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Neustadt: Jubiläum fürs Reiten als Schulfach

Unterricht im Sattel Neustadt: Jubiläum fürs Reiten als Schulfach

Nach Neustadt zieht es Kinder aus dem gesamten Bundesgebiet, seitdem vor zehn Jahren ein einzigartiges Wahlpflichtfach nach einer Testphase erstmals genehmigt wurde: Reiten. Mittlerweile gibt es zudem Spezialklassen und zwei Internate in Neustadt.

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Schloss Spiegelberg wird als Reitschülerinternat privat geführt. Es war als erstes am Platz, bekam 2010 jedoch die „Mühle“ als Konkurrent dazu. Quelle: Anke

Neustadt. Der Sommerferienspaß ist vorbei. Landauf, landab strömten zum Wochenbeginn Schülerscharen mit vollgepackten Mappen wieder in ihre Einrichtungen. Die größten Taschen dürften dabei nach Neustadt getragen worden sein. Auch waren die Wege dorthin für diese Schüler am längsten. Sie kommen etwa aus dem Berliner Umland, aber auch Kronach und Rastatt, aus Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg also. Davon kündeten am vergangenen Anreisewochenende nicht nur die Kennzeichen an den Autos vor den beiden Internaten „Mühle Spiegelberg“ und „Schloss Spiegelberg“, sondern auch an den jeweiligen Anhängern. Eine Schultasche reicht schließlich nicht aus für diese Kinder, die aus dem gesamten Bundesgebiet wegen des einzigartigen Unterrichts zur Prinz-von-Homburg-Schule nach Neustadt kommen: Es gibt Reiten als Wahlpflichtfach oder in einer Spezialklasse. Ein eigenes Pferd ist Pflicht.

Die Mühle ist ein Industriedenkmal

Die Mühle ist ein Industriedenkmal.

Quelle: Anke

Auch Lena Kusch aus Weddendorf (Sachsen-Anhalt) und Julia Nikitin aus Kitzingen (Bayern) brachten ihre Tiere mit. „Wir freuen uns so sehr“, sagt die neue Siebtklässlerin Julia. Und das, obwohl der Sommerferienspaß vorbei ist.

So gefreut haben sich vor nunmehr genau zehn Jahren schon sehr viele in Neustadt. Denn im September 2005 wurde der erste Genehmigungsbescheid für das Wahlpflichtfach Reiten erteilt. „Das war keine Selbstverständlichkeit“, erinnert sich Kathrin Lorenz von der Verwaltung für das Amt Neustadt, dem Träger der Homburg-Schule. Dem offiziellen Start war ein vierjähriger Schulversuch vorausgegangen, um den der damalige Amtsdirektor Edmund Bublitz viel kämpfte.

Seither gehören zu den Akteuren die benachbarte Stiftung Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt, der Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg, das Landesamt für Schule und Lehrerbildung und das Internat „Schloss Spiegelberg“. Wolfgang Zühlke hatte die Immobilie in den 1990ern erworben. „Daraus ein Internat zu machen, bot sich einfach an“, sagt Zühlke. Wohnten in Neustadt anfangs noch keine 20 Internatsschüler, wurde 2009 die 100er-Marke durchbrochen – auch, weil nun die Kommune mit eigenen Plätzen mit mischte. Sie plante angesichts wachsender Nachfrage ein eigenes Internat neben dem Schloss. Im Juni 2009 hatte das Bildungsministerium schließlich die Spezialklasse Reitsport genehmigt.

Die „Mühle“ öffnete vor fünf Jahren in einem Industriedenkmal ebenfalls auf dem Gelände des früheren Spiegelwerks und wurde zum Konkurrenten für das Schloss aus Sicht von dessen Betreibern um Zühlke. Sie kritisieren vor allem die bessere Bezuschussung der kommunalen Internatsplätze.

Die monatliche Gebühr beträgt 590 Euro und wird vom Amt als Umsatzschwerpunkt rund um das Projekt „Reiten in der Schule“ ausgewiesen. Laut Kathrin Lorenz ist es ein regionaler Wirtschaftsfaktor geworden. Angesichts der im vorigen Jahr 40 Schülern in der Mühle und noch 25 im Schloss sowie nur wenigen, die keinen Schlafplatz benötigen, kommen für beide Internate zusammen fast eine halbe Million Euro im Jahr aus den Benutzungsgebühren zusammen.

Den Gesamtumsatz summiert Lorenz auf mittlerweile rund zwei Millionen Euro. In der Bilanz sind als weiterer großer Posten schließlich Zahlungen über 170 000 Euro vom Schulträger an das Gestüt enthalten, dessen Einrichtungen genutzt werden. Allein der Futterbedarf für alle Schülerpferde liege im Jahr bei 30 000 Euro. Hinzu kommen 4000 Euro für Hufschmiede oder auch runde 10 000 Euro für Tierarztrechnungen. Für die Beschäftigten im privaten Internat werden laut Lorenz 200 000 Euro aufgewendet, für die kommunale „Mühle“ sind es 300 000 Euro. Allein die Lehrer verursachen Lohnkosten über 400 000 Euro. Diese aber trägt das Land Brandenburg.

Sieben eigens für den Pferdesport ausgebildete Lehrer kümmern sich ausschließlich um den Reiternachwuchs. Dazu kommen drei Trainer vom Gestüt.

Im neuen Schuljahr sind laut Kathrin Lorenz acht Kinder in der neuen Klassenstufe sieben für ein Wahlpflichtfach zusammengekommen, zwei mehr, als mindestens erforderlich. Die neue 7. Spezialklasse indes ist maximal gefüllt. Für bis zu 24 Schüler gibt es die Genehmigung. Bevor sie überhaupt endgültig anreisen durften, wurden sie an der Homburg-Schule zuvor bei mehreren Reittests überprüft.

Was ihre Mitschüler der höheren Klassen reiterlich mittlerweile schon drauf haben, präsentieren diese im Oktober bei einer kleinen Festveranstaltung anlässlich des offiziellen Projektstarts im Wahlpflichtfach vor zehn Jahren. Auch darauf können sich die Neulinge Lena Kusch und Julia Nikitin jetzt freuen.

Von Matthias Anke

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