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Neuruppins Tempelgarten im Wandel

Zeitraffer-Revue mit jungen Akteuren Neuruppins Tempelgarten im Wandel

Viel Trubel zwischen Grün und Putten: Vor vollen Bänken boten Akteure der Jugendkunstschule, des Märkischen Jugendchores und des Theaters ohne Bühne ein Stück Geschichte. Im Zeitraffer wurde die Geschichte des Neuruppiner Tempelgartens in prächtigen Bildern nachgestellt, gespielt, gesungen und getanzt.

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Der Tempelgarten ist bunt. Und bunt war auch das große Finale aller Mitwirkenden.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Suchend späht die einsame Dirigentin von der Bühne. Wo sind die Sänger? Zwischen den Bäumen beginnt es leise zu summen. Das Summen wird lauter. Wie ein Bienenschwarm klingt es, und wie ein Schwarm nähern sich gut 40 schwarz gekleidete Sänger aus allen Ecken des Tempelgartens, schlängeln sich durch die Reihen des Publikums, sammeln sich hinter der Bühne, wie hingegossen auf Bänke, Putten und Skulpturen. „Ruppin?“, fragt eine vergrämte Stimme und antwortet selbst: „Dann also Ruppin!“

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Viel Trubel zwischen Grün und Putten: Vor vollen Bänken boten Akteure der Jugendkunstschule, des Märkischen Jugendchores und des Theaters ohne Bühne ein Stück Geschichte. Im Zeitraffer wurde die Geschichte des Neuruppiner Tempelgartens in prächtigen Bildern nachgestellt, gespielt, gesungen und getanzt

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Und dann erscheint der Alte Fritz, humpelnd und auf den Stock gestützt, lässt sich auf der Bank nieder und die Zeit Revue passieren. Wie er als junger Kronprinz vom strengen Vater vergattert wurde, das Neuruppiner Regiment zu leiten. Wie er sich 1732, um einen lauschigen Rückzugsort zu haben, seinen Amalthea-Garten anlegte, um Obst und Gemüse anzubauen, aber auch – Künstler und Philosoph, der er war – Zeit für Muße zu haben. Den Vögeln zu lauschen, so erklärt er. Und schon zwitschern die Sänger des Märkischen Jugendchores wieder los. Amalthea, so erfährt man, ist eine griechische Nymphe, deren abgebrochenes Horn als Sinnbild für Überfluss, als „Füllhorn“ gilt.

Der Tempelgarten hat eine lange Geschichte. Der Tempelgartenverein hat einen langen Atem. Immer wieder sucht er nach Wegen, die Friedrich’sche Idylle als Kleinod Neuruppins zu erhalten und zu verschönern. Es ist ein ehrgeiziges Projekt, das die Vereinsmitglieder um ihren Chef Peter Neiß mit der Revue „Tempelgarten im Wandel“ auf die Beine gestellt haben. Für die drei Vorstellungen haben sie sich die einheimische Jugend ins Boot geholt: Neben dem Märkischen Jugendchor wirkten das Theater ohne Bühne sowie junge und erwachsene Tänzer der Jugendkunstschule mit.

Die „beiden Sebastians“ – Eggers und Maihs – sind Stückschreiber und Regie-Doppel und haben in der andert­halbstündigen Schau ein einmaliges Geschichtskapitel geschrieben. In Gesang und Tanz, Wort und Spiel wird gezeigt, wie der Architekt Knobelsdorff den Apollotempel baute. Dann signalisiert die Göttin mit der Sanduhr das Verstreichen der Jahre. Mehr als ein Jahrhundert nach Friedrich erwirbt die Kaufmannsfamilie Gentz den Tempelgarten. Wilhelm Gentz brachte von seinen Orientreisen die Sehnsucht nach der Ferne und den Orient-Architekten Carl von Diebitsch mit, der den Tempelgarten um „Amalthea“ anlegte, Sandsteinskulpturen aufstellte und dem Garten sein orientalisches Gepräge gab. Und weiter geht es in der Zeit – die DDR rauscht vorbei. Gelächter brandet auf, als der Chor „Wann wir schreiten Seit an Seit“ anstimmt. Auch der sozialistische Gleichschritt-Tanz in grauen China-Blusen und mit bunten Dederon-Einkaufsbeuteln lässt Erinnerungen wach werden. Citys wunderbares „Am Fenster“ signalisiert die Öffnung nach außen, die bunten Beutel verschwinden im Mülleimer der Geschichte – einer KaDeWe-Tüte.

Die Jahrhunderte rauschen vorbei

Immer wieder wirbeln die kleinen Tänzerinnen wie Schmetterlinge über die Bühne – wie ein Inbegriff süßer Lebenslust des Tempelgartens. Zwei handytippende Jungunternehmer geben sich ein Eheversprechen, ohne auch nur den Blick vom Smartphone zu heben. Die neue Zeit hat zugeschlagen. Es rappt und hip-hopt auf der Bühne, die Sänger werden bunt. In einer zuckenden Kakophonie aus einem techno-zerhackten „Atemlos durch die Nacht“ rauschen die Jahrhunderte im wilden Wirbel vorbei. Und am Ende sitzt der Alte Fritz neben einem Kerlchen von heute. „Rauchen ist ungesund“, zeigt der Knabe ohne Worte auf des Königs Pfeife und bietet ihm ein Stück Schokolade an. Der nimmt an. So wie die Gäste die Revue.

Von Regine Buddeke

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