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Ostprignitz-Ruppin Neuruppinerin wurde zum Stalking-Opfer
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neuruppinerin wurde zum Stalking-Opfer
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02:15 14.01.2016
Frauen, die Opfer von Nachstellung oder häuslicher Gewalt werden, ziehen sich aus Verzweiflung oft zurück. Quelle: EPD
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Neuruppin

Es war Weihnachten 2001. „Das werde ich nie vergessen“, sagt Anke K. (Name von der Redaktion geändert). Sie hatte es sich an Heiligabend gerade mit ihrer Tochter auf der Couch bei einem Weihnachtsfilm gemütlich gemacht, als ihr Mann mal wieder sturzbetrunken nach Hause kam. Er stürmte ins Zimmer, ging einfach auf Anke los und schlug ihr mitten ins Gesicht – vor den Augen der elfjährigen Tochter Jessica. „Das war der Tag, an dem ich aus dem Schlafzimmer ausgezogen bin“, erzählt die Frau aus Neuruppin. Doch es sollte noch viel schlimmer kommen. Alle Suchtberatungen schlugen fehl, ihr Mann wurde immer aggressiver und als Anke endlich den Schritt wagte, sich von ihm zu trennen und auszuziehen, verfolgte er sie und drohte ihr jahrelang. Noch heute ist sie mit dem 59-Jährigen verheiratet, unfreiwillig, weil der Alkohol ihn so zerstört hat, dass er die nötigen Unterlagen für die Scheidung nicht zusammenbekommt.

Als Anke (57) ihren Mann damals im heimischen Thüringen kennenlernte, wollte sie zunächst nichts von ihm wissen. Er besuchte dort die Offiziersschule. Zum ersten Mal getroffen haben sie sich in der Disko. Er schrieb ihr Liebesbriefe und irgendwann entschied sie sich, ihm eine Chance zu geben. 1977 heiratete das Paar und bald darauf fing er an zu trinken. Es wurde immer schlimmer. „Ich habe wirklich daran geglaubt, dass er wieder aufhört“, sagt Anke. Doch nachdem Jessica 1990 zur Welt kam, trank er immer öfter und wurde letztlich auch gewalttätig. „2008 war er so weit, Hilfe anzunehmen, das hat er mir zumindest erzählt. Auch, dass er in einer Gruppe ist, doch da hat er auch getrunken.“ Auch die beiden gemeinsamen Söhne haben den Vater erlebt, wenn er mal wieder zu viel getrunken hatte. „Zu ihnen habe ich heute keinen Kontakt mehr. Ich wollte sie damals nicht mit reinziehen.“ Jessica ist selbst auf die schiefe Bahn geraten, war drogensüchtig und ist früh Mutter geworden. Ankes Enkelkind lebt bei einer Pflegefamilie in Kyritz, aber alle zwei Wochen ist sie zu Besuch bei ihrer Oma. „Die kleine Püppi gibt mir viel Kraft“, sagt Anke.

Im Nachthemd rannte sie aus dem Haus und rief Hilfe

Die braucht Anke auch, denn sie hat in den vergangenen vier Jahren viel durchmachen müssen. Am 5. Juli 2011 zog sie nachts aus der gemeinsamen Wohnung aus. „Ich war schon fast eingeschlafen, da kam er in mein Zimmer, drückte mit seinen Händen fest gegen meine Kehle und drohte, mich umzubringen“, erzählt Anke. „Zum Glück hatte ich mein Handy die ganze Zeit in der Hand und konnte mich befreien.“ Mit nichts als ihrem Nachthemd am Leib rannte sie nach draußen und rief ihre Freundin zu Hilfe. Die kam mit dem Auto so schnell sie konnte. „Sie hat gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Ich glaube, wenn sie nicht gewesen wäre, würde ich immer noch in der Wohnung sitzen.“ Auch die Polizei kam in dieser Nacht. Anke hatte ihren Mann zum ersten Mal wegen Körperverletzung angezeigt. Es folgten noch sehr viele Strafanzeigen. Anke war beinahe Stammgast auf der Polizeiwache und es kostete sie viel Kraft, jedes Mal alles aufs Neue zu erzählen.

