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Neuruppinerin begleitet Menschen in den Tod

Porträt Neuruppinerin begleitet Menschen in den Tod

Kerstin Rensch ist Kummer gewöhnt. Seit vielen Jahren begleitet sie für ihr Ehrenamt beim Ruppiner Hospiz Menschen auf ihrem letzten Lebensweg. Für sie gehört der Tod schon fast zum Tagesgeschäft und trotzdem gibt es immer wieder Fälle, die sie an die Grenzen bringen. Und sei es die eigene schwere Krankheit, die sie wissen lässt, wie schnell das Leben vorbei sein kann.

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Kerstin Rensch begleitet Menschen in den Tod.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Etwas Falsches zu sagen, ist kein Trost, sagt Kerstin Rensch. Deswegen verabschiedet sie sich von den sterbenskranken Menschen immer so, als würde es in jedem Fall ein Wiedersehen geben. In Wahrheit ist das Risiko hoch, dass derjenige beim nächsten Besuch unter dem Leichentuch liegt. Darüber denkt die 53-Jährige aber nicht nach. Das darf sie auch nicht, denn sonst müsste sie ihr Ehrenamt beim Ruppiner Hospiz aufgeben. Rensch begleitet alte und kranke Menschen auf ihrem letzten Lebensweg, tröstet sie, lacht mit ihnen und gibt ihnen ein Stück Normalität.

Manche Menschen begleitet Kerstin Rensch wochenlang, andere über Monate und wieder andere nur einen Tag. „In der ersten Zeit lernt man sich kennen. Bis jetzt bin ich mit jedem klargekommen“, erzählt sie. Meistens unterhalte man sich über das Essen, das Wetter oder ulkt ein bisschen miteinander. Die Patienten sind oft bettlägerig oder sprechen nur wenig. „Es erfordert viel Feingefühl, aber es bestärkt mich, wenn sich die Bindung langsam festigt“, sagt Rensch. Und das obwohl meist nicht mehr viel Zeit bleibt. „Man schafft es nur, wenn man nicht mit jedem Menschen mit stirbt.“

Für die ehrenamtliche Arbeit im Hospiz erfährt sie viel Dankbarkeit

Schon seit das Ruppiner Hospiz 2001 eröffnet wurde, ist Rensch dabei. Als Krankenschwester hatte sie engen Kontakt zur damaligen Leiterin Cornelia Kaiser und absolvierte 2003 den ersten Vorbereitungskurs für ehrenamtliche Hospizhelfer. Seitdem begleitet sie vor allem ambulant, das heißt außerhalb des Hospizes, Menschen in den Tod. Berührungsängste hat sie keine, sagt die Neuruppinerin: „Es klingt vielleicht makaber, aber ich hatte noch nie ein Problem damit, wenn jemand Fremdes gestorben ist.“

Diese Einstellung kommt nicht von ungefähr, denn im Laufe ihres Berufslebens kam Rensch permanent mit sterbenden Menschen in Berührung. Von 1978 bis 1981 machte sie eine Lehre zur Kinderkrankenschwester und arbeitete jahrelang im Ruppiner Klinikum auf verschiedenen Stationen. „Ich war auf der Unfallstation, in der Chirurgie und auf der Station für innere Medizin“, erzählt sie. 1995 hängte sie eine Ausbildung zur Pflegedienstleiterin ran und war bis 2014 bei der „Pro Seniorenpflege“ in Rheinsberg tätig.

Das Ehrenamt im Hospiz bewältigte sie immer nebenbei, obwohl sie wegen der anstrengenden Schichtarbeit in der Pflege eigentlich genug Arbeit hatte. Ganz abgesehen von ihren drei Kindern, die mittlerweile ausgezogen sind. Es waren vor allem zwei Dinge, die sie dazu motivierten, trotzdem dabei zu bleiben. „Ich bekomme für meine Arbeit hier viel Dankbarkeit zurück, vor allem von den Angehörigen“, sagt Rensch. Denn die belaste das Thema Tod meist viel mehr als den Betroffenen selbst. Oftmals ist die Ehrenamtlerin auch bei den Beerdigungen und Trauerfeiern dabei. „Das Besondere am Hospiz ist außerdem die Atmosphäre und das enge Verhältnis unter den Mitarbeitern“, sagt Rensch. Das Hospiz sei alles andere als eine Trauergemeinde und vor allem kein Ort, der danach schreit, dass dort Menschen sterben. „Wenn einer im Team Probleme hat, ist der andere für ihn da. Man steht einfach zueinander“, erklärt sie.

Kerstin Rensch war selbst vor Kurzem auf die Hilfe anderer angewiesen, als sie schlagartig vom eigenen Schicksal getroffen wurde. 2013 erkrankte sie schwer, musste lange im Krankenhaus bleiben und anschließend noch in die Reha. „Ich wurde von einem Tag auf den anderen aus meinem bisherigen Leben katapultiert“, sagt sie und das Lächeln auf ihrem Gesicht verdunkelt sich. Die ehemalige Krankenschwester weiß, dass sie dem Tod gerade so von der Schippe gesprungen ist. Seitdem ist sie erwerbsunfähige Rentnerin und sieht das Ehrenamt als Ausgleich zu ihrem Alltag.

Als das Hospiz nach der Krankheit wieder mit einer Anfrage auf Rensch zukam, zögerte sie nicht lange. „Es war schon ein komisches Gefühl, aber es war immerhin kein junger Mensch“, sagt sie. Denn die zählen zu den schlimmsten Fällen für die Pfleger im Hospiz. Menschen sterben zu sehen, sei zwar langsam Routine, „aber daran merkt man immer, wie schnell es gehen kann.“

Von Luise Fröhlich

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