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Neuruppins heimliche Ermittler

Detektive lieben es diskret Neuruppins heimliche Ermittler

Von Neuruppin aus ermittelt ein Team von Privatdetektiven in ganz Deutschland. Nachtsichtgerät statt Lupe, Computer statt Karo-Mütze, Digitalkamera statt Tabakspfeife und vor allem viel Geduld – so sieht der Alltag bei Observationen aus. Vor Prügel hat der private Ermittler Thomas A. weniger Angst als davor, seine Tarnung zu verlieren.

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Computer, Kamera und Nachtsichtgerät sind wichtige Arbeitsutensilien von Thomas A. – er ist Privatdetektiv.

Quelle: Christian Schmettow

Neuruppin. Sherlock Holmes, Nick Knatterton, Perry Clifden, Philip Marlowe, Sam Spade, Miles Archer, Miss Marple oder die Drei Fragezeichen? Eigentlich keinen von denen, sagt Thomas A. Der 42-Jährige hat keinen Lieblingsdetektiv. Als Kind las er lieber Ernst Thälmann als Raymond Chandler.

Kein karierter Hut, statt einer Lupe ein Nachtsichtgerät. Und Pfeife raucht in dem Neuruppiner Detektivbüro auch nur einer: Die Figur im Logo der Firma auf der unscheinbaren Glastür in der Innenstadt. Kein Foto und bitte nicht den ganzen Namen in der Zeitung – das ist der Deal für ein Interview mit Thomas A. Denn nichts wäre schlimmer für einen Detektiv, als auf der Straße erkannt, im Internet gefunden zu werden. Er wäre verbrannt, könnte niemanden mehr unauffällig überwachen.

Für jede Wohngegend das passende Auto

Allerweltsgesichter, Unauffälligkeit? Davon kann bei Thomas A. und seinen Mitarbeitern keine Rede sein. Der Chef selbst sieht aus wie jemand, mit dem man allein im Dunkeln lieber keinen Streit anfangen möchte. Und dann noch die Thor-Steinar-Jacke! Die trage er erst seit Kurzem, sagt Thomas A. „Ich bin nicht rechts, ich bin nicht links, ich bin Biker – und die sind geradeaus.“ Und wenn jemand sage, das oder das darf man nicht anziehen – dann trage er das eben gerade. Privat fährt er ein sehr auffälliges Motorrad. Dienstlich hat Thomas A. sechs auffällige und unauffällige Autos zur Verfügung – je nachdem, ob er in einem Villenviertel nicht auffallen möchte oder im Proll-Bezirk. Geboren in Thüringen, aufgewachsen an der Ostsee, als Türsteher gearbeitet und viele Jahre als Gastwirt in Bayern – nun wohnt Thomas A. mit seiner Frau und zwei kleinen Kinder in einem Dorf bei Neuruppin. Tätig ist er in ganz Deutschland und darüber hinaus – wenn der Kunde es wünscht und bezahlen kann.

Schwarzarbeiter und Ehebrecher

Die meisten Aufträge erledigen er und seine Mitarbeiter aber in Berlin. Oft geht es um Wirtschaftsüberprüfungen – jemand möchte mehr über einen Geschäftspartner wissen, ehe er sich auf eine Zusammenarbeit einlässt. Anwälte engagieren einen Detektiv, um Belastendes über die Gegenseite zu erfahren. Häufig geht es auch um Schwarzarbeit: Firmenchefs wollen wissen, ob ihr Mitarbeiter sich bloß krank gemeldet hat, um auf eigene Rechnung dazuzuverdienen.

Und natürlich geht es auch immer wieder um untreue Ehepartner. So wie bei dem Mann, der mittwochs angeblich zum Kegeln ging, dort aber nie anzutreffen war. Das fand seine Frau noch selbst heraus. Sie scheiterte dann aber schnell, als sie selbst ihrem Mann hinterherfuhr. Der kannte natürlich ihr Auto und stellte sie zur Rede. So kam Thomas A. zu seinem Auftrag. Wenn der private Ermittler mittwochs jemanden beschatten soll, dann beginnt er schon einen Tag vorher damit, die Gewohnheiten dieser Person zu studieren. Er „holt ihn von der Arbeit ab“, wie er es nennt, fährt ihm unauffällig hinterher. Viel Zeit hat der Detektiv dafür nicht. Seine Klienten erwarten Ergebnisse – spätestens am zweiten Mittwoch.

