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Neustadt Wildschweine in der Falle
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Wildschweine in der Falle
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11:15 15.09.2018
Den Schweinen soll es an den Kragen gehen. Doch wie ihre Zahl möglichst effektiv und dennoch tierschutzgerecht minimiert werden kann, darüber sind sich auch Brandenburgs Jäger nicht ganz einig. Quelle: Peter Geisler
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Neustadt

Auch wenn Deutschland bisher von der Afrikanischen Schweinepest verschont geblieben ist, diskutieren Jäger, Umweltschützer, Landwirte und Ämter derzeit hitzig darüber, welche Maßnahmen akzeptabel sind, um zu verhindert, dass sich die Seuche auch hierzulande ausbreitet.

Mehr Schweine zu schießen ist eine präventive Möglichkeit. Das Brandenburger Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft will nun auf den Fallenfang setzen. Es sei dringend erforderlich, die Schwarzwildbestände unter Anwendung aller verfügbaren Möglichkeiten zu reduzieren. Dazu gehöre als ein ergänzendes und wirksames Instrument der Fallenfang, heißt es in einer Mitteilung.

In den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkriegs erinnerte man sich in Brandenburg schon einmal an diese alte Jagdart, denn Waffen waren knapp. Der Schwarzwildfang mit Fallen ist heute allerdings genehmigungspflichtig. „In zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen konnte zweifelsfrei belegt werden, dass der Fallenfang, gerade bei einer so reproduktiven Wildart wie dem Schwarzwild, mit hohem Wirkungsgrad praktiziert werden kann“, heißt es weiter.

Schwarzwildfang mit Fallen ist genehmigungspflichtig

Ist nun unter dem Zeichen der nahenden Katastrophe jedes Mittel recht? Der Jäger und Betreiber der Neustädter Jagdschule Rhinluch Torsten Klein ist anderer Meinung. „Ich bin gegen die Fallenjagd“, sagt er. „Wir Jäger werden damit zu Schädlingsbekämpfern.“

Bei der Jagd mit dem Saufang werden die Tiere mit Futter in einen Käfig gelockt, in dem je nach Größe mehrere Tiere Platz haben. Getötet wird in der Box. Viele Jäger lehnen diese Methode aus Tierschutzgründen ab. „Ich sehe förmlich die Angst und die Panik in den Augen der Tiere, wenn der Knall ertönt und das erste Tier getötet wird. Das ist keine ethisch saubere Regulierung von Wildbeständen.“

Wildschweine vermehren sich rasant und richten außerhalb der Wälder enorme Schäden an. Klimawandel und Kulturlandschaften begünstigen das. Und jetzt, da sich die Afrikanische Schweinepest von Osteuropa kommend ausbreitet sollen die Jäger mehr Wildschweine erlegen. Doch das ist einfacher gesagt als getan; denn nachtaktive Tiere wie Wildschweine zu jagen, ist nicht leicht.

Die Jäger sollen mehr Wildschweine erlegen

Um sie schießen zu können, muss man sie schließlich sehen und Schweine sind intelligente Tiere. „Bei Vollmond braucht man erst gar nicht loszuziehen“, sagt Torsten Klein. „Da kommt kein Schwein.“ Und so sitzt auch der erfahrene Jäger oft viele Stunden erfolglos auf dem Hochsitz.

Menschen müssen sich also den schlauen Tieren anpassen. Diskutiert wird derzeit in verschiedenen Bundesländern der Einsatz von Nachtsichttechnik bei der Jagd. Diese ist in Deutschland bislang nicht zugelassen. Das Bundesjagdgesetz müsste geändert werden. Die Bundesländer können diese Regelung jedoch erweitern oder aus besonderen Gründen einschränken.

Wer also in Brandenburg ein Nachtsichtgerät auf sein Gewehr montiert, um auf Wildschweinjagd zu gehen, macht sich strafbar – es sei denn, er hat eine Sondergenehmigung. Und ein Schuss in der Dunkelheit wird zwar nicht gesehen, aber gehört. „Und da fragen sich dann doch die Jagdkollegen, wieso es geknallt hat, wo doch gar kein Mond scheint“, sagt Torsten Klein, der die Legalisierung dieser Geräte durchaus befürwortet.

Der Grund: Angst vor der Afrikanischen Schweinepest

In den letzten 100 Jahren hat sich die Waffentechnik so stark entwickelt, dass auch am späten Abend noch eine Jagd mit Zielfernrohr möglich ist. Doch in der Nacht sind alle Katzen grau. Seit dem vergangenen Jahr kann in Brandenburg eine Taschenlampe bei der Wildschweinjagd eingesetzt werden. Diese Allgemeinverfügung ist befristet bis einschließlich 31. März 2021 gültig.

Begründet wird der Schritt vom Landwirtschaftsministerium damit, dass ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest jederzeit möglich sei. Daher sei es vonnöten, die Zahl der Wildschweine deutlich zu reduzieren.

Jagd mit Zielfernrohr im Gespräch

Als Jagdunkundiger fragt man sich jedoch, wie solch eine Jagd vor sich gehen soll und ob dabei nicht die Gefahr besteht, dass nächtliche Spaziergänger oder Liebespärchen getroffen werden könnten, denn die Taschenlampen dürfen nicht auf dem Gewehr montiert werden. „Ich denke, dass mit dieser Maßnahme nur der Illegalität der Boden entzogen werden soll“, sagt Torsten Klein. „Die Taschenlampen sind meiner Meinung nach nur ein Alibi. Aber bevor wir den unsäglichen Saufang wieder einführen, bin ich doch eher dafür, die Nachtzieltechnik in Brandenburg zu legalisieren.“

Bayern hat bereits einen Weg gefunden. Nachtsichtgeräte, die für jeden Bürger ohne eine erforderliche Genehmigung erwerbbar seien und mit einem Adapter vorne auf das Zielfernrohr gesteckt werden, können in besonderen Problemgebieten verwendet werden. Die Erlaubnis beschränkt sich allerdings auf das Revier des antragstellenden Revierinhabers und gilt nur für Schwarzwild.

Von Cornelia Felsch

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