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Neustadt flirtet wieder mit Wildeshausen

Vergessene Städtepartnerschaften Neustadt flirtet wieder mit Wildeshausen

Zur Wendezeit vor 25 Jahren entstanden zahlreiche Partnerschaften von Städten und Gemeinden zwischen Ost und West. Die einen pflegen ihre Beziehungen bis heute intensiv, bei anderen ist nicht viel mehr übrig als ein gepflanzter Baum – wie in Neustadt. Oder wirkt dort doch noch was nach von der früheren Partnerschaft mit Wildeshausen?

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Vor die Sieversdorfer Schule wurde 1990 unter anderem ein Ahorn gepflanzt als Zeichen der Partnerschaft mit Adelheidsdorf.

Quelle: Matthias Anke

Neustadt. Die Feierlichkeiten rund um die 25-jährige deutsche Einheit sind längst Geschichte. Sie standen in Kyritz im Zeichen der ebenso seit 25 Jahren bestehenden Partnerschaft mit Werne. Es ist nur eine der Kooperationen zwischen Ost und West, wie sie mit der Wiedervereinigung vielerorts entstanden. Doch nicht jede überlebte.

„Schon vergessen?“, fragt Thomas Marzian jetzt in einer E-Mail an einige Wildeshausener. Darin bedauert es Marzian, dass an die Beziehung dieses niedersächsischen Orts mit Neustadt, der Pferdestadt an der Dosse, heute nur noch eine Buche erinnert. Als der Baum am Vorabend des 3. Oktobers 1990 vor dem Neustädter Sporthaus gepflanzt wurde, war Marzian als Vize-Vorsitzender des Wildeshausener Bürgervereins dabei. Zuvor, im Januar 1990, hatten sich mit ihm der Wildeshausener Bürgermeister Manfred Rolliè, der Bürgervereinsvorsitzende Heinrich Schütte und einige Stadträte auf Erkundungstour in die DDR begeben, bis sie in Neustadt ankamen. Von dem Ort wussten sie wegen des Gestüts. Wildeshausen hat es schließlich ebenso mit Pferden.

Die als Zeichen der Partnerschaft mit Wildeshausen vor 25 Jahren vor dem Neustädter Sporthaus gepflanzte Buche wuchs bis heute zu einem stattlic

Die als Zeichen der Partnerschaft mit Wildeshausen vor 25 Jahren vor dem Neustädter Sporthaus gepflanzte Buche wuchs bis heute zu einem stattlichen Baum heran.

Quelle: Matthias Anke

Diese Tour machte damals auch der Wildeshausener Stadtrat Karl Tedsen mit – der wenige Jahre später selbst zum Neustädter wurde und es auch dort wieder in ein Stadtparlament schaffte. Seit Längerem ist er CDU-Fraktionschef und heute zudem Neustadts Amtsausschussvorsitzender. Mit ihm kam Rolf Hüffermann in die Region und die Zweigstelle der Hüffermann-Transportsysteme. Zuletzt wechselte gar der Hauptsitz dieser Firma von Wildeshausen an die Dosse. Sie ist hier nun einer der größten Arbeitgeber weit und breit. Es ist also mehr übrig als nur eine Buche von dieser früheren Partnerschaft. Maßgeblich ebbte die Zusammenarbeit wohl aber ab, seitdem Neustadts Bürgermeister und späterer Amtsdirektor Edmund Bublitz nicht mehr im Dienst war. „Man war danach eben nicht mehr mit Begeisterung dabei. Es hat sich einfach so entwickelt“, sagt Sabine Ehrlich. Sie ist die langjährige ehrenamtliche Bürgermeisterin Neustadts, die einst auf Bublitz folgte.

Neue Partnerstädte kamen aus immer mehr anderen Ländern

In Sabine Ehrlichs Interesse liegt heute um so mehr das alljährliche „Treffen der Neustädte Europas“. Sie alle seien irgendwie ja auch Partnerstädte. Und ohnehin wurde der Blick mit den Jahren europäischer: Kyritz verpartnerte sich nach Werne längst mit schwedischen Svalöv, dem polnischen Wałcz und dem französischen Bailleul. Neustadts Nachbar Wusterhausen ist rege im Austausch mit den neuen Freunden aus dem polnischen Przytoczna.

Zur Wendezeit indes waren die Vorzeichen andere: Hiesige Rathäuser und Kommunalpolitiker konnten vom Westen lernen. „Gegenseitige Besuche halfen beim Verwaltungsumbau“, erinnert sich Karl Tedsen. Allerorten gab es solche Hilfe beim Neustart. Viele Kommunen forcierten deshalb Partnerschaften, so auch kleinere Gemeinden wie Sieversdorf beispielsweise. Auch dort erinnern noch heute Bäume an den 3. Oktober 1990 – und die Sieversdorfer Partnergemeinde Adelheidsdorf bei Celle in Niedersachsen. Gemeinsam wurden die Bäume vor die Scholl-Oberschule gepflanzt, die zwar längst geschlossen ist, aber noch als „Bürger- und Vereinshaus der Gemeinde Sieversdorf-Hohenofen“ herhält sowie als Landarzt-Zweigstelle. „Wir haben seit vorigem Jahr wieder besseren Kontakt zu Adelheidsdorf, da läuft jetzt wieder was“, kündigt Bürgermeister Hermann Haacke schon mal an.

Und selbst ein Wiedersehen von Neustädtern und Wildeshausenern ist nicht ausgeschlossen: Demnächst soll in Wildeshausen an den Bau des Stadthauses von vor 25 Jahren mit einer Feier gedacht werden. Damals waren Neustädter dabei. Thomas Marzian will sich jetzt kümmern, dass es wieder eine Einladung gibt. Seine E-Mail also könnte den Stein aufs Neue ins Rollen bringen.

Von Matthias Anke

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