Mehr Angst vor Enttarnung als vor Prügel

Der Detektiv holte den Ehemann dann auch am Mittwoch von der Arbeit ab. Der fuhr nach Hause, duschte und machte sich auf den Weg zu seinem „Kegelabend“. Der fand dann allerdings in der „Dienstwohnung“ einer Prostituierten statt. Weil er auch deren Namen liefern sollte, musste Thomas A. bis fünf Uhr früh in seinem Auto ausharren – dann erst fuhr die Dame heim – mit dem Zug. Also das Auto stehen lassen und hinterher. Arbeitszeiten sind für einen Detektiv schlecht planbar. „Freizeit muss man sich verordnen, sonst hat man keine“, sagt Thomas A.. Immerhin spielt seine Familie mit. Schließlich ist Thomas A. Chef von vier Firmen (die die sechs Autos nutzen) und hat zehn Angestellte.

Eingang zum Detektei-Büro

Eingang zum Detektei-Büro.

Quelle: Christian Schmettow

Einer ist Spezialist für Internet-Recherchen, und auch bei Beschattungen im dichten Berliner Stadtverkehr kann es von Nutzen sein, wenn zwei Detektive mit verschiedenen Fahrzeugen sich abwechseln. Wenn man zu dicht auf der Stoßstange seiner Zielperson klebt, fliegt man schnell auf. Und untreue Ehemänner können durchaus wütend werden, wenn sie einen „Schnüffler“ erwischen. Trotzdem trägt Thomas A. keine Waffe. Hätte er eine Pistole, könnte man ihm die wegnehmen und gegen ihn selbst richten. Thomas A. verteidigt sich im Notfall lieber mit seinen Händen. Er ist Kampfsportler, geübt in Selbstverteidigung – das entspannt: Seine Angst, verprügelt zu werden, ist weitaus geringer als die, enttarnt zu sein. Und ja, es gibt auch Aufträge, die er abgelehnt hat, weil sie ihm zu gefährlich waren. Es gibt Familien in Deutschland, mit denen er sich lieber nicht anlegt – aus Sorge um seine eigene Familie.

Auch ehemalige Geheimdienstler tummeln sich im Gewerbe

Zu dicht auffahren beim Observieren – solche Situationen passieren ihm heute nicht mehr. „Ich hatte das Glück und durfte ein paar Jahre mit Detektiven zusammenarbeiten, die den Polizeiberuf von der Pike auf gelernt haben“, sagt er. Auch ehemalige Geheimdienstler tummeln sich in dem Gewerbe. Wobei Detektiv keine geschützte Berufsbezeichnung ist. Es gibt keine vorgeschriebene Ausbildung – und keine Sonderrechte.

In der Neuruppiner Detektei melden sich mal zwei, mal zehn Klienten in der Woche – meist per Telefon. „Ich fahre dann zu den Leuten hin und rede persönlich mit ihnen“, sagt Thomas A.. Er geht davon aus, dass Telefone sowieso abgehört werden. Außerdem ist ihm der persönliche Eindruck wichtig, der Augenkontakt. Nur so kann er feststellen, ob jemand ehrlich zu ihm ist. Wer bedroht wird, der weiß fast immer, von wem und warum. Aber manche schämen sich, den Grund zu nennen – zum Beispiel, wenn es um Schulden geht. Wenn der Detektiv aber helfen soll, muss er wissen, was los ist.

Wie Sherlock Holmes jemanden bloß anzusehen und dann dessen halbe Lebensgeschichte zu referieren, davon hält Thomas A. nichts. „Ich gehe nicht nach Äußerlichkeiten. Damit bin schon oft auf die Nase gefallen.“

Von Christian Schmettow

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