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Neuruppiner XY-Mann stellt sich als Opfer dar

Prozess wegen Kokain-Handels Neuruppiner XY-Mann stellt sich als Opfer dar

Ein einstiges Mitglied der Neuruppiner XY-Bande hat am Montag gestanden, erneut mit Kokain gehandelt zu haben. Frank G. sagt aber im Prozess, er habe den Kokain-Handel gar nicht initiiert, sondern sei von einem anderen Mann angestiftet worden.

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Markenzeichen der Bande: das XY im Autokennzeichen.
 

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin.  Frank G., einst einer der führenden Köpfe der Neuruppiner XY-Bande, hat am Montag gestanden, erneut mit Kokain gehandelt zu haben. Allerdings verriet der 48-Jährige nicht, woher er die 500 Gramm Rauschgift bekommen hat. Zudem bestritt Frank G., Initiator des Drogengeschäfts gewesen zu sein. Vielmehr sei er bei einer Geburtstagsfeier eines anderen ehemaligen Mitglieds der XY-Bande im Juni vergangenen Jahres von Tommy M. angesprochen worden. Dieser habe von ihm ursprünglich Gras, also Marihuana, haben wollen.

„Ich wollte mit so etwas nichts mehr zu tun haben“, sagte Frank G. am Montag vor Gericht. Gleichwohl traf er sich einige Monate später mit Tommy M. in Berlin, weil dieser drei Kilo Kokain kaufen wollte. „Ich wusste nicht, wie ich das beschaffen sollte“, sagte Frank G. Dennoch habe er in das Geschäft eingewilligt. Als Preis wurden 41 000 Euro je Kilogramm vereinbart. Tommy habe gesagt, dass er eine dreijährige Tochter habe und dass er alles für sie tun würde. Was er nicht sagte: Er kooperierte von Anfang an mit der Polizei.

Das Kokain soll direkt aus Südamerika gekommen sein

Deshalb kam es am 12. März bei der Übergabe der ersten 500 Gramm in Berlin auch bereits zur Verhaftung. Da das Kokain einen Reinheitsgrad von mehr als 90 Prozent hatte, gehen die Ermittler davon aus, dass Frank G. das Gift direkt von einem Einkäufer aus Südamerika bezogen hat. „Normalerweise wird es von Händler zu Händler gestreckt und hat dann nur noch einen Reinheitsgrad von 20 bis 30 Prozent“, sagte Olaf L., ein Ermittler des Landeskriminalamtes. Demnach hätten die am 12. März beschlagnahmten knapp 500 Gramm Kokain leicht auf das Dreifache der Menge gestreckt werden können. Der Ermittler zeigte sich erstaunt, dass Frank G. das Kokain zum Kilopreis von 41 000 Euro verkaufen wollte. „Das ist für die Qualität sehr preiswert“, sagte der Ermittler, der sich seit 1991 um das Aufdecken von Drogendelikten in Brandenburg kümmert.

Üblicherweise wird so reines Kokain mit Milchpulver gestreckt – oder mit Koffein. Letzteres hatte Frank G. laut Anklage auch getan. Denn er hatte sich von den 500 Gramm Kokain 30 Gramm für den Eigenbedarf abgezweigt. Das sollte dem Käufer nicht auffallen.

Zweifel am Kronzeugen der Anklage

Verteidigerin Marlen Block zweifelt stark an der Rolle von Tommy M. Während er für den Staatsanwalt der Kronzeuge der Anklage ist, verwies Block auf dessen sechsjährige Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung sowie einer weiteren Strafe wegen Falschaussage. Auch als sich Tommy M. an die Staatsanwaltschaft Neuruppin wandte und auf einen großen Drogenring hinwies, den er platzen lassen könne, saß er in Untersuchungshaft, und zwar in Aachen.

„Haben Sie die Glaubwürdigkeit von Tommy M. geprüft?“, fragte die Verteidigerin. Er habe mit Schrott gehandelt und einen auf „dicke Hose“ gemacht. Seine Angaben hätten sich „durchaus glaubwürdig angehört“, sagte Georg H., ein Zollbeamter, der in einer Einheit mit dem Landeskriminalamt (LKA) arbeitet. Von der Strafe wegen Falschaussage wusste das LKA aber offenbar nichts. Auch blieb gestern offen, warum Tommy M. überhaupt in Aachen in U-Haft saß. Lediglich zum Motiv für seine Kooperation mit der Polizei konnten die Ermittler etwas sagen. Demnach wollte Tommy M., der wegen einer weiteren Straftat zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, nicht ins Gefängnis, sondern in Freiheit seine Tochter aufwachsen sehen. „Dafür würde er auch töten“, hat er gesagt, so Frank G.

Angeklagter hat Arbeit als Müll- und Kurierfahrer

Er habe nach seiner siebenjährigen Haftstrafe viel Stress gehabt, um wieder einen Job zu finden. Er arbeitete als Müllfahrer, in einer Kiesgrube sowie als Kurierfahrer, ließ Frank G. von seiner Verteidigerin erklären. Weil die Zahlungsmoral der Firmen „mies“ gewesen sei, habe er von Hartz IV gelebt. Dieses Geld sei aber draufgegangen, weil er wieder spiel- und drogensüchtig geworden sei. Gleichwohl habe er seinerzeit auch seine jetzige Verlobte kennengelernt, die aus soliden Verhältnissen stamme. Ihr gemeinsamer Sohn ist erst ein paar Monate alt.

Ist Frank G. von einem V-Mann der Polizei zum Kokainhandel angestiftet worden oder war er selbst der Initiator? Diese Frage muss das Gericht klären. Am Donnerstag soll Tommy M. gehört werden.

Von Andreas Vogel

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