Gewalt gegen die eigene Frau: Die meisten Fälle werden nicht angezeigt. Die Kriminalitätsopfer-Organisation Weißer Ring fordert deshalb deutlich mehr Anstrengungen gegen häusliche Gewalt und deren Tabuisierung. Quelle: dpa

Vorübergehend kam sie bei ihrer Freundin unter und musste den Job aufgeben, weil ihr Mann ihr dort permanent auflauerte. Die Polizei untersagte ihm mehrmals, sich der Wohnung zu nähern, doch er hielt sich nie daran, begann zu randalieren und die Scheiben einzuschmeißen. Immer wieder verfolgte er Anke und passte sie vor der Wohnung der Freundin ab. Die Freundinnen tauschten die Fahrräder, aber auch das brachte nichts. Einmal bedrohte er sie mit einer Schreckschusspistole im Nagelstudio. „Er sagte, er wird zuerst mich umbringen, dann den Hund und dann sich selbst.“ Danach kam er für einen Tag in Untersuchungshaft. Anke schaltete das Gericht ein. „Er ist dann immer wieder vor meiner Tür auf- und abgelaufen. Ich konnte nicht mehr raus“, erzählt Anke weiter. Dabei hätte er sich ihr schon längst nur noch bis auf 100 Meter nähern dürfen.

Der Mann kam für ein halbes Jahr ins Gefängnis

Anke zog sich zurück und hat den Frust in sich reingefressen. „Ich saß oft einfach nur zu Hause und habe in der Zeit stark zugenommen“, sagt sie. Er rief sie oft an, zu jeder Tageszeit, und quatschte ihr den Anrufbeantworter voll. Immer wieder alarmierte Anke die Polizei. Bei einem Gerichtstermin versteckte sie sich hinter der Anwältin, um ihren Mann nicht sehen zu müssen. „Solange wie die hier in Neuruppin ist, wird sie ihr blaues Wunder erleben“, erinnert sich Anke an die Worte ihres Mannes. Der Richter habe ihn gefragt, ob er seine Frau zurückgewinnen will. „Klar will ich meine Frau zurückhaben“, lautete die Antwort. Vom Gericht und der Polizei hätte sich Anke im Nachhinein schnellere Hilfe gewünscht. „Es sind Gummigesetze“, sagt sie. Für ein halbes Jahr war ihr Mann im Gefängnis. Warum, weiß Anke nicht genau, nur dass er wieder auf freien Fuß kam. „Er hat vielleicht die Strafen oder die Prozesskosten nicht bezahlt.“

Anke war drei Wochen in stationärer Behandlung in einer psychosomatischen Klinik, fünf Wochen auf Kur und drei Monate in der Tagesklinik, weil sie bis heute unter Panikattacken leidet. „Es geht einfach nicht aus dem Kopf weg. Die Angstzustände kommen plötzlich, ich kann das nicht beeinflussen.“ Seit September 2011 wohnt sie in einer eigenen Wohnung – im fünften Stock. „Ich wollte unbedingt nach ganz oben, damit er mich nicht findet“, sagt sie. Hat er aber.

Das Frauenhaus und der Weiße Ring haben geholfen

Anke weiß, dass er sie beobachtet hat. Oft stand er lange vor ihrem Briefkasten. Die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus haben Anke sehr viel geholfen, sagt sie, und auch Rosemarie Böhme vom Weißen Ring in Neuruppin. „Wir konnten ihr einen Urlaub finanzieren, um sie aus ihrem Umfeld erst mal rauszuholen“, erzählt Rosemarie Böhme. Außerdem hat sie Anke bei Strafanzeigen und Anwaltsbesuchen unterstützt. Derzeit arbeitet Anke im Bundesfreiwilligendienst bei einem Verein und hat dort eine ruhige und versteckte Ecke, in die sie sich zurückziehen kann. Wenn nichts mehr hilft, schwingt sie sich aufs Fahrrad und fährt kilometerweit, um den Kopf frei zu kriegen.

Noch heute plagen Anke Alpträume. „Das Gefühl ist immer da, die Angst. Ich kann es einfach nicht loslassen.“ Gesehen hat sie ihren Mann das letzte Mal vor sechs Wochen beim Einkaufen. Anke stand an der Kasse, als sie ihn zwei Kunden vor sich entdeckte. Sie versteckte sich hinter einer Frau und hielt den Atem an. Manchmal begegnen sie sich auch in der Stadt. „Er ruft mir immer noch hinterher. Ich bin einfach nur noch wütend und wünsche mir nichts mehr, als dass er für immer geht.“

Von Luise Fröhlich

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