellt die Bühne karg – das meiste bleibt im Dunkeln. Zur friedvollen Musik von Pergolesis „Stabat Mater“ überwinden Flüchtlinge mit Rucksäcken und Taschenlampen eine Mauer: einzeln, zu zweit, in Gruppen. Manche zögernd, den Blick furchtsam zurückwendend. Manche rennen, als wäre ihnen der Teufel auf den Fersen. Ein Pärchen hilft sich liebevoll, eine Mutter presst ihr Baby an die Brust. Zwei schleppen einen dritten mit sich, der nicht mehr laufen kann. Es sind viele. Es werden immer mehr. Die Szene scheint nie zu enden.

Pieta: nach einer Grafik von Käthe Kollwitz. Quelle: Buddeke

Das Theater der Jugendkunstschule hat sich in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal der Herausforderung gestellt, ein Stück über Krieg und Flüchtlinge herauszubringen. Knapp 100 Zuschauer sind am Freitagabend zur Premiere von „Aber doch nicht wir“ gekommen: eine szenische Collage aus vielen Versatzstücken. Szenen aus „Shoot/get treasure/Repeat“ des Briten Mark Ravenhill sind enthalten, Texte und nachgestellte Bilder der Künstlerin Käthe Kollwitz, deren Lebensthema der Krieg war. Gegenübergestellt sind nüchterne Erklärungsversuche der Politiker bei Bundespressekonferenzen, warum Deutschland in den Krieg gegen den I.S. eingestiegen sei.

Brennende Fragen, ausweichende Antworten: die Bundespressekonferenz. Quelle: Buddeke

Das ist keine leichte Kost – Regisseur Sebastian Eggers und Dramaturg Sebastian Maihs haben die Puzzleteilchen spannungsreich zusammengesetzt und Szenen geschaffen, die unter die Haut und nicht mehr aus dem Kopf gehen. Zu verdanken ist das insbesondere den sechs Darstellern: Cassandra Lenz, Seraphina Rustemeyer, Sicilia Shehata, Steffi Schieferdecker, Larissa Trippel und Johannes Karl Runge spielen die verschiedenen Rollen mit solcher Kraft und Emotionalität, dass man vergisst, in einem Amateurtheater zu sitzen. Wucht oder Zartheit, Zynismus oder Schmerz, Angst und Brutalität sind so präsent auf der Bühne, dass zuweilen der Atem stockt.

Patriotismus als Kriegsgrund? Wer hetzt Jugend gegen Jugend auf? Quelle: Buddeke

Etwa in der Szene, in der die nette Liz sich beschwert, dass ihre Nachbarin Ruth nachts immer so schreit – die Antwort folgt prompt, als die Folterknechte mit ihrem Werkzeugkasten kommen. Ruth soll in Syrien eine Terrorausbildung absolviert haben, sie soll Namen nennen, da ist Gewalt erlaubt. „Ich bin ein guter Mensch – habe Frau, Kinder und Hypothek“, sagt einer. „Wir tun nur unsere Arbeit. Wir sind nicht böse. Wir haben alle wen verloren“, sagt der andere und zerdrischt Ruth das Knie mit einem Hammer. Und man fragt sich, wer hier Täter und wer Opfer ist.

Die Folterszene war kaum zu ertragen: auch für die schauspieler. Quelle: Buddeke

Fragen werden den ganzen Abend gestellt: Was ist Krieg? Wessen Krieg will die Regierung unterstützen? Nüchtern und wie Maschinengewehre feuern die Politiker bei der Bundespressekonferenz ihre Erklärungsversuche ins Volk.

„Warum bombardiert ihr uns?“, fragt eine Gruppe Europäer. „Wir sind doch die Guten.“ „Stehen jeden Morgen auf, machen Smoothies, waschen den Benz, ernähren uns gesund, lesen Zeitung. Was ist an unserer Lebensweise falsch? Warum wird das Krankenhaus bombardiert, die Uni? Warum muss beim Smoothie-Machen die Welt in Flammen aufgehen? Im Gegenzug wird angedeutet, dass die Länder, aus denen die Flüchtlinge kommen, in Schutt und Asche liegen. „Ich schau aus dem Hotelfenster und denke: Waren das wir?“, sagt eine Touristin und hier wird spätestens der Bezug zum Titel des Stückes klar. Wer trägt die Schuld? „Aber doch nicht wir.“ Die Schuld des Einzelnen? Die der Gesellschaft, die sich reich scheffelt auf Kosten der anderen? Die Darsteller machen deutlich, wie komplex das Thema ist in seiner Quadratur des Kreises. „Das schlimmste ist, dass jeder Krieg mit einem neuen beantwortet wird“, wird Käthe Kollwitz zitiert. „Wie die Welt dann aussehen wird, das weiß der Teufel.“

Von Regine Buddeke

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