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Neustadt Putenmist beschäftigt die Polizei
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01:15 14.03.2019
Beim Ausbringen von Mist am Montag auf einem Acker bei Sieversdorf. Quelle: Matthias Anke
Roddahn/Sieversdorf

Der Wirbel um die Putenmastanlagen in Roddahn zieht weiter Kreise. Nun hat die Bürgerinitiative, die regelmäßig Missstände bei der Tierhaltung und anschließender Ausmistung erkennen will und entsprechend anprangert, auch die Agrargenossenschaft in Sieversdorf als Subunternehmer im Visier. Diese habe Putenmist „unter einer Schicht Kuhmist und alter Silage versteckt“, hieß es dazu kürzlich in einer Pressemitteilung: „Damit liegt eine vorsätzliche Vertuschung der illegalen Putenmistlagerung vor.“ Beigefügt waren Fotos.

Ein Aktivist der Bürgerinitiative vor dem Misthaufen mit einem Schild. Aufschrift: "Dieser Mist ist gar nicht da." Quelle: Privat

„Ich hatte das im Radio gehört und mich sofort bei den für uns zuständigen Behörden gemeldet“, erklärte Henning Hartmann jetzt der MAZ – als Vorsitzender der Agargenossenschaft und mit Blick auf die Untere Wasserbehörde beim Bau- und Umweltamt sowie das Amt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft.

Kein zu verstreckender Abfall, sondern wertvoller Dünger

Den Vorwurf der BI, illegal Putenmist zu verklappen, wies Hartmann entschieden zurück. Es handele sich um keine Gülle oder dergleichen, sondern um sehr strohreichen Mist und der auch noch als Gemisch.

„Das ist doch kein heimlich entsorgter Abfall, sondern ein Mehrnährstoffdünger, ein sehr wertvolles Produkt“, sagte Hartmann. Und diesen „hocheffektiven Dünger“ mit Kuhmist abzudecken, um auf diese Weise ein Ausgasen von Stickstoff zu verhindern, sei besser, als Folie zu verwenden.

Anzeige über die Internetwache

Doch diesen Montag stand bei Hartmann deshalb nun auch die Polizei im Büro. Eine wohl anonyme Anzeige über die Internetwache habe die Kripo erhalten, hieß es. Es sollten Fotos gemacht werden, wie die Maschinen bei Sieversdorf gerade den Mist auf den Acker bringen.

Beim Ausbringen von Mist am Montag auf einem Acker bei Sieversdorf. Quelle: Matthias Anke

Henning Hartmann kopfschüttelnd: „Wir sind jetzt das Vehikel, um die Mast in Roddahn zu stören.“ Dabei laufe bei der Agrargenossenschaft „fachlich alles völlig richtig“.

Eine Frage der Art des Mistes?

Die Bürgerinitiative „Roddahn minus Putenmast“ indes habe „vom zuständigen Amt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft kürzlich bestätigt bekommen, dass Putenmist laut der aktuellen Düngemittelverordnung überhaupt nicht mehr am Feldrand gelagert werden, sondern sofort eingearbeitet oder auf dafür geeigneten Mistplatten gelagert werden muss“.

Doch laut Hartmann handele es sich bei ihm um gar keinen Mist solcher Art, aus dem Gülle austritt. Daher sei auch nicht unbedingt ein Mistlager nachzuweisen. Und es gebe ja die Lagerstätte bei Koppenbrück. „Das Lager ist saniert und dicht. Und der Behälter wird abgefahren.“

Auf entsprechende Anfragen von BI-Mitgliedern an den Umwelt- und Landwirtschaftsauschuss des Kreistages hin wurde das Ende vorigen Jahres so auch vom Umweltamt bestätigt. In dem der MAZ vorliegenden Schreiben wurde auch auf „Fachrechtskontrollen“ verwiesen, „zuletzt im 4. Quartal 2018“. Doch als sich die BI vor gut zwei Wochen vor Ort selbst ein Bild von der Anlage machte, wuchsen die Zweifel an der behördlichen Darstellung.

Putenfarmer spricht von „ganz normalen Vorgängen“

Neben dem seit Jahren wegen Gerüchen und vermeintlichen Tierrechtsverstößen in Roddahn schwelenden Konflikt rückte nun zugleich auch die Anlage im benachbarten Lohm ins Visier der Putenmastgegner. Dort werde reiner Mist ebenso ohne die wohl nötige Mistplatte gelagert.

„Alles, was bei uns geschieht, sind ganz normale Vorgänge“, wehrt sich Thomas Storck, Chef der Firma „Gut Jäglitz“ als Anlagenbetreiber. Der Bürgerinitiative unterstellt er: „Denen geht es doch gar nicht wirklich mehr um Mist oder Produktionsbedingungen. Die wollen nur noch, dass wir schließen, damit da kein Lkw mehr vorfährt, der Tiere einstallt oder abholt.“

Ende des Konflikts nicht absehbar

Die seit über einem Jahrzehnt laufende Auseinandersetzung habe sich seit gut eineinhalb Jahren intensiviert. Erst vorigen Sommer protestierten in Roddahn neben Dorfbewohnern vor allem Kinder der angrenzenden Schule und deren Eltern.

Und ein Ende des Konflikts ist erst recht nicht absehbar: Eine nachträgliche Anordnung, mit der das Landesumweltamt eine Verringerung der Geruchsemissionen durch die Putenmast erzielen wollte, ist weiterhin beim Verwaltungsgericht anhängig. Storck war wegen der für ihn „nicht sachgerechten“ Werte in Widerspruch gegangen.

Von Matthias Anke

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