Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Neustadt Dreetzer überrascht vom Ausmaß einer Nazi-Munitionsfabrik
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Dreetzer überrascht vom Ausmaß einer Nazi-Munitionsfabrik
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 18.09.2018
Beim in Forst/Scheuno (Lausitz) machten Dreetzer auf polnischer Seite der Grenze Fotos vom baugleichen Werk der Deutschen Sprengchemie.  Quelle: privat
Dreetz

Das Interesse an der Geschichte der Pulverfabrik im Dreetzer Wald, wo von 1942 bis 1945 knapp 2000 Menschen Treibladungen für die Weltkriegsmunition produzierten, ist ungebrochen. Auch zum nun vierten Vortrag, bei dem neue Erkenntnisse über dieses einst von der Sowjetarmee nahezu komplett gesprengten Werkes dargelegt wurden, zog es am Freitagabend weit mehr als 100 Zuhörer ins Dreetzer Gemeindezentrum.

Im Mittelpunkt stand diesmal das heute auf polnischem Gebiet gelegene baugleiche Werk in Forst/Scheuno. Es blieb größtenteils erhalten und vermittelt einen Eindruck, welche Dimension das Dreetzer Werk hatte. Insgesamt gab es acht solcher Fabriken der Firma „Deutsche Sprengchemie“.

Weit mehr als 100 Interessierte kamen zum Vortrag nach Dreetz. Quelle: Matthias Anke

Mehrere Akteure rund um die Dreetzer Heimatstube begaben sich im Frühjahr dieses Jahres auf eine Exkursion nach Scheuno. Nachdem Rita Wolff die Gäste begrüßte, berichteten nun Joachim Ribbe und Jörg Peter Kröhnke abwechselnd von ihren Eindrücken.

Räume dieser Dimension, wie sie in Forst/Scheuno noch erhalten sind, gab es auch in Dreetz bis zur Sprengung der Fabrik etliche.  Quelle: privat
Diese Fundamente für Säuretanks in Scheuno vermitteln ebenso einen Eindruck von den Produktionsmengen für Pulver.  Quelle: privat

Beeindruckend wirkten die Zahlen schon zur Entstehung des Werkes in Dreetz: Seit Mai 1940 schufteten 1500 Bauarbeiter, später folgten Zwangsarbeiter. Ihr Lager hatten sie auf dem Gelände der heutigen Gehölzsammlung „Arboretum Lüttgen Dreetz“. Eines der Wirtschaftsgebäude verfügte über einen Saal für 600 Menschen. „Der Saal hier, in dem wir gerade sitzen, ist dagegen nur für 200 Personen zugelassen“, sagte Joachim Ribbe mit Blick auf das eigentlich für sich schon gewaltige Gemeindezentrum, im Volksmund nicht zuletzt „Palast“ genannt.

Und: Die Dreetzer Waldsiedlung, erst Schulungs- und Erholungsheim der „nationalsozialistischen Arbeitsfront“ und dann „Wehrertüchtigungslager“ der Hitlerjugend, war nicht Bestandteil des Sprengchemiewerks. „Entgegen vieler Gerüchte“, so Ribbe. Mehr als diese aber gab es ein halbes Jahrhundert lang nicht, wenn überhaupt. Erst nach dieser Zeit des Schweigens konnte die Geschichte der Pulverfabrik zunehmend aufgearbeitet und veröffentlicht werden.

Nächste Vortragsreihe widmet sich der Landwirtschaft in Dreetz

Am Ende war damit klar: Gibt es wieder neue Erkenntnisse, soll es nicht der letzte Vortrag gewesen sein. Als nächstes aber widmen sich diese Heimatabende, bei denen die Versorgung in der Regel von Dreetzer Feuerwehrleuten übernommen wird, dem Thema Landwirtschaft in Dreetz. Es sei ein ebenso umfangreiches.

Von Matthias Anke

Die MAZ stöbert in Bildarchiven und zeigt in loser Reihenfolge, wie sich Brandenburgs Städte gewandelt haben. Zu jedem historischen Foto gibt es eine aktuelle Aufnahme. Dieses Mal zeigen wir, wie sich Zernitz verändert hat.

15.09.2018

Wegen der drohenden Afrikanischen Schweinepest will Brandenburg bei der Jagd nach Wildschweinen auf eine alte Methode setzen – den Fallenfang.

15.09.2018

Am nächsten Donnerstag, 20. September, beginnt um 19 Uhr in Kyritz der erste MAZ-Stammtisch für die Region.

14.09.2018