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Neustadt Ernteverlust von 50 Prozent befürchtet
Lokales Ostprignitz-Ruppin Neustadt Ernteverlust von 50 Prozent befürchtet
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15:42 27.07.2018
Detlef Peter macht sich um die diesjährige Ernte Sorgen. Der Mais etwa gedeiht nur kümmerlich. Quelle: André Reichel
Dreetz

Seit Monaten hat es kaum geregnet. Die lang anhaltende Trockenheit entwickelt sich mehr und mehr zu einem Problem für Mensch und Natur. So stieg die Waldbrandgefahr, die Wasserstände in den Flüssen sanken dafür auf dramatische Tiefststände. Staubtrocken ist der märkische Sand. Betroffen sind von der Dürre dementsprechend auch die Landwirte der Region.

Bei der Agrargenossenschaft „Rhinluch“ in Dreetz etwa machen sich der Genossenschaftsvorsitzende Detlef Peter und der Leiter der Abteilung Pflanzenproduktion wenig Hoffnung auf eine halbwegs akzeptable Ernte. „Ich bin seit 1978 mit kurzer Unterbrechung hier im Betrieb, doch so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Detlef Peter. Der 59-Jährige leitet die Genossenschaft seit dem Jahr 2001.

Die Agrargenossenschaft  Rhinluch" in Dreetz hat ihr Wintergetreide bereits abgeerntet. Das Korn am Halm war viel zu klein und auch der Strohertrag ist viel geringer als sonst. Quelle: André Reichel

Über das Wetter wird in der A­grargenossenschaft seit 1990 akribisch Buch geführt. Um ganz sicher zu gehen, holt der Genossenschaftsvorsitzende seine Aufzeichnungen hervor, blättert eine Weile und tatsächlich: Schon im April hatte es kaum geregnet, jedoch war der Boden da noch ausreichend feucht.

Im Mai gab es schlappe zwölf Millimeter Regen, im Juni gar nur sieben Millimeter. „Das ist genau die entscheidende Zeit, wo die Pflanzen wachsen und Wasser bräuchten.“, erklärt Peter.

Trockenheit seit fast vier Monaten

„Wir hatten schon so einige Wetterkapriolen, wie Frühjahrstrockenheit oder auch heiße Phasen im Sommer, doch anhaltende Trockenheit seit fast vier Monaten, das gab es seit Langem nicht“, sagt Peter, der gerade die Felder inspizierte. Der Maisschlag bei Giesenhorst zum Beispiel ist total verdorrt. Die Pflanzen sind nicht einmal anderthalb Meter hoch, die Blätter ganz dünn und die Kolben winzig klein.

„Wir haben Glück, dass wir noch tiefer liegende Flächen mit Mais haben, wo noch etwas Feuchtigkeit im Boden ist“, sagt Detlef Peter. Auf den Mais als Futterpflanze ist die Agrargenossenschaft angewiesen, denn der Betrieb hält 700 Milchkühe, Mastbullen, die gesamte Nachzucht und 120 Mutterkühe.

Mehr Mais angebaut

In diesem Jahr haben die Dreetzer auf 380 Hektar Mais angebaut, dass sind etwa 40 Hektar mehr als im Vorjahr. „Das ist wohl unser Glück, denn vielleicht gleicht das den zu erwartenden Ernteverlust von mindestens 25 Prozent ein weinig aus“, so Detlef Peter.

Niederschlag ist auch für die nächste Zeit nicht angesagt. „Wir hoffen aber dennoch auf ein verirrtes Gewitter, sonst wird der Mais wohl nicht mehr lange die lange Dürre überstehen“, so Detlef Peter. Das Höhenwachstum ist jedoch längst abgeschlossen,vielleicht brächte ein Gewitterschauer noch ein wenig bei der Kolbenbildung.

Getreide wird als Viehfutter gebraucht

Sehr schlecht sieht es bei den so genannten Druschfrüchten, also Getreide und Raps, aus, das von der Dreetzer Agrargenossenschaft in diesem Jahr auf 570 Hektar angebaut wurde. Rund zwei Drittel des von der Genossenschaft angebauten Getreides bei normaler Ernte wird im Betreib als Viehfutter gebraucht. Das Wintergetreide ist inzwischen komplett abgeerntet. Doch die Körner am Halm waren oft so klein, dass sie im Mähdrescher durchs Rüttelsieb fielen.

Auch die Menge an Stroh bleib weit hinter den Erwartungen zurück. Auf Schlägen von 20 Hektar und mehr sind nur ein paar Strohballen zusammengekommen. „Normalerweise müsste es drei Mal mehr sein“, so Detlef Peter. Auf das Stroh aber ist der Betrieb als Einstreu im Stall ebenfalls angewiesen. Bis auf die Milchkühe stehen alle Rinder der Dreetzer Agrargenossenschaft auf Stroh.

Dreetzer kauften Stroh dazu

„Wir haben schon Stroh von 50 Hektar als Selbstwerber bei der Agrargenossenschaft in Plänitz dazu gekauft“. Detlef Peter ist froh, dass es noch solidarische Betriebe wie den in Plänitz gibt. „Da haben wir auch schon ganz andere Sachen erlebt“, so Peter. Auf die ebenfalls schlechten Ernteergebnisse beim Raps muss eigentlich nicht extra hingewiesen werden.

Katastrophal fällt auch das Ergebnis bei der Anwelkernte aus. Gut 900 Hektar Grünland bewirtschaftet der Dreetzer Betrieb. Bis auf die tiefer liegenden Flächen, auf denen das Gras noch etwas wächst, ist alles andere total verdörrt. „Da ist nichts zu holen“, berichtet Pflanzenbauchef Michael Opretzka. Wenn sich die Grünfuttersituation noch weiter verschärft, wird es für die Dreetzer schwer, Betriebe zu finden, die noch genug übrig haben in diesem trockenen Sommer. „Das wird ein teures Jahr für uns“, so Opretzka.

Möhren sind für die Saftproduktion bestimmt

Auf einer Fläche von 35 Hektar baut der Dreetzer Agrarbetrieb Möhren an. Diese sind für die Saftproduktion bestimmt. Jedoch sieht es auch hier nicht rosig aus. Auf einem besonders sandigen Feld bei Bartschendorf sind nur wenige Möhren aufgegangen.

Auch bei den Kartoffeln, die auf rund 100 Hektar angebaut wurden, erwartet Opretzka einen Ernteverlust von mindestens 40 Prozent und mehr. In der entscheidenden Phase fehlte auch hier das Wasser. Ein Beregnen solcher Flächen hätte das Problem deutlich entschärft, doch es fehlte das Wasser in den Gräben, aus denen die mobilen Beregnungsanlagen gespeist werden.

Schöpfwerk im Rhinluch außer Betrieb genommen

Später gab es wieder Wasser in den Gräben, als die Schleusen des Obersees geöffnet wurden. „Das hätte schon viel früher geschehen müssen, um nicht erst die Gräben austrocknen zu lassen“, sagt Detlef Peter. In dem Zusammenhang benennt der Chef der Dreetzer Agrargenossenschaft noch ein anderes Problem, mit dem sein Betrieb zu kämpfen hat – das außer Betrieb genommene Schöpfwerk im Rhinluch. „Hätte man dort im Frühjahr beizeiten die Schotten dicht gemacht, hätten wir hier auch noch genügend Wasser“, so Peter.

Auch im umgekehrten Fall, wenn zu viel Wasser vorhanden ist wie im Jahr zuvor, hätte ein funktionierendes Schöpfwerk hilfreich sein können. „Seit 20 Jahren fordern wir die Rekonstruktion des Schöpfwerkes, bisher ohne Erfolg“, so Peter. „Man sollte nicht vergessen, dass Landwirtschaft in erster Linie für die Ernährung der Bevölkerung betrieben wird und an zweiter Stelle für die Pflege der Kulturlandschaft“.

35 Mitarbeiter und fünf Lehrlinge

Jammern will der Chef der Agrargenossenschaft jedenfalls nicht, doch er weist darauf hin, dass er auch für 35 Mitarbeiter und fünf Lehrlinge verantwortlich ist, die in dem Betrieb arbeiten und nicht zu vergessen, die 700 Milchkühe, die Mastbullen, die Nachzucht und die Mutterkühe, die an 365 Tagen im Jahr zu versorgen sind.

Von André Reichel

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