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Neuruppins Hauptschlagader liegt frei

Bauarbeiter und Archäologen legen ehemaligen Klappgraben frei Neuruppins Hauptschlagader liegt frei

Dass er so mächtig ist! Auch Bürgermeister Jens-Peter Golde ist beeindruckt. Das, was Tiefbauer und Archäologen gerade unter der Friedrich-Engels-Straße freilegen, war einmal Neuruppins Hauptschlagader. Der Klappgraben hat die Stadt im Mittelalter mit frischem Wasser versorgt und zugleich Schmutz und Unrat in den See geschwemmt.

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Der nun freigelegte Klappgraben hat die Stadt im Mittelalter mit frischem Wasser versorgt.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Von Wasser oder Graben ist auf der Baustelle heute kaum noch etwas zu erahnen. Wie ein dicker Wurm aus rotem Backstein windet sich die Hülle des Klappgrabens durch die Erde. Links und rechts werden die gemauerten Bögen von überraschend breiten Wänden gestützt. Alle paar Meter zieht sich ein Bogen aus Ziegelmauerwerk quer über das Gewölbe. Archäologen legen den Klappgraben gerade auf dem gesamten Abschnitt frei, der unter der Friedrich-Engels-Straße verläuft. Besser: Sie legen das Gewölbe frei, unter dem der Graben verläuft.

Millimetergenau wird das Gewölbe vermessen. "Das machen wir mit 3-D-Fotografie", erklärt die Archäologin Doreen Jindra. Meist sind die Archäologen mit Maßband und Millimeterpapier in den Baugruben unterwegs und zeichnen exakt jede kleinste Tonscherbe ein, die in den Erdschichten zu erkennen ist. Den Verlauf und Zustand des Klappgrabens so zu dokumentieren, würde ewig dauern. Die dreidimensionale Fotografie ist da viel schneller. Trotzdem brauchen die Forscher für ihre Arbeit Zeit.

Einen Vorteil hat die Baustelle immerhin: Was dort zu finden sein wird, war vorher bekannt. Dass der Klappgraben unter der Straße verläuft und dann zwischen zwei Wohnhäusern in Richtung See abbiegt, wussten Fachleute. Dass er so mächtig ist, ahnte offenbar niemand. "Das hat uns auch überrascht", sagt Doreen Jindra.

Jens-Peter Golde überrascht auch der Zustand des freigelegten Bauwerks. "Wie alt ist das etwa?", will er von den Archäologen wissen, als er sich gestern die Baustelle ansieht. Doreen Jindra überlegt kurz: "Das Mauerwerk stammt aus dem 18. Jahrhundert." Golde ist gleich noch mehr beeindruckt: Dafür, dass sie fast 250 Jahre alt sind, haben sich die Ziegel sehr gut gehalten.

Von außen. Im Inneren sieht das Gewölbe anders aus. Wasser und Unrat haben Spuren hinterlassen. Im Frühjahr hatten Fachleute festgestellt, dass das Grabengewölbe teilweise einsturzgefährdet ist. Nur deshalb wird es freigelegt.

Die Stadtwerke lassen über das gemauerte Gewölbe nun eine Kuppel aus Stahlbeton gießen. Der Betonmantel soll später die Last der darüberliegenden Straße aufnehmen und gleichmäßig über eine große Fläche verteilen. In ein paar Tagen werden die Archäologen den freigelegten Gewölbeabschnitt zudem an fünf Stellen aufsägen, sodass Arbeiter das alte Mauerwerk auch von innen ausbessern können.

Bis zum Jahresende soll das alles möglichst geschafft sein. Die Stadt kann dann dieses Stück der Friedrich-Engels-Straße fertig bauen lassen. Auf dem Hof der einstigen Kasernenstuben nebenan werden die Arbeiten noch einige Monate länger dauern.

Von Reyk Grunow